Einsam im Kämmerchen die grauen Zellen martern, bis ein mit dem eigenen Gehirnschmalz getränktes Werk aus dem Drucker kommt? Dieser Grundsatz akademischen Arbeitens mag zwar noch als hehres Ideal existieren, entspricht aber nicht mehr ganz den studentischen Vorstellungen von Arbeitsökonomie.
Das legt zumindest eine Studie des Recruiting-Unternehmens Freshminds nahe, die vor einigen Tagen auf einem Plagiarismus-Kongress in Großbritannien veröffentlicht und deren wichtigste Ergebnisse im "British Medical Journal" diskutiert wurden. Danach hat jeder vierte Student in schriftlichen Arbeiten schon einmal Erkenntnisse von anderen verwendet, ohne sie als solche zu kennzeichnen.
Die Recruiter schickten Fragebögen an insgesamt 1600 Graduierte, 363 aus verschiedenen Fächern antworteten. 16 Prozent der Teilnehmer gaben an, sie hätten mehr als einmal abgekupfert, weitere neun Prozent antworteten, sie hätten sich einmal aus fremder Quelle bedient. Entdeckung mussten die Trickser aber nicht fürchten: Nur drei Prozent gaben an, ihre Schummelei sei aufgeflogen.
Vom britischen ins amerikanische Englisch
Die Studie definiert Plagiat als "Einfügen von Textteilen aus einer fremden Quelle in die eigene Arbeit, ob sie nun ganz gelassen oder abgeändert werden, um den Ursprung zu verschleiern". "Manchmal verändert sich innerhalb eines Essays plötzlich der Schreibstil", sagt Tony Weetman, Dekan der medizinischen Fakultät an der Universität Sheffield. "Der Autor fängt an, Sätze zu benutzen, die nicht korrekt sind. Oder amerikanische Schreibweisen tauchen auf, weil der Inhalt von einer amerikanischen Webseite abgeschrieben wurde."
Weetman hält das Abkupfern von Texten für genauso schlimm, wie bei einem Examen beim Nachbarn zu spicken und fremde Antworten einzutragen. Wer die Regeln breche, müsse mit Disziplinarmaßnahmen rechnen. 99 Prozent der Medizinstudenten seien aber grundsätzlich ehrlich, glaubt Weetman. Leider böten die meisten medizinischen Fakultäten ihren Fakultäten keine Richtlinien darüber, was Plagiat sei und was nicht.
"Die Trennlinie zwischen einem Zitat und einem Plagiat ist dünn", sagt Harvey Marcovitch, stellvertretender Vorsitzender des Komitees für Publikationsethik. "Das hat mit Offenheit zu tun, es sollte klar gekennzeichnet sein."
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