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03.02.2004
 

Dialer-Nepp im Web

98 Euro für vier Hausaufgaben

Klicken, speichern, ausdrucken - so einfach können Hausaufgaben sein. Unseriöse Anbieter ziehen arglosen Schülern allerdings unbemerkt das Geld aus der Tasche. Sie umgehen dabei neue Gesetze, die eine Abzocke per Dialer verhindern sollen. So können schon Kurzausflüge ins Netz teuer werden.

Kein Bollwerk ohne Schlupfloch: Trotz neuer Schutzgesetze gegen Telefon- und Internet-Abzocke können sich Verbraucher nach wie vor in Fallstricken verheddern, die sie teuer zu stehen kommen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollten beim Surfen im Netz besonders aufmerksam sein, mahnt Evelin Voss, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, zur Vorsicht. Kostspielige Dialer, also Internet-Einwählprogramme, gibt es nämlich immer noch. Deren Betreiber haben es neuerdings offensichtlich verstärkt auf unerfahrene Jugendliche abgesehen.

Schülerinnen am Computer: Vorsicht bei der Suche nach Hausaufgaben
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DDP

Schülerinnen am Computer: Vorsicht bei der Suche nach Hausaufgaben

Die jüngste Masche einiger Anbieter nutzt unter anderem den zunehmenden Trend unter Schülern, sich aus dem Internet auf die Schnelle mit Hausaufgabenhilfen und Referaten zu versorgen. Den jungen Menschen wird dabei unbemerkt kräftig Geld aus der Tasche gezogen. Für so manchen Kurzausflug ins Netz bekäme man eine ganze Hand voll Nachhilfestunden beim Profi: Ein 13-jähriger Schüler aus dem Vogtland wurde für vier simple Hausaufgaben-Beiträge, die er sich aus dem Internet herausholte, mit 98 Euro zur Kasse gebeten. "Kein Einzelfall", sagt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern.

Mit folgendem Trick werden die jungen Leute gezielt an der Nase herumgeführt: Auf beliebten Webseiten, die zum Teil Wochen vorher noch kostenlos waren, platzieren Anbieter verstärkt kostenpflichtige Anwählprogramme. Die Dialer, die anstelle des normalen Minutenpreises von ein paar Cent Verbindungen mit deutlich teureren Gebühren aufbauen, sind aber auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Argloses Weiterklicken kann dadurch richtig ins Geld gehen.

Manche Anbieter verschweigen die Extrakosten

Kaum ein Schüler merkt, dass er mit der harmlosen Eingabe der Buchstaben "OK" sein Einverständnis für das Herunterladen und Einrichten von Dialern gibt. Welche Extrakosten bei der Hausaufgabenrecherche entstehen, wird häufig zunächst einmal verschwiegen. Nicht alle Anbieter legen sofort offen, dass pro Minute Hausaufgabenrecherche zum Beispiel 1,99 Euro fällig werden.

Und genau das sei die Alarmglocke für aufziehende Probleme, betont Saller. Seit 15. August 2003 schreibt das neue "Mehrwertdienste-Gesetz" nämlich unter anderem eine Pflicht zur Preisangabe vor. "Weist der Anbieter nicht ausdrücklich auf die Kosten hin, darf er kein Geld verlangen", erklärt der Münchner Jurist.

Auch Preisobergrenzen wurden eingeführt, um Verbraucher vor horrenden Telefonrechnungen zu schützen: Die Surfminute darf jetzt nur noch höchstens zwei Euro kosten, eine teure Verbindung nicht länger als 60 Minuten bestehen. Oder es gilt ein Blocktarif als Festpreis, der 30 Euro nicht überschreiten darf.

Rechtslage klar, Risiken bleiben

Und seit Mitte Dezember soll ein zusätzlicher Mechanismus für Sicherheit sorgen: Dialer dürfen sich nur noch über die Rufnummerngasse 0900 9 einwählen. Sie müssen außerdem bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Kommunikation (RegTP) registriert sein. Nur für angemeldete, legale Dialer darf auch kassiert werden.

Jetzt ist die Rechtslage für den Verbraucher zwar klar, betont Saller. Die Risiken, abgezockt zu werden, sind aber geblieben. Gerade für Kinder und Jugendliche, weil "sie nicht so genau hingucken", kritisiert Voss. Und was dann? Eltern, die in der Regel für die Telefonrechnung ihrer Sprösslinge aufkommen müssen, sollten sich mit der Regulierungsbehörde (RegTP) in Verbindung setzen, wenn sie sich gegen Unregelmäßigkeiten zur Wehr setzen wollen (Hotline: 01805/342537). Erweist sich ein Dialer als regelwidrig, kann er gesperrt werden.

Eltern, die sich das Hickhack um teure Telefonrechnungen von Anfang an ersparen wollen, sollten in jedem Fall mit ihren Kindern über die neuen Tricks sprechen, rät Voss. Die Expertin fand Dialer beispielsweise auf den Seiten hausaufgaben.de, referate.ag oder schulstadt.de - eine Homepage, die bereits vor einigen Monaten durch einen als Zugangstool getarnten Dialer unangenehm auffiel.

Garantiert kostenlose Hausaufgaben-Angebote gibt es dagegen auf der - allerdings noch kleinen - Webseite dialermania.de; die Seite dialerschutz.de warnt vor Tricks von unseriösen Anbietern. Und wer komplett auf Nummer sicher gehen will, kann bei seiner Telefongesellschaft die spezielle Einwahl 0900 9 sperren lassen.

Von Berrit Gräber, AP

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