Von Julia Koch
Der Sekt steht schon kalt, als am frühen Freitagabend die Nachricht aus dem Bonner Wissenschaftszentrum kommt: Die Uni Bremen hat die erste Hürde im Wettstreit der künftigen Elite-Hochschulen genommen. Zusammen mit neun weiteren Lehranstalten hofft sie nun, sich ab Herbst mit dem Ehrentitel und den dazugehörigen Fördermillionen schmücken zu können.
17 Konkurrenten haben die Bremer aus dem Feld geschlagen, darunter so vielversprechende Elite-Aspiranten wie die Berliner Humboldt-Uni oder die Traditions-Universität Göttingen.
Als Überraschungssieger fühlen sich die Bremer trotzdem nicht. "Wir sind längst auf dem richtigen Weg", betont Konrektor Fischer, "das ist für uns einfach eine schöne Bestätigung - und ein zusätzlicher Kick für die ganze Uni."
Leise am Profil gefeilt
Tatsächlich hat es die Bildungsstätte an der Weser geschafft, sich unter den schwierigen Bedingungen des finanzschwachen Mini-Landes an die wissenschaftliche Spitze heranzuschieben. Statt ihre Bewerbung als Leuchtturm in der Forschungslandschaft mit Getöse zu verkünden - wie mancher Konkurrent aus dem Süden -, schärften die Bremer lieber still und leise ihr Profil.
Früher als andere Hochschulen verabschiedete man sich von der Idee, eine Universität könne in allen Fächern gleich gut sein. "Eine Hochschule, die keine Schwerpunkte setzt, wird sich nicht behaupten", sagt Fischer.
Einer dieser Schwerpunkte ist mitten auf dem Campus zu besichtigen. Dort steht das Forschungszentrum "Marum", wo Geowissenschaftler und Biologen die Ozeane erforschen. Mit Tiefenbohrungen am Meeresgrund enträtseln sie etwa die Klimageschichte.
Die Marum-Forscher arbeiten in einem nagelneuen Gebäude aus viel Holz und Glas; von den Gängen schaut man in eine große Halle, in der schweres Expeditionsgerät lagert. Den knallroten Tauchroboter, der am Meeresgrund Proben aufklauben und Filmaufnahmen machen kann, können sich nur wenige Einrichtungen leisten.
Sollte im Herbst der Exzellenz-Antrag durchkommen, dann erhält die Meeresforschung ein weiteres Prestigeprojekt: In der Graduiertenschule "Global Change in the Marine Realm" sollen Doktoranden verschiedenster Fachrichtungen die Auswirkungen der Globalisierung auf die Meere erforschen.
"In diesem Programm sollen nicht nur Biologen und Geowissenschaftler zusammenarbeiten, sondern auch Juristen und Logistiker", erklärt Meeresgeologe Dierk Hebbeln, der den Antrag konzipiert hat. "Interdisziplinäres Arbeiten wird immer wichtiger; das kann man nicht früh genug lernen."
Für Marion Kohn, 26, die in Bremen gerade ihr Biologie-Diplom gemacht hat und bald mit ihrer Doktorarbeit beginnen will, käme das Spezialangebot wohl zu spät. Trotzdem freut sich die junge Wissenschaftlerin über den Erfolg: "Ich bin von Mainz nach Bremen gekommen, weil die Meeresforschung hier einen sehr guten Ruf hat." Vom Etikett "Elite-Uni" erhofft sich Kohn vor allem eine gute Außenwirkung. "Es ist doch nicht schlecht, wenn künftige Arbeitgeber später wissen: Die kommen von der Elite-Uni", sagt sie.
"Nächstes Mal gibt es Champagner"
Einige, die sich so gar nicht über den Exzellenz-Schub freuen mögen, sitzen nahe der Straßenbahn-Haltestelle "Universität" im Asta-Büro. Ginge es nach Asta-Chef Hans-Christoph Ries, der Technomathematik studiert, hätte seine Alma Mater sich gar nicht erst bewerben dürfen beim Schaulaufen der Spitzen-Unis.
"Die Institution Universität degradiert sich selbst zu einem verlässlichen Stützpfeiler des kapitalistischen Konkurrenzprinzips", nölt der Asta in seiner Stellungnahme, "wir sehen uns nicht in der Lage zu gratulieren."
"Dass wir unsere Stärken in der Forschung betonen, heißt nicht, dass wir in der Lehre nicht in allen Fächern gut sein wollen", hält Konrektor Fischer dagegen. So sieht das Elite-Konzept vor, mehr Betreuung im Studium zu schaffen.
Bis Mitte April muss der Antrag für die zweite Auswahlrunde in die Post. Wenn im Herbst die endgültigen Sieger feststehen, wollen die Bremer Uni-Chefs aber keinen Sekt mehr trinken, sagt Fischer: "Nächstes Mal gibt es Champagner."
© UniSPIEGEL 1/2006
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