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Studium in Costa Rica Praxis im Paradies unter Palmen

2. Teil: Savoir vivre in Costa Rica - die muntere Cocktailproduktion der Studenten-WG und Salsa mit den Ticas

Die Spezies der Ulmer Biologen ist in San José dagegen längst keine Rarität mehr. Auch Larissa Albrecht, 24, kam für ein Jahr an die UCR. Beim häufigen Dauerregen und schwüler Hitze sei es "nicht immer angenehm, draußen rumzukriechen". Aber ihr macht das praktische Studium viel mehr Spaß als daheim. Dennoch gibt es für die fünf Austauschplätze zwischen Ulm und Costa Rica fast nie genug Bewerber. "Viele trauen sich wohl nicht", mutmaßt Larissa, "aber ich könnte hier gut auf Dauer arbeiten."

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Costa Rica zählt noch zu den exotischen Zielen des deutschen Studientourismus. Nur 25 Studenten aus allen Fachrichtungen finanzierte der DAAD im Jahr 2002 ein oder zwei Studiensemester in San José. Dafür zieht es viele Ticos und Ticas, wie sich die Costa-Ricaner gern nennen, nach Deutschland. 57 UCR-Dozenten haben im Geburtsland der Gebrüder Humboldt promoviert und singen nun das Loblied auf deren große Errungenschaft: die Einheit von Forschung und Lehre. In Costa Rica scheint sie verwirklicht. Wohl auch, weil der biologische Reichtum die Forscher unter Druck setzt.

Jorge López kann vergleichen. Der 35-jährige Guatemalteke machte als DAAD-Stipendiat seinen Master-Abschluss in Costa Rica und ging später zur Promotion nach Erlangen, wo er fast fünf Jahre lang die "optische und akustische Empfindlichkeit der Blumenfledermaus" erforschte. Gelernt habe er viel in Bayern, sagt der Biologe heute, nur sei die Promotion arg theorielastig gewesen. "In Zentralamerika haben wir so drängende Probleme, weil wir unsere einmalige Biodiversität schützen müssen. Deshalb sind die Unis hier viel praktischer orientiert."

Riesenfledermaus im Netz

Ganz praktisch untersucht Larissa Albrecht die Glossophaga soricina: Zu jeder Blumenfledermaus scheint es eine passende Fledermausblume zu geben. Larissa fängt die Tiere in einem Netz und vergleicht den Blütenpollen in ihrem Fell mit den Proben, die sie zuvor aus Blüten entnommen hat.

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Auch sie hat die Unberechenbarkeit des Dschungels erlebt. Eines Abends flatterte ein unerwarteter Fang in ihrem Netz herum. Der Vampirum spectrum, die größte bekannte Fledermaus der Neuen Welt, wollte sich aber partout nicht untersuchen lassen - und verstand sich darauf, der Jungbiologin Respekt einzuflößen. Gleich zwei Helfer benötigte sie, um die Riesenfledermaus wieder aus dem Netz zu befreien. Die Spannweite des "Falschen Vampirs" betrug fast einen Meter.

Mit einem so radikal anderen Studienalltag in Costa Rica hatten die deutschen Studenten vorher nicht gerechnet. Dafür ist der Alltag einfacher als erwartet. Seit Jahren reichen die "Ulmer" ein Haus in einem ruhigen Stadtteil von einer Stipendiatengeneration an die nächste weiter. Zum Inventar gehört Hauskatze Luna, von ihren jährlich wechselnden Herrchen-Clans aus Deutschland hoffnungslos verzogen.

In der Hängematte auf der Veranda

Als "eine Mischung aus bunt-alternativ und ziemlich versifft" beschreibt Martin die Unterkunft. Immerhin gibt es warme Duschen, und in der Hängematte auf der Veranda lässt es sich gut aushalten. Der Zitronenbaum im Vorgarten erleichtert zudem die rege Cocktail-Produktion der WG. Die hat sich an den örtlichen Geschmack längst angepasst und mixt am liebsten Zuckerrohrschnaps mit Cola.

Einkaufen ist in der 350.000-Einwohner-Stadt kein Problem. An jeder Ecke finden sich Pulperias, kleine Läden mit mehr Flair als die ebenfalls verbreiteten Shopping Malls. Sogar Müsli hat Larissa im Supermarkt gefunden. Nur in das weltumspannende Klagelied aller Auslandsdeutschen über den Mangel an schmackhaftem Brot stimmen die Studenten ein. Dafür sind Costa Ricas Bananen ein Traum, und jeden Sonntag entdecken die Deutschen auf dem Markt wieder eine ihnen unbekannte Frucht.

Martin Knopf begann sein Jahr in einer fünfköpfigen Gastfamilie und begleitete sie gleich in seiner ersten Costa-Rica-Woche zum Urlaub auf einen Campingplatz am Pazifikstrand. Auch 13 Onkel, Tanten, Nichten und Neffen waren mit von der Partie. Die 18 neuen Namen waren für ihn das Schwerste, ansonsten kam er mit seinen "paar spanischen Vokabeln" schon zurecht.

Martin genießt die Geselligkeit der Latinos. Fiesta in Costa Rica ist anders als Partys in Deutschland. "Hier sind die Leute sofort wahnsinnig gut drauf. Kaum läuft die Musik, wird auch schon getanzt." Ohne ein paar Schritte Salsa und Merengue fällt es schwer, da mitzuhalten - Einzelkämpfer sind auf der Tanzfläche nicht gefragt. Im Gegensatz zu Larissa konnte Martin sich noch nicht zu Tanzstunden durchringen. Kein Problem für den groß gewachsenen Blonden: "Die Ticas sind echt nett und versuchen es immer wieder mit mir."

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