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27.02.2004
 

Studenten sammeln Spenden

Almosen für die Alma mater

Von Stefan Küpper

Keine Kohle mehr von Kirche und Staat: Wirtschaftsstudenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt reichen den Klingelbeutel herum - unter ihren Kommilitonen. Für Studiengebühren sind sie deshalb noch lange nicht.

Gebührengegner (in Düsseldorf): "Prostitution für Bildung"
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FEDERICO GAMBARINI / DDP

Gebührengegner (in Düsseldorf): "Prostitution für Bildung"

Das Konto mit der Nummer 1626225 bei der MLP-Bank liegt derzeit mit rund 10.500 Euro im Plus - nicht schlecht für ein studentisches Sparschwein: Es gehört dem Studentischen Förderverein der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt (WFI). Die Gelder haben Professoren, Eltern und nicht zuletzt die Studenten selbst in rund einem Monat überwiesen.

Die Sammelaktion ist zugleich als Protest gedacht: Da der bayerische Staat und die katholische Kirche die Mittel für die Wirtschaftswissenschaftler der Katholischen Universität erheblich gekürzt haben, gründeten 17 Ingolstädter Studenten Ende letzten Jahres einen Förderverein.

Spendensammler Nikolay Kolev: "Nicht auf den Staat verlassen"

Spendensammler Nikolay Kolev: "Nicht auf den Staat verlassen"

Unter dem Motto "Demonstrieren und Investieren" machen sie gegen die Einsparungen Front. Und setzen sich damit gegen andere Protestformen ab: Bei Eiseskälte medienwirksam in die Eichstätter Altmühl zu springen oder Lehrstühle auf dem Ingolstädter Marktplatz zu versteigern sei zwar in Ordnung, meinen die Initiatoren.

Sie wollen aber konstruktiver sein, so Nikolay Kolev, Wirtschaftsstudent im dritten Semester und Pressesprecher des Vereins. Der gute Ruf der WFI sei durch die Kürzungen bedroht und pragmatische Selbsthilfe am sinnvollsten, "nicht um den Staat zu entlasten, sondern um das Level zu halten". Dabei geht es den Spendensammlern allein darum, die Lehre zu unterstützen.

Ihre Idee: Wer sich finanziell an der Ausbildung der Wirtschaftswissenschaftler beteiligen will, ob Student, Professor oder Unternehmen, bezahlt pro Semester freiwillig einen beliebigen Betrag in den Fonds des Vereins ein. Laut einer fakultätsinternen Umfrage ist die Bereitschaft vorhanden, monatlich rund 15 Euro zu entrichten. Vier Professoren und fünf Studenten bilden einen Ausschuss, der darüber entscheidet, wo die Geldspritze am sinnvollsten angesetzt wird. Die ersten Spenden will der Verein verwenden, um einen Tutor, neue Bücher und Betriebssysteme zu bezahlen.

Bayerns Bildungsminister Thomas Goppel: Keine Schützenhilfe für den Gebührenfan
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DPA

Bayerns Bildungsminister Thomas Goppel: Keine Schützenhilfe für den Gebührenfan

Nicht alle Mitstudenten sehen die Sammelaktion mit Wohlwollen. Katharina Schrader, Jung-Sozialistin (JuSo) im Eichstätter Studenten-Konvent, lehnt die Ingolstädter Initiative ab. "Im Moment und generell ist das ein total falsches Signal", sagt die Politikstudentin.

Auf der einen Seite protestiere man gegen die vom Kabinett beschlossene Verwaltungsgebühr von 50 Euro pro Semester, und auf der anderen Seite bezahle man freiwillig. "Die unterlaufen die studentische Solidargemeinschaft", meint das Juso-Mitglied. Und: Der Förderverein liefere Schützenhilfe für Bayerns Bildungsminister Thomas Goppel, der allgemeine Studiengebühren einführen will.

Der Protest könnte also den Gebührenbefürwortern in die Hände spielen, obwohl dies der Förderverein nicht will. "Was der Staat hergibt, sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Aber kann man sich auf ihn verlassen?", verteidigt Kolev das Projekt. Für die Einführung von Studiengebühren sei er nicht: "Wenn überhaupt, dann nur mit einem geeigneten Modell", sagt Kolev.

Gegner wollen Sammler teeren und federn

Jens Bemme von der Technischen Universität Dresden kennt diese Diskussion. Er und 46 Kommilitonen hatten im Juli 2002 mit einem offenen Brief an die sächsische Staatsregierung ihre Mitstudenten entzweit. Darin erklärten sie sich bereit, 100 Euro pro Kopf und Semester zu bezahlen, wenn sich im Gegenzug die Studienbedingungen verbesserten. Die Gegner der Initiative riefen auf Plakaten sogar dazu auf, Bemme zu teeren und zu federn.

In der Folge der Briefaktion entstand das "Unternehmen Selbst!beteiligen" (USB). Bemme und zwei Mitstreiter begannen mit Erfolg, Gelder für längere Öffnungszeiten der Sächsischen Staats- und Landesbibliothek zu sammeln. Über den Erfolg der Ingolstädter Initiative "freut er sich total". Er gibt allerdings zu bedenken, dass es schwierig werden könnte, das Engagement des Vereins dauerhaft hoch zu halten.

Nikolay Kolev und seine Mitstreiter suchen unterdessen weiter nach zahlenden Mitgliedern. Außerdem bemüht man sich in Ingolstadt, Unternehmen für das Projekt zu gewinnen. Die Initiatoren hoffen, dass der Kontostand von 162 62 25 so weiterhin im Plus bleibt.

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17.07.2010 von pulegon: Bezahlbar Zahlen zahlen

Theoretisch ist es ja auch bezahlbar. Mit BAfög, Studienkredit und Nebenjob oder halt reichen Eltern. Die Frage ist, ob das dem Staat reicht und ob das dann richtig ist. Richtig, die Einschränkungen sind dumm, aber wenn [...] mehr...

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15.07.2010 von Rainer Daeschler: Nutzen im Wandel der Zeit

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