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17.10.2003
 

Last-Minute-Studenten

Gehen Sie zur Uni. Gehen Sie direkt dorthin.

Von Kai Kolwitz

Manche brauchen eine Extra-Einladung. Hier ist sie: Offiziell hat das Wintersemester bereits angefangen, trotzdem halten viele Unis ein Hintertürchen für Nachzügler offen. Jedenfalls noch ein paar Tage lang - jetzt einschreiben, aber subito!

Sie haben Abitur, aber keinen Job? Keine Perspektive? Keine Ahnung, was Sie mit Ihrem Leben anfangen sollen? Dann gehen Sie doch einfach noch an die Uni!

Erstsemesterin (in Osnabrück): Manche Städte zahlen sogar Begrüßungsgeld
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GMS

Erstsemesterin (in Osnabrück): Manche Städte zahlen sogar Begrüßungsgeld

Die Entscheidung für ein Studium ist zwar etwas grundsätzlicher und sollte weniger spontan sein als die für den abendlichen Kinobesuch. Aber Gründe, warum es ganz schnell gehen soll, gibt es immer - ob man nun plötzlich den Job verliert oder Bundeswehr oder Zivildienst unverhofft früher vorbei sind. Und manche, bei denen es mit dem Traumstudium auch im Nachrück-Verfahren nichts geworden ist, wollen nicht länger warten.

Eigentlich sind im Oktober die Einschreibefristen fast überall abgelaufen, die Vorlesungen beginnen in diesen Tagen. Obendrein kann man sich für viele Studiengänge nur im Wintersemester einschreiben, so dass im schlimmsten Fall fast ein Jahr Wartezeit droht.

Aber nicht immer und nicht überall. Wer sich sputet, den belohnt die Uni. Denn zumindest unter der Hand machen viele Hochschulen einen Studienbeginn auch nach dem Semesterstart möglich. "Gerade an mittleren Universitäten wird noch etwas gehen", meint etwa Christoph Bäcker, Studienberater an der Uni Paderborn. Dort sind bis zum 24. Oktober Einschreibungen für das Wintersemester möglich - sofern das Fach der Wahl nicht zulassungsbeschränkt ist und noch Platz hat. Das gilt nicht nur für Exotenfächer und akademischen Bodensatz: So sind in Paderborn noch Chemie, Maschinenbau, Mathematik, aber auch viele Geisteswissenschaften im Angebot.

Auf den letzten Drücker in kleine Fächer

Ob die Hochschule Nachzüglern noch ein Türchen öffnet, ist allerdings eine Frage von Kapazitäten und interner Organisation. Daher sollten Last-Minute-Studenten weder auf eine bestimmte Stadt noch auf ein einziges Fach fixiert sein. "Wer sich bis heute gar nicht um einen Platz gekümmert hat, hat schlechte Karten", sagt zum Beispiel Pressesprecher Norbert Frie für die Universität Münster, eine der deutschen Mammut-Unis. Auch die Sporthochschule Köln meldet "Rien ne va plus" - wegen großen Andrangs ist jedes Plätzchen in Hörsaal und Sporthalle vergeben.

Nachzügler (in Tübingen): Wer nicht will, der hat schon
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DDP

Nachzügler (in Tübingen): Wer nicht will, der hat schon

Trotzdem ist das Rest-Angebot mehr als ein akademischer Grabbeltisch. Und kann sogar neue Horizonte öffnen. "In den Werkstoffwissenschaften würde ich Sie sofort zum Studium zulassen", so Reiner Bensch von der Bauhaus-Universität Weimar. Der Bedarf sei groß, die Bewerberzahl klein. Reizvoll auch die Offerte der Hochschule Bremerhaven: Wer schon mal sechs Monate zur See gefahren ist, kann mit dem Fach "Schiffsbetriebstechnik" seiner maritimen Karriere neuen Schub geben. Auch Versorgungs- und Anlagenbetriebstechnik gehen von jetzt auf gleich. Bonn und Siegen sind ähnlich großzügig: Mindestens bis zum 27. Oktober bleiben fast alle zulassungsfreien Fächer im Angebot.

Für Numerus clausus-Fächer wie Architektur oder Medizin allerdings ist der Zug meist schon abgefahren. Aber selbst hier glimmt noch einen Funken Hoffnung: "Es kann durchaus sein, dass nach Durchführung aller Verfahren in einem zulassungsbeschränkten Studiengang doch noch ein, zwei Plätze frei sind", erklärt Sonja Wysuwa von der FH Südwestfalen. Zwar eine Lotto-Chance, aber Nachfragen kostet ja nichts.

Wuppertal: Da geht noch was

Wer erst Tage oder gar Wochen nach den Kommilitonen eintrudelt, verpasst allerdings einiges verpasst hat - nicht nur eine salbungsvolle Rektor-Rede oder die obligatorische Stadtrallye nebst Kneipentour. Oft werden zu Beginn des ersten Semesters die handwerklichen Grundlagen für viele Monate gelegt. Wer etwa Physik studieren möchte und mathematisch schon als Schüler nicht ganz auf der Höhe war, kann schneller wieder draußen sein, als er hineingekommen ist.

Dieses Schicksal teilen Kurzentschlossene mit Nachrückern, die ihren Platz erst spät via ZVS oder Uni bekommen. Bis alles geklärt ist, kann durchaus ein Vorlesungsmonat der Vorlesungszeit verstrichen sein. Übrigens keine Chance für Spätberufene: Bei der Dortmunder ZVS war bereits am 15. Juli Bewerbungsschluss, bei uni-internen Verlosungen spätestens am 15. Oktober.

Trotzdem: "Aus meiner Sicht lohnt es sich immer, sich zu erkundigen", sagt Studienberater Bäcker aus Paderborn. Selbst wenn es für die Einschreibung zu spät sei, könne man immer noch nach einem benachbarten Studiengang suchen, dort Scheine erwerben und später für das Wunschfach anrechnen lassen könnte.

Als Paradies für die akademische Nachhut präsentiert sich derweil Wuppertal: Weil die zum Wintersemester eingeführten Bachelor- und Master-Studiengänge erst spät beworben werden konnten, endet die Einschreibefrist generell erst Ende November. Das gilt für Maschinenbau kombiniert mit Industriedesign ebenso wie für das deutschlandweit einzigartigen Bachelor-Studium "Angewandte Naturwissenschaften". Für das neue Angebot trommelte die Uni Ende September sogar noch per Radio-Spot - vielleicht lässt sich hier ja wie am Last-Minute-Flugschalter ein Rabatt beim Semesterbeitrag aushandeln...

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