Von Frank van Bebber
Es klingt zunächst skandalös: Ausgerechnet die Universität Heidelberg hat sich für die Jury offenbar eigens aufgeporscht. Sie empfindet sich selbst stets als selbstverständlich exzellent, warf sich als eine der ersten deutschen Hochschulen ins Rennen des Elite-Wettbewerbs und schaffte in der ersten Runde auch prompt den Sprung unter die glorreichen Zehn.
Am Tag des Besuchs der zuständigen internationalen Gutachter hatten Mitarbeiter des Instituts für Politische Wissenschaft verwundert neue Computer mit modernen Flachbildschirmen vorgefunden. Ein alter Drucker war ausgetauscht worden, heißt es - und sogar bequemere Stühle standen im Computerraum.
Die unerwartete Elite-Ausstattung wäre wohl still und dankbar angenommen worden. Doch als die Gutachter abgereist waren, verschwand die neue Technik. Alte Computer und Monitore kehrten zurück.
Der Frust der Mitarbeiter darüber fand seinen Weg ins Lokalblatt. Die "Rhein Neckar Zeitung" befand, an ihrer heimischen Renommier-Universität ginge es zu wie "bei Potemkins". Institutsleiter Manfred G. Schmidt will sich um die Details wie neue Rechner nicht gekümmert haben. Doch habe er die Abteilungen angewiesen, sich für die Gutachter etwas mehr aufzupolieren, sagt er auf Nachfrage. Auch Anwesenheit, Ordnung und gepflegtes Auftreten hatten sich die Heidelberger verordnet.
"Zeichen des Respekts", finden Juroren
Über solch kleine Tricks in Heidelberg und wohl auch anderswo ganz und gar nicht verwundert ist der für die Elite-Auswahl zuständige Wissenschaftsrat (WR). "Natürlich erwarten alle Gutachter, dass die Universitäten sich von der Schokoladenseite zeigen", sagt Sabine Behrenbeck, WR-Projektleiterin für den laufenden Exzellenz-Wettbewerb. Die Gutachter wüssten, dass sich alle herausputzten und die Begehungen geprobt würden. "Es wäre peinlich, wenn Hochschulen da nicht mitmachten und so täten, als wäre Alltag", sagt Behrenbeck, die bei acht Jury-Besuchen selbst dabei war.
Für die Gutachter seien dies Zeichen des Respekts, wirklich entscheidend aber seien die Gespräche mit Forschern, so Behrenbeck weiter. "Und einen guten Wissenschaftler können Sie nicht so schnell aus dem Hut zaubern", sagt sie. Die Universität Heidelberg ist bei ihr und der Jury allerdings doch noch mit moderner Technik in Erinnerung geblieben: Im Supersommer war die Universität eine der wenigen Kandidaten mit einer Klimaanlage.
Den aufgerüsteten Computerraum hatte die Jury dagegen bei ihrem Besuch gar nicht betreten.
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