Herr Gaethgens, haben Sie schon einen 100-Tage-Plan für die Zeit nach Ihrem Amtsantritt im Sommer?
Peter Gaehtgens: Auf die 100 Tage will ich mich jetzt nicht festlegen, aber es gibt natürlich Dinge, die ich besonders wichtig finde: die Autonomie der Hochschulen und ihre Autonomiefähigkeit; die Notwendigkeit, alte materielle Ressourcen zu sichern und neue zu erschließen; natürlich auch die öffentliche Akzeptanz der Hochschulen.
UniSPIEGEL ONLINE: Daran mangelt es derzeit?
Gaehtgens: Wenn man aus einer solchen Situation kommt, wie wir sie in Berlin in der Hochschulpolitik erleben, dann hat man natürlich einen Härtetest hinter sich gebracht, auch in der öffentlichen Auseinandersetzung. Und da sind meine Erfahrungen eindeutig: Wir brauchen die Unterstützung durch die Öffentlichkeit, damit Politiker ihre Prioritäten richtig setzen. Jede Forderung nach höheren Bildungsausgaben verhallt ungehört, wenn es dafür nicht ein öffentliches Echo gibt. Deshalb finde ich diese Aufgabe so wichtig.
UniSPIEGEL ONLINE: Wie stehen Sie denn zur Einführung von Studiengebühren? Bisher hat sich die HRK da ja eher zurückgehalten.
Gaehtgens: Meine persönliche Position ist, dass sozialverträgliche Studiengebühren unabdingbar notwendig sind. Wir reden zwar viel über Wettbewerb, aber wir haben bisher keinen. Ich will die Konkurrenz der Hochschulen untereinander fördern, und dazu gehört auch der Wettbewerb um die Studierenden.
UniSPIEGEL ONLINE: Und dazu müssen Gebühren her?
Gaehtgens: Ja, denn Gebühren zwingen die Hochschulen zu einer Profilentwicklung, die sie attraktiv macht. Sie zwingen sie zu einer Qualitätsverbesserung in den Leistungen gegenüber den Studierenden, und sie entwickeln das größte Interesse an der Lehre, wenn sie für die Lehre auch honoriert werden. Das findet ja derzeit gar nicht statt. Wenn ich in der Lehre sehr gut bin, dann ertrinke ich in Studierenden.
UniSPIEGEL ONLINE: Was hätten die Studierenden von Gebühren?
Gaehtgens: Sie hätten ein ganz anderes Verhältnis zum Studium. Man würde das Studium nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit wie Regen oder Sonnenschein entgegen nehmen, an der man nichts ändern kann. Studierende können dann auf negative Zustände in der Lehre wirksamer reagieren als bisher. Deswegen bin ich sehr dafür, dass das eingeführt wird. Die HRK hat sich da in der Tat bisher vielleicht ein bisschen zu vorsichtig verhalten.
Das Interview führte Armin Himmelrath
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