Von Jan Friedmann
Drei Universitäten sollen in der ersten Runde als Elitehochschulen gefördert werden: Die Technische Universität München, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Karlsruhe. Darauf verständigte sich der zuständige Bewilligungsausschuss in Bonn.
Rein finanziell winkt den drei Siegern der Förderlinie "Zukunftskonzepte" ein zweistelliger Millionenbetrag pro Jahr. Nicht viel Geld - vergleicht man es mit den Budgets, die internationalen Spitzenhochschulen zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Harvard verfügt über ein Gesamtvermögen von über 20 Milliarden Dollar, das jährliche Budget liegt ebenfalls im Milliardenbereich.
Die deutschen Elite-Unis lassen sich also kaum per Dekret auf Augenhöhe mit den immer wieder zitierten internationalen Vorbildern bringen. Doch das kann auch nicht das Ziel der Exzellenzinitiative sein. Viel wichtiger als das zu verteilende Geld - immerhin 1,9 Milliarden Euro für das Gesamtprogramm - ist das Signal: Wettbewerb und Leistung sollen sich auszahlen an deutschen Hochschulen.
Notwendiges Marketing
Dieser Gleichschritt, in den die Hochschulpolitiker mit der Bildungsexpansion in den siebziger Jahren verfielen, lähmte lange Jahre die Bildungsanstalten, führte zu Muff und Gleichgültigkeit gegenüber den Studenten.
Der Richtungswechsel ist längst im Gange: Die Hochschulen sind angehalten, Drittmittel einzuwerben, also potenzielle Geldgeber von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. Seit diesem Wintersemester dürfen die ersten Hochschulen Studiengebühren ab dem ersten Semester erheben, zunächst in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, später dann auch in anderen Bundesländern. Die Campus-Maut wird den Wettbewerb unter den Hochschulen weiter verstärken.
Während auf anderen Politikfeldern die Reformbemühungen stocken oder sich im Kreis drehen, hat sich an den Hochschulen sehr viel getan. Dass sich nun mit dem Abschluss der ersten Runde der Exzellenzinitiative eine Handvoll Hochschulen mit dem Elite-Titel schmücken darf, ist nur konsequent.
Starke Hochschulmarken sind wichtig im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe, und es ist nichts dagegen einzuwenden, dass die drei Sieger nun mit der Auszeichnung hausieren gehen. Andere Länder wie die USA oder Großbritannien haben es geschafft, ihre Spitzenhochschulen so stark in den Mittelpunkt der Wahrnehmung zu stellen, dass alle nur von Harvard, Yale, Princeton, Oxford und Cambridge sprechen - und niemand mehr von der Masse der Universitäten.
Leuchttürme fehlten
Vom Grundniveau seiner Hochschulen her brauchte sich Deutschland international nie zu verstecken. In der Breite gehörte die Bundesrepublik immer zu den führenden Bildungsnationen. Es fehlte allerdings an Leuchttürmen, die auch ins Ausland strahlen. Die im Ausland bekannten deutschen Unis wie Heidelberg, Freiburg und München lebten, zumindest in der Außenwahrnehmung, bislang stärker von ihrer historischen Tradition als von aktuellen Forschungsleistungen.
Dass nun eine hauptsächlich mit Wissenschaftlern besetzte Kommission solche Leistungen honoriert, ist sinnvoll. Denn im globalen Wettbewerb reichen respektable Leistungen im stillen Studierstüblein nicht mehr aus. Es muss auch getrommelt werden. Bildung ist längst ein weltweiter Markt geworden, alleine die US-Hochschulen setzen pro Jahr Milliardenbeträge um. Deutschland hat gute Chancen im globalen Bildungswettbewerb - wenn es bereit ist, ihn anzunehmen.
Wer die Stärkung des Elite-Gedankens als Rückkehr zur alten Exklusiv-Uni der Reichen und Gebildeten interpretiert, irrt: Die Studentenzahlen wachsen längst. Alle Bildungspolitiker sind einig, dass eine Industrienation eine große Anzahl an gut ausgebildeten Akademikern braucht. Aber sie braucht auch Eliten - selbst wenn sie anfangs erst mal ernannt werden müssen.
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