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Abgeschrieben und erwischt Der Plagiator

3. Teil: Dritter und letzter Akt - die Vergeltung: "Der Plagiats-Stempel bleibt ein Leben lang"

Dritter Akt - die Vergeltung

Am 16. August meldet die österreichische Nachrichtenagentur APA den Plagiatsfall. "Deutscher schrieb Doktorarbeit eines Salzburgers ab" titeln die Salzburger Nachrichten.

Einen Tag später klingelt Webers Telefon. RTL-Explosiv wünscht sich eine direkte Konfrontation der beiden Akademiker. Am nächsten Vormittag steht Weber vor dem Haus des Plagiators, das RTL-Team ist im Gebüsch versteckt. Eine halbe Stunde lang soll er unter vier Augen mit Peter Stein diskutieren, anschließend vor die Tür treten und ein Interview geben. Doch noch während die Wissenschaftler im Haus debattieren, klingelt es. Peter Stein öffnet die Tür und weicht zurück. Ein Überraschungsangriff des Filmteams, der ihn wohl aus der Reserve locken soll. Der Berufsschullehrer reagiert erstaunlich besonnen. Bei der Sichtung des Materials heißt es später: "Zu wenig Aggression!" Der Beitrag wird nie gesendet.

Vier Tage später kommentiert die Stuttgarter Ausgabe von "Bild": "Zu hoch gestapelt, Dr. Lässig!" Davon erfährt der Plagiator erst durch "ZeitWissen". "Was? Ich stand in der 'Bild'-Zeitung?", fragt er ungläubig und grinst. Über den "Dr. Lässig" könne er ja noch schmunzeln. Aber der Tag mit RTL sei ein schwarzer Tag für ihn gewesen.

Stein tritt den Rückzug an. "Der Doktortitel verschafft mir beruflich keinerlei Vorteile. Somit habe ich auch keine Nachteile, wenn ich ihn nicht mehr führe", sagt er. Am 2. September zieht er seinen Widerspruch zurück. Damit wird die Entscheidung der Fakultät rechtskräftig.

Gesteht er damit seinen Betrug? Von wegen, entrüstet er sich. "Ich war mir doch keiner Schuld bewusst. Wenn ich einen Täuschungsversuch hätte starten wollen, hätte ich Weber niemals die E-Mail geschrieben!" Die Auffassung seiner Fakultät, dass seine Arbeit auch mit einmaliger Nennung Webers ein Plagiat wäre, teilt er ganz und gar nicht. Seiner Ansicht nach wäre ein "wissenschaftlicher Disput über die Korrektheit meiner methodischen Vorgehensweise" vonnöten. Aber dafür sei es ja nun zu spät.

Ein langer Rachefeldzug

Insgeheim hofft er auf eine zweite Chance und feilt im Geiste schon am Konzept der nächsten Doktorarbeit. Rein rechtlich kann die Universität Tübingen ihm den zweiten Anlauf nicht einmal verweigern.

Für Stefan Weber dagegen ist der Rachefeldzug noch nicht zu Ende. Schon am Tag der Aberkennung der Doktorwürde hat der Salzburger nicht nur den Buchverlag des Plagiators informiert, sondern auch dessen Arbeitgeber. "Der Universität Tübingen war das nicht möglich - Datenschutz", sagt Weber. Auch andere theologische Fakultäten darf das Dekanat nur dann informieren, wenn es dadurch "erheblichen Schaden von der Öffentlichkeit" abwenden kann.

Die Schummel-Expertin Debora Weber-Wulff ist trotz allem zufrieden. "Früher haben sich solche Prozesse über viele Jahre hingezogen. Oft ohne Ergebnis", erzählt Weber-Wulff. Nun beobachtet sie gespannt, wie es weitergeht: Der aberkannte Doktorgrad muss von der Visitenkarte, vom Türschild und aus dem Ausweis verschwinden, sonst greift Paragraf 132a des Strafgesetzbuchs, der den Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen unter Strafe stellt.

Auch die Kennzeichnung der gefälschten Doktorarbeit in der Bibliothek ist laut Weber-Wulff Pflicht. Der Plagiats-Stempel ist in ihren Augen eine besonders schöne Strafe. "Der bleibt ein Leben lang." Außerdem findet sie, dass Plagiatoren der Weg zu jeder weiteren Promotion versperrt bleiben sollte. "Zur Promotion gehört immer zweierlei: die wissenschaftliche Redlichkeit und der moralische Grundtenor."

