Boulder - Auf einer universitätseigenen Homepage rufen die College Republicans gleichgesinnte Kommilitonen zur Denunzierung allzu demokraten-freundlicher Lehrstühle auf. "Wenn Du es nicht mehr ertragen kannst, von Demokraten vorgeschrieben zu bekommen, was Du zu denken hast, bist Du bei uns richtig!", werben sie auf ihrer Seite.
Anonym können die Konservativen über Professoren und Verwaltungsangestellte herziehen, denn diskriminiert, übervorteilt und schikaniert fühlen sie sich in den Hörsälen der traditionell linken University of Colorado (CU). Durch einseitige Literaturlisten und Lehrpläne sehen sie die Freiheit der Lehre bedroht und wollen sich mit der Website gegen die angebliche rote Indoktrination zur Wehr setzen.
"Wir wollen Vorurteile dokumentieren", erklärt der Vorsitzende der College Republicans, Brad Jones, das Projekt. "Wir müssen einfach wissen, mit wem wir es zu tun haben, wenn wir in Vorlesungen sitzen oder uns mit der Uni-Verwaltung rumschlagen müssen."
Politik ist Krieg mit anderen Mitteln...
Unterstützt wird die republikanische Aktion von einer Organisation namens Students for Academic Freedom, die wiederum vom konservativen Aktivisten David Horowitz ins Leben gerufen wurde. Horowitz machte sich in den sechziger Jahren zunächst als Idol der radikalen Linken einen Namen, heute ist er allerdings als erzkonservativer Republikaner bekannt. In seinem Werk "The Art of Political War" formuliert er seine Prinzipien des politischen Kampfes: Politik ist Krieg mit anderen Mitteln, es gewinnt normalerweise der Aggressor, die Waffen im Kampf sind Symbole für Furcht und Hoffnung.
Auf der Homepage der Students for Academic Freedom macht Horowitz seinem Ärger über die "radikalen Altachtundsechziger" Luft, die an amerikanischen Hochschulen ungehindert "den linken Krebs" verbreiteten. "Skrupellose Lehrer und Professoren können der Versuchung eines jungen, verletzlichen, beeinflussbaren Publikums einfach nicht widerstehen", heißt es da. Und weiter: "Liberale, so mussten wir erfahren, sind von Natur aus Randalemacher. Sie sind nicht fähig, Argumente für ihre Vorurteile zu finden. Stattdessen beleidigen sie eben ihre Gegner und versuchen, sie durch unfaire Methoden niederzumachen."
Raues Klima für Republikaner
In Leserbriefen an die regionale Presse unterstützen konservative Leser den Kurs von Horowitz. Sogar zu Vergleichen mit der Diskriminierung Schwarzer, Native Americans und Hispanics versteigen sich seine Fans. Die Anti-Kriegs-Stimmung im Land, so der Tenor, schüre Vorurteile gegen Konservative.
Demokratische Studenten und Professoren der CU wehren sich gegen die Vorwürfe der Republikaner. "Hörsäle sind nun einmal voll von unterschiedlichen Meinungen", sagte Travis Leiker, Vorsitzender der College Democrats gegenüber "CNN". "Die konservativen Studenten, die sich jetzt über Vorurteile und Diskriminierung beschweren, haben wohl mehr Angst davor, mal eine andere Meinung als ihre eigene zu hören."
Auch Barbara Bintliff, Vorsitzende der Professorenvereinigung an der CU, bestreitet die angebliche liberale Indoktrination. "Das schlimmste wäre jetzt für uns, wenn das Projekt in eine Schwarze Liste ausarten würde", so die Juraprofessorin.
Inzwischen hat sich auch eine nationale Bürgerrechtsbewegung in den Streit in Colorado eingemischt. Die Foundation for Individual Rights in Education bestätigt zwar das raue Klima für Republikaner an den Colleges, warnt aber vor unnötiger Zurückhaltung oder sogar Zensur. "Sowohl Republikaner als auch Demokraten müssen einsehen, dass sie nichts vor verbalen Angriffen schützt. Kritik ist nicht verfassungswidrig", so Sprecher Greg Lukianoff. "Tatsache ist doch: Wenn man im College nicht zu Diskussionen herausgefordert wird, sollte jeder Student sein Geld zurückverlangen."
Julia Maria Bönisch
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