Sonntag, 22. November 2009

UniSPIEGEL



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14.10.2006
 

Elite-Entscheidung

Frust und Freude am Tag danach

Von Julia Koch

In der Sieger-Hauptstadt München floss das Bier, beim gefallenen Favoriten Heidelberg gab es lange Gesichter. Nach dem Showdown im Exzellenzwettbewerb ziehen die Kandidaten Bilanz - und bringen sich gleich für die nächste Runde in Stellung.

Partylaune in München: TU-Präsident Wolfgang Herrmann stach erst einmal ein Faß Bier an, als er von der Entscheidung für seine Uni im Exzellenzwettbewerb erfuhr. An der Nachbarhochschule ging es zwar weniger krachledern zu; die Stimmung beim Sektempfang an der Ludwig-Maximilians-Universiät war jedoch ähnlich ausgelassen.

Neben der Technischen Universität Karlsruhe sind die beiden Bildungsstätten an der Isar die einzigen Hochschulen, die mit ihren "Zukunftskonzepten" für die gesamte Hochschule die international besetze Jury im Exzellenzwettbewerb überzeugten. "Das Ergebnis hat meine Erwartungen noch übertroffen", sagt LMU-Rektor Bernd Huber. Neben den Elite-Millionen räumte seine Lehranstalt auch noch bei den Fördergeldern für gleich drei Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule ab.

Lange Gesichter dagegen beim Top-Favoriten am Neckar: Die Universität Heidelberg galt lange als gesetzt. Noch am Tag der Entscheidung hatte Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg in der Lokalpresse verkündet, Heidelberg sei auf jeden Fall unter den künftigen Leuchttürmen der deutschen Wissenschaftslandschaft. Unter Experten kursierten da jedoch bereits die Gerüchte, Freiburg statt Heidelberg könne als zweite Sieger-Uni im Ländle aus dem Wettbewerb hervorgehen.

"Licht noch nicht hell genug"

Umso größer dann der Frust beim Elite-Kandidaten der ersten Stunde: Heidelbergs Rektor Peter Hommelhoff, der am Freitag Termine in Mailand hatte, erfuhr erst am Frankfurter Flughafen vom Ausscheiden seiner Alma Mater – von seinem Fahrer. "Als ich in Heidelberg ankam, war ich aber schon wieder einigermaßen gefasst", erklärt Hommelhoff, "uns wurde das Potenzial zum Leuchtturm bescheinigt – offenbar ist das Licht aber noch nicht hell genug."

Dabei hatten gerade die Heidelberger von Anfang an den Eindruck erweckt, der Wettstreit der Superunis sei eigens für sie erfunden worden. Kaum hatte die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn Ende 2003 den Plan für die Exzellenzinitiative verkündet, feilten Forscher in der pittoresken Uni-Stadt bereits an ihren Bewerbungskonzepten. Deutschlands älteste Hochschule, im Ausland berühmt wie kaum eine zweite deutsche Uni, gehöre fast zwangsläufig in den erlesenen Kreis der Elitehochschulen, war schon damals aus dem Rektorat zu erfahren.

Zumal Uni-Chef Hommelhoff und sein Team nicht nur mit ihrer der ehrwürdigen Tradition ihrer Lehranstalt oder ihren neueren Stärken in Medizin und Lebenswissenschaften punkten wollten: Der Antrag für die dritte Förderlinie, der "Heidelberger Weg", sollte vor allem die Volluniversität mit ihrem gesamten Spektrum zukunftsfit machen.

Spezialistentum gegen Volluniversität

Anders als etwa die TU Karlsruhe, die ihr Exzellenzkonzept stark an der Gründung eines "Karlsruher Instituts für Technologie" (KIT) nach dem Vorbild des renommierten MIT bei Boston ausrichtete, sollten in Heidelberg nicht nur große Verbünