Von Armin Himmelrath
DIN A4-Aushang für einen Monat, Mindestbuchung drei Stück, macht insgesamt 120 Euro - wer an der Uni Düsseldorf einen Werksstudenten oder eine Absolventin sucht, kann nicht mehr einfach so einen Zettel ans Schwarze Brett heften. Seit einigen Monaten muss man dafür zahlen: "Unsere Aushangflächen werden jetzt von einer Privatfirma bewirtschaftet", sagt Uni-Sprecher Rolf Willhardt. Nicht verraten will die Uni-Verwaltung den genauen Betrag, den sie seit dem Sommersemester dafür kassiert, dass der Vertragspartner Deutsche Hochschulwerbung (DHW) die Schwarzen Bretter verwaltet und außerdem zum Beispiel auch auf den Campus-Papierkörben Werbung machen darf.
Im Gegenzug sorgen DHW-Mitarbeiter vor Ort dafür, dass die Zettel nicht abgerissen oder überklebt werden. "Überquellende Schwarze Bretter mit überklebten Aushängen und abgerissenen Plakaten waren gestern", wirbt die Firma für ihre kommerzielle Zettelverwaltung, "zur Sicherheit kontrollieren wir Ihren Aushang zweimal die Woche." Ein Angebot, dass bundesweit zahlreiche Hochschulen und Studentenwerke attraktiv finden: "Wir hatten früher große Probleme mit Vandalismus und Wildplakatierung", erzählt Anke van Kempen, Sprecherin des Studentenwerks München. Vor allem professionelle Party-Veranstalter hätten ihre Poster rücksichtslos auf alle anderen Inserate gepappt.
Seit 2001 die Werbeflächen vermietet wurden, gebe es diese Probleme nicht mehr: "Wir sind sehr zufrieden, weil wir die Bretter nicht mehr pflegen und reinigen müssen und sich das natürlich beim Personaleinsatz bemerkbar macht." Zufrieden ist das Studentenwerk auch mit dem "fünfstelligen Sockelbetrag", den die DHW jedes Jahr überweist - in Zeiten knapper Kassen ein schlagendes Argument.
Bei den Studenten werde die Vermietung der Schwarzen Bretter dagegen "eher kritisch" gesehen, hat Anke van Kempen beobachtet. Und das könne sie durchaus verstehen: "Die haben natürlich das Gefühl, Mensen und Cafetieren seien studentischer Raum." Dem Münchner Studentenwerk sei es deswegen von Anfang an wichtig gewesen, dass es für Studierende auch weiterhin Möglichkeiten gebe, kostenlos eine neue WG-Mitbewohnerin zu suchen, ein gebrauchtes Lehrbuch zu verkaufen oder zur Fachschafts-Party einzuladen.
Auch der Asta soll zahlen
Spätestens bei Party-Plakaten aber will die Deutsche Hochschulwerbung mitverdienen - und dann sind Konflikte programmiert: "Wenn bei einer Feier Eintritt genommen wird, dann betrachten wir das als kommerzielle Veranstaltung, und wer dafür werben will, muss auch zahlen", so DHW-Sprecherin Astrid Wozniak. Allerdings gebe es für studentische und kulturelle Anbieter Rabatte auf den normalen Werbepreis.
Ein Argument, das den Düsseldorfer Asta-Vorsitzenden Steffen Arns nicht beruhigen kann. "Als uns der Vermarktungsvertrag im Senat vorgestellt wurde, hieß es, dass Aushänge aus den Bereichen Forschung und Lehre und aus der akademischen Selbstverwaltung kostenfrei bleiben", sagt der Studentenvertreter. Und dazu gehören aus seiner Sicht auch Anzeigen für Praktikumsplätze oder für Veranstaltungen der Fachschaften und des Asta, auch wenn dafür Eintritt erhoben werde: "Die Förderung kultureller Aktivitäten ist schließlich Teil unseres Auftrags."
In Absprache mit dem Dekanat der juristischen Fakultät sei man sich auch einig, so Steffen Arns, dass sogar die Werbung für Repetitorien kostenlos sein müsse: "Das ist zwar ein kommerzielles Angebot, betrifft aber direkt den Bereich der Lehre." Denn ohne die Wiederholungs-Pauk-Kurse habe kaum ein angehender Jurist Chancen auf ein bestandenes Examen. Steffen Arns hat zudem Bedenken, dass sich die Düsseldorfer Universität mit dem Werbe-Vertrag in unnötige Abhängigkeiten begibt: "Wenn zum Beispiel ein Mobilfunkunternehmen hier wirbt, und ein Forscher weist die Schädlichkeit der Handy-Strahlung nach - was passiert dann mit den Ergebnissen?", fragt der Asta-Vorsitzende.
"Spürbare Erleichterung" für die Uni
Solche Probleme habe es in Siegen nie gegeben, betonen die Universität und die DHW unisono. 1995 schlossen hier die beiden Parteien als bundesweite Vorreiter einen Vertrag über die "exklusive Vermarktung sämtlicher Werbeflächen". Jedes Jahr erhält die Hochschule seither zehn Prozent der Netto-Umsätze, mindestens aber 5000 Euro, erläutert Uni-Sprecher Ullrich-Eberhard Georgi. Gerade der Wegfall der Reinigungsarbeiten sei für die Uni "eine spürbare Erleichterung".
Wie groß die Zusatzeinnahmen für den Uni-Haushalt ausfallen, ist von Ort zu Ort verschieden. "Eine mittelgroße Hochschule kann schon mit einem fünf- bis sechsstelligen Betrag pro Jahr rechnen", sagt DHW-Sprecherin Astrid Wozniak. Die Summe hänge außer von der vermieteten Werbefläche auch von anderen Faktoren wie dem Image ab: "Heidelberg oder Mannheim können sicher mehr verdienen als eine kleine Fachhochschule in der Provinz."
Trotz der finanziellen Verlockungen und trotz der eigenen, insgesamt sehr positiven Erfahrungen mit der Kommerzialisierung der Schwarzen Bretter rät Anke van Kempen vom Studentenwerk München, die Entscheidung über die Aushänge nicht allein der externen Firma zu überlassen. Wenn es in den Münchner Mensen, Cafeterien und Studentenwohnheimen zum Streit darüber kommt, ob ein Werbezettel nun kostenlos ausgehängt werden darf oder nicht, dann fungiert Pressesprecherin Anke van Kempen als Clearing-Stelle - "und da spielt dann schon eine Rolle, dass wir uns in erster Linie als Dienstleister für die Studierenden verstehen".
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