Und Stefan Weber? Den hat der Ausgang der Geschichte offenbar noch immer nicht befriedigt. Alle paar Tage fahndet er im Internet nach Seiten, die Peter Stein mit Doktortitel listen. Einen Treffer fand er Ende August besonders reizend: Am 24. November sollte es eine Lehrerfortbildung mit "Studienrat Dr. Peter Stein" in Tübingen geben (inzwischen hat ein anderer Dozent die Leitung übernommen). Titel der Veranstaltung: "Was ist denn jetzt wahr?"

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insgesamt 140 Beiträge
CataBina 12.10.2005
Die Recherche an sich sicherlich nicht - aber dann einen Text so umzuformulieren, dass der Lehrer / die Lehrerin beim besten Willen nicht mehr herausfinden kann, ob das nun eine Eigen- oder Fremdleistung ist - das ist kreativ! [...]
Die Recherche an sich sicherlich nicht - aber dann einen Text so umzuformulieren, dass der Lehrer / die Lehrerin beim besten Willen nicht mehr herausfinden kann, ob das nun eine Eigen- oder Fremdleistung ist - das ist kreativ! ;-)
redletter 12.10.2005
Angesichts der hektischen Flecken in den Gesichtern meiner Kommiliton(inne)n sobald es heißt: "Dazu hab ich im Internet nichts gefunden", wäre es durchaus interessant zu wissen, wie so manche Hausarbeit ohne [...]
Angesichts der hektischen Flecken in den Gesichtern meiner Kommiliton(inne)n sobald es heißt: "Dazu hab ich im Internet nichts gefunden", wäre es durchaus interessant zu wissen, wie so manche Hausarbeit ohne Online-Recherche aussehen würde. Dann würde wohl so manche Fassade einbrechen.
Ishkariot 12.10.2005
Also ich kann mir echt nicht vorstellen, daß man mal zu einem Thema gar nichts im Internet findet. Es muß ja nicht immer gleich eine ganze Hausarbeit sein, allein die Quellenverweise genügen oft und sparen ´ne Menge Zeit. [...]
Also ich kann mir echt nicht vorstellen, daß man mal zu einem Thema gar nichts im Internet findet. Es muß ja nicht immer gleich eine ganze Hausarbeit sein, allein die Quellenverweise genügen oft und sparen ´ne Menge Zeit. Interessant ist auch, daß z.B. Hausarbeiten an anderen Unis mit 12 Punkten und bei uns in Leipzig mit gerade mal 5 Punkten bewertet werden. Wahrscheinlich sind wir scho Elite-uni!? Ishkariot
honczec 12.10.2005
Als ob das Wiederverwenden von geistigem Eigentum eine Erfindung der Internet wäre. Es ist einfach viel einfacher und transparenter geworden. Das ist gut so. Wir sollten alte moralische Vorstellungen über Bord werfen und darüber [...]
Als ob das Wiederverwenden von geistigem Eigentum eine Erfindung der Internet wäre. Es ist einfach viel einfacher und transparenter geworden. Das ist gut so. Wir sollten alte moralische Vorstellungen über Bord werfen und darüber nachdenken, wie wir Schule und Arbeitswelt anpassen, um das nutzbringend einzusetzen. Hier ist Reformbedarf angesagt, nicht der drohende Zeigefinger. Das hilft höchstens noch eine längst fällige Entwicklung ein wenig aufzuhalten, statt mutig und direkt Neues zu versuchen.
sysiphos 12.10.2005
Diese kleinliche stück Software passt zu WW aber gerechter und objektiver wird dadurch nichts. Hausarbeiten sind eh nicht als Notengrundlage geeignet sondern sollten eher als Prüfstein hin zum selbstständigen Lernen gesehen [...]
Diese kleinliche stück Software passt zu WW aber gerechter und objektiver wird dadurch nichts. Hausarbeiten sind eh nicht als Notengrundlage geeignet sondern sollten eher als Prüfstein hin zum selbstständigen Lernen gesehen werden. Wer das nicht einsieht bestraft sich selbst schon genug. Die Qualität der Lehre steht und fällt mit dem Lehrer wundert mich nicht das sie dafür keine Software. Die Bewertungsbögen der Lehrkräfte verschwinden ohne konsequenz regelmässig im Giftschrank der Uni s.
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