Von Sebastian Christ
Erst kamen die Studiengebühren: In sechs Bundesländern sind sie mittlerweile beschlossene Sache. Spätestens ab dem Sommersemester 2007 müssen Studenten in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen 500 Euro pro Semester zahlen. Im darauffolgenden Wintersemester wird auch das Studium im Saarland kostenpflichtig.
Mit den Gebühren zeichnet sich nun auch eine Wende in Sachen Studienfinanzierung ab. Bisher war es eher die Ausnahme, dass sich Studenten zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten Geld von der Bank leihen mussten. Mittlerweile jedoch gibt es eine Vielzahl von Angeboten. Im Vordergrund steht dabei meistens nicht die Frage, wie die Gebührenbelastung von 80 Euro im Monat zu finanzieren ist. Meist steigen Studenten ins Kreditgeschäft ein, um sich eine störungsfreie Lernzeit zu erkaufen. Wer etwa fürs Jura-Examen paukt, kann kaum noch nebenher arbeiten gehen. Das geliehene Geld hilft, den Kühlschrank zu füllen.
Andere benutzen den Kredit als finanzielle Planungsstütze: Hunderttausende Studenten in Deutschland sind von Haus aus formell "zu reich", um Bafög zu bekommen. Gleichzeitig verdienen die Eltern zu wenig, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Das Darlehen übernimmt dann die Funktion eines Grundeinkommens.
Auswahl zwischen verschiedenen Angeboten
Die Deutsche Bank brachte vergangenen Herbst einen der ersten Studienkredite auf den Markt. Wer das Darlehen haben will, muss einen Studienplan zum Beratungsgespräch mitbringen. "Wir möchten über den Studienverlauf durch regelmäßiges Einreichen von Bescheinigungen und Leistungsnachweisen informiert werden", sagt Andreas Bartels, Sprecher der Deutschen Bank. "So wollen wir unsere Kunden motivieren, zielstrebig mit dem Studium fertig zu werden."
Damit verfolgt die Deutsche Bank eine ähnliche Strategie wie bei Geschäftskunden. Auch sprachlich gesehen liegen Studien- und Businessplan nicht allzu weit auseinander. Der Vorteil: Grundsätzlich kann jeder diesen Kredit beantragen, unabhängig von Erst- oder Zweitstudium.
Im Kundengespräch wird der benötige Kreditrahmen festgelegt. Studienanfänger im ersten Semester bekommen höchstens 200 Euro im Monat, danach können Studenten bis zu 800 Euro aufnehmen. Die Obergrenze des gesamten Kreditvolumens liegt bei 30.000 Euro.
Der Zinssatz variiert beim Angebot der Deutschen Bank. Aktuell liegt er bei 5,9 Prozent. In der Rückzahlungsphase, die mit dem ersten Berufsjahr beginnt, liegt der Zinssatz höher, aktuell bei 7,9 Prozent. Die Zinsen können in dieser Phase bis zu 9,9 Prozent steigen, abhängig von der Marktlage.
Lebenshaltung viel teurer als Studiengebühren
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet seit diesem Sommersemester Studienkredite zu einem variablen Zinssatz an. Der richtet sich nach der Kapitalmarktsituation und wird halbjährlich neu festgelegt. Der Zinssatz zum Start des Kreditprogramms liegt bei 5,1 Prozent. Die Rückzahlung beginnt spätestens 17 Monate nach Studienende, kann sich maximal über 25 Jahre erstrecken.
Über zehn Semester hinweg können Studenten maximal 650 Euro bekommen. Der Vorteil des KfW-Angebots liegt in den günstigen Zinsbedingungen. Der Nachteil: Mit 650 Euro allein lassen sich die hohen Lebenshaltungskosten in Städten wie München oder Hamburg nur schwer decken.
Mit einem Festzins von 5,12 Prozent bietet auch die Deutsche Kreditbank ein günstiges Angebot. Gefördert werden Studenten, die maximal zwei Semester über der Regelstudienzeit liegen. Monatlich gibt es bis zu 500 Euro. Das Angebot gilt jedoch nur für Berlin und die fünf neuen Bundesländer. Daneben werben mittlerweile auch zahlreiche regionale Sparkassen mit Studiendarlehen.
Gehaltsabschlag über Jahre hinweg
Egal, bei welchem Kreditinstitut man ein Darlehen aufnimmt: Ein beträchtlicher Schuldenberg kommt so oder so zustande. Wer sich vier Jahre lang jeden Monat 500 Euro auszahlen lässt, muss bei einem Zinssatz von 5,5 Prozent und einer einjährigen Wartepause nach dem Studienabschluss mehr als 36.000 Euro zurückzahlen, wie die Stiftung Warentest vorrechnet. Anders gesagt: Zehn Jahre lang gehen jeden Monat 300 Euro vom Gehalt ab, um die stressfreie Studienzeit zu refinanzieren.
Das Deutsche Studentenwerk (DSW) hat seit April spezielle Beratungsstellen eingerichtet. "Studienkredite dürfen die Studierenden nicht in die Schuldenfalle treiben", warnt DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens. Er betont jedoch gleichzeitig auch, dass Studienkredite zu speziellen Phasen sinnvoll seien können, zum Beispiel während der Magisterarbeit.
Wer nur über kurze Zeit eine Finanzspritze braucht, sollte ohnehin auf das Angebot des Bundesverwaltungsamts zurückgreifen. Studenten können dort einen zwei Jahre laufenden Bildungskredit beantragen. Monatlich gibt es 300 Euro zu einem Zinssatz von zur Zeit 3,3 Prozent. Ein echtes Schnäppchen unter der Studienkrediten.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Studiengebühren | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH