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12.02.2003
 

Ingenieur-Nachwuchs

Im Rechnen schwach

Nordrhein-westfälische Professoren schlagen Alarm, weil die Studienanfänger in Technikfächern nur miserable Mathematikkenntnisse mitbringen. Bei einem Test scheiterten die meisten Erstsemester an Fachhochschulen sogar an Aufgaben für den Matheunterricht bis zur zehnten Klasse.

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"Die können keine Bruchrechnung, die können nicht den Inhalt eines Kreises berechnen, die können keine Prozentrechnung." Bei einem Blick auf die Ergebnisse eines Tests für Erstsemester könnte Holger Nissen schier verzweifeln: Der Jülicher Mathematikprofessor ortet bei den Studienanfängern erschreckend schlechte Mathekenntnisse. "Lediglich Studienanfänger mit einem Mathe-Leistungskurs haben besser abgeschnitten", sagt er.

Nissen ist Vorsitzender des Arbeitskreises Ingenieurmathematik an Nordrhein-Westfalens Fachhochschulen. An elf der Maschinenbau-Fachbereiche nahmen insgesamt knapp 2900 Studienanfänger an einem Eingangstest teil. Die meisten hätten lediglich zwei bis vier von zehn Mathematikaufgaben aus dem Schulunterricht bis zur zehnten Klasse lösen können, teilte die FH Südwestfalen mit. Beim klassischen Dreisatz seien die Kandidaten "noch relativ gut" gewesen - doch nicht einmal ein Viertel habe gewusst, wie viele Quadratzentimeter ein Quadratkilometer hat.

"Die Kollegen schimpfen alle"

Holger Nissen sieht deutliche Veränderungen: Noch vor einigen Jahren seien die Mathematikkenntnisse besser gewesen, heute seien Studienanfänger mit einem Grundkurs Mathematik nicht besser vorbereitet als Kommilitonen, die über den zweiten Bildungsweg zur Fachhochschule kommen. "Das Gymnasium ist kein Qualitätsmerkmal mehr", so Nissen. Vor allem das Wissen der Mittelstufe fehle.

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Der Professor hält einen Großteil der neuen Maschinenbau-Studenten für nicht studierfähig und möchte ein Vor-Studienjahr einrichten, in dem Anfänger ihre Lücken schließen können. Nissen verzichtet auf eine Einschätzung, ob es ähnliche Lücken auch in anderen Studienfächern gibt. Aber: "Die Kollegen schimpfen alle, bis hin zur Medizin."

Die Studierenden selbst könnten nichts für ihre Schwächen. "Es ist ein Systemfehler", sagt Nissen und warnt vor einem Qualitätsverlust bei den Ingenieuren: "Wir können unser Niveau nicht halten, außer wir lassen den Großteil durchfallen." Der Studienplan in Maschinenbau sei verdichtet, als Professor könne er sich nicht mit Bruch- und Prozentrechnung beschäftigen.


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