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07.07.2005
 

Gute Noten gegen gutes Geld

Der magische Zyklus von Harvard

Von Marco Evers

Die Besten der Besten zieht es nach Harvard. Wer erst einmal die Aufnahme geschafft hat, darf in seinem Studium mit guten Noten rechnen. Die Vorzugsbehandlung schafft Loyalität fürs Leben: Die Elite-Uni wird mit Spenden von Ehemaligen überhäuft.

Harte Auslese: Harvard
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Pascal Wallisch

Harte Auslese: Harvard

Das Geheimnis von Harvard ist einfach: Man ist sich hier zu gut für den größten Teil der Menschheit. Deshalb leuchtet Harvards Stern so glanzvoll am Firmament der Elite-Universitäten dieser Welt.

Eine Tradition von 369 Jahren hat beim Aufstieg geholfen, ebenso ein Vermögen von jetzt über 22 Milliarden Dollar und natürlich auch die Tatsache, dass kein Ministerium die Uni lenkt, sondern sie sich selbst. Aber der Hauptgrund für die Strahlkraft der Hochschule in Cambridge, Massachusetts, ist dieser: Hier herrscht harter Wettbewerb - manchmal fair, manchmal unfair ausgetragen.

Dieses Jahr fanden sich wieder etwa 23 000 junge Amerikaner und Hoffnungsvolle aus aller Welt brillant genug für ein Studium in Harvard. Doch die Zulassungsstelle sieht das anders. Nach eingehender Prüfung lässt sie etwa 90 Prozent von ihnen abblitzen. Auf die Kisten voller Ablehnungsbescheide ist Harvard wohl ebenso stolz wie auf seine 41 Nobelpreisträger, denn in den USA gilt die "Selektivität" einer Institution als einer der wichtigsten Gradmesser ihrer Qualität.

Harvards Zulassungsquote von rund 10 Prozent ist ein Spitzenwert: So viel Naserümpferei muss man sich erst mal leisten können.

Eine Universität für alle, so denken die Amerikaner, kann keine gute Uni sein. Wenn eine Hochschule herausragen will, dann muss sie sich eben bewähren im Wettbewerb um die klügsten Köpfe. Wenn sie es richtig anstellt, hat sie die Chance, einen magischen Zyklus in Gang zu setzen: Gute Studenten locken gute Professoren an, die wiederum bessere Studenten anziehen, weshalb noch bessere Professoren an die Uni strömen.

Harvard gilt als Olymp aller Bildungsstätten, weil man sich hier den Luxus leisten kann, unter den Besten die Allerbesten herauszupicken. Auf der ganzen Welt wird sich kaum ein Akademiker einem Ruf aus Harvard entziehen.

Die mehr als 2400 Professoren und Dozenten, gut 6500 "Undergraduate Students" und 12 000 fortgeschrittenen "Graduate Students" erfahren in Rankings immer wieder aufs Neue, dass sie ihr Tagwerk an der besten Universität der Welt verrichten. Und an der reichsten. An der mit dem klangvollsten Namen. Harvard steht, meist zu Recht, für Exzellenz. Dies ist nach einer verbreiteten Ansicht die Uni, die den Adel Amerikas hervorbringt.

Oder ist Harvard die Brutmaschine für die arrogante US-Elitekaste? Dafür spricht manches. Ross Douthat hoffte auf ein Studium voller Einsichten, auf Debatten, auf das Ringen um die Wahrheit. Stattdessen, so schrieb der Journalist jetzt in seinem Erlebnisbericht "Privilege", sei er vor allem auf selbstgerechte Upper-Class-Schnösel gestoßen, die mit möglichst wenig Aufwand das begehrte Diplom ergattern wollten, um es rasch in Status umzumünzen.

Würdig und elitär: Campus der Harvard University
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AP

Würdig und elitär: Campus der Harvard University

Kinder armer Leute aber sind selten auf dem Edelcampus. Dabei spielt das Geld der Eltern keine Rolle bei der Zulassung. Wer sich Harvard nicht leisten kann, dem wird geholfen. Die Ärmsten (Elterneinkommen unter 40.000 Dollar jährlich) kriegen die Ausbildung an der weltberühmten Uni sogar umsonst. Anderen gewährt die Hochschule - je nach Leistung oder Bedürftigkeit - Zuschüsse, Nachlässe, Stipendien und Darlehen. Etwa die Hälfte zahlt die vollen Studiengebühren, die allerdings auch für Amerikas Mittelklasse kaum noch aufzubringen sind: stolze 41.675 Dollar pro Studienjahr, inklusive Kost und Logis.

Doch die Auslese beginnt nicht erst mit dem Zulassungsprozess. Wer eine der oft schäbigen öffentlichen High Schools besuchen musste, hat nur geringe Chancen im Vergleich mit den Absolventen teurer Privatschulen. Deren Zöglinge werden gezielt auf die Anforderungen der privaten Kaderschmieden - neben Harvard etwa auch Yale oder Stanford - vorbereitet. Außerdem ist nicht ganz fair, dass die Uni den wohl ohnehin privilegierten Kindern Ehemaliger eine Vorzugsbehandlung einräumt: Manche Studienplätze vererben sich geradezu.

Für die hohen Gebühren bekommen die Studenten am Ende aber einen Gegenwert, mit dem sie wuchern können: Traumnoten in Hülle und Fülle. Seit langer Zeit verschwinden die schlechten Zensuren von den Privatuniversitäten. Der Jahrgang, der 2001 den Harvard-Campus verließ, tat dies sogar - Chapeau! - zu 91 Prozent mit "cum laude" oder besser.

Für die viel beklagte "Noten-Inflation" haben die Unis ein handfestes Motiv: Jeder Student soll sich später möglichst mit warmem Gefühl und prallem Geldbeutel an seine Studienzeit erinnern, denn die Spenden der Ehemaligen sind eine der wichtigsten Einnahmequellen. Von seinen rund 260.000 Ex-Studenten hat Harvard 2004 mehr als 540 Millionen Dollar eingesammelt. So viel hat keine andere Hochschule weltweit kassiert.

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