Von Armin Himmelrath
Seit Monaten schießt jeder, der in der Bildungspolitik etwas auf sich hält und Studenten ans Portemonnaie will, ein eigenes Modell für Studiengebühren in die Umlaufbahn. "StudienCredits" heißt das neue Konzept der baden-württembergischen Grünen, entwickelt vom Kölner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS).
Wichtigster Punkt: Europas Bildungsminister haben bereits die Einführung eines Credit-Point-Systems vereinbart, mit dem Studienleistungen über Ländergrenzen hinweg leichter anrekannt werden sollen. Nun wird es nach den Vorstellungen der Grünen mit einem Gebührenmodell verschmolzen. 300 Kreditpunkte soll ein Student bis zum Master sammeln, 360 solcher Punkte erhält er nach dem neuen Modell zum Studienbeginn auf einem virtuellen Studienkonto gutgeschrieben.
"Die Credits werden mit der Anmeldung zu einer Veranstaltung vom Konto abgebucht und beim erfolgreichen Durchlaufen dem Haben-Konto gutgeschrieben", heißt es im Konzept. Erstmals beziffert das Forschungsinstitut auch den Wert von Credit Points: Für "kostengünstige und vergleichsweise weniger ertragreiche Studienfächer wie Sprach- und Kulturwissenschaften 15 Euro. Für teurere und ertragreichere, das heißt meist mit einem höheren Einkommen verbundene Studienfächer wie etwa Medizin, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften wird eine höhere Gebühr von 25 Euro pro StudienCredit angesetzt."
Geist ist billig für Deutschlands Universitäten: Philosophie oder Germanistik verursachen geringere Kosten, zudem haben die meisten Absolventen nur trübe Gehaltsaussichten. Für lukrative Berufe wie Zahnarzt oder Manager indes zeigt FIBS-Leiter Dieter Dohmen kein Erbarmen. Die Grünen haben sein Konzept allerdings abgewandelt: Sie schlagen - unabhängig vom Fach - eine Eigenbeteiligung von 20 Euro je Credit vor, also 600 Euro pro Semester, zu zahlen nach dem Studium.
Einig sind sich die Grünen und Gutachter Dohmen, dass Studenten nur für das Masterstudium zahlen sollen; bis zum Bachelor-Abschluss bleibt Studieren kostenlos. Damit werde verhindert, "dass Studierende aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien von der Studienaufnahme abgehalten werden", so Dieter Dohmen. Die Gebührenstruktur führe zu einer maximalen Belastung von 3000 Euro plus 230 Euro Zinsen etwa in einem Medizinstudium bei einer Dauer von zwei Jahren.
Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) und der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften äußerten (fzs) äußerten sich entsetzt: "Nun kippen auch noch die Grünen". Nach Ansicht von ABS-Sprecher Klemens Himpele treibt das StudienCredit-Modell die Kommerzialisierung der Hochschulbildung nur noch weiter voran. "Wer es sich leisten kann, studiert dann Medizin oder Jura, die anderen müssen die billigeren Geisteswissenschaften nehmen", sagt er. Durch unterschiedliche Studienkosten würde außerdem letztlich auch die Gehaltsschere nach dem Studium noch weiter auseinander klaffen: "Wer viel ins Studium investiert hat, wird das nachher natürlich wieder raushaben wollen; wer wenig investiert hat, hat auch bei Gehaltsverhandlungen schlechtere Chancen."
Billig? Da stehst du doch drauf
Für Dieter Dohmen zählen solche Argumente nicht. Den Charme seines Modells sieht er unter anderem darin, dass die Abbuchung vom virtuellen Konto nicht semesterweise erfolgt, sondern nur nach den wirklich belegten Seminaren und Vorlesungen: "Da ist es egal, ob sie Teilzeit oder Vollzeit studieren" - anders als bei den Studienkonten, die zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz planen.
Zudem erhalten laut FIBS-Modell die Hochschulen ihre Gelder erst dann vom Land, wenn sie abgebuchte Credit-Points von Studenten vorweisen. Das zwinge Professoren, sich um Teilnehmer in ihren Veranstaltungen zu bemühen und sie bei Laune zu halten, so Dohmen.
Einstweilen steht dem grünen Gebührenprojekt noch das Wahlversprechen der rot-grünen Bundesregierung entgegen. Gebührenfrei sollte das Studium bis zum Diplom sein, hieß es einst. Im Hochschulrahmengesetz wurde daraus die Gebührenfreiheit "bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss".
Ist das nun der Bachelor oder Master? Der Vorschlag der baden-württembergischen Grünen macht deutlich, dass längst nicht mehr der Master gemeint ist - allen anderen Beteuerungen zum Trotz.
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Kunst ist wie Literatur ein Mittel die Realität wiederzuspiegeln, zu kritisieren und es an die Öffentlichkeit zu bringen. Es ist wichtig sie zu fördern, weil die Aussagen von großen bekannten Künstlern nun mal mehr Einfluss [...] mehr...
Theoretisch ist es ja auch bezahlbar. Mit BAfög, Studienkredit und Nebenjob oder halt reichen Eltern. Die Frage ist, ob das dem Staat reicht und ob das dann richtig ist. Richtig, die Einschränkungen sind dumm, aber wenn [...] mehr...
Studieren - soll ja inzwischen die häufigste Ausbildungsform sein - muss bezahlbar sein bzw. wieder werden. Es ist doch dumm, den Zugang zum Studium auf diese Weise einzuschränken bzw. zu erschweren. Das passt auch nicht zu dem [...] mehr...
Gut, dass vor einem halben Jahrtausend nicht nur an den Profit eines Studiums gedacht wurde. Die ganzen Mathematiker mir ihren mathematischen Beweisen, die beweisen, was keiner wissen will und auch keiner versteht. Damit gewann [...] mehr...
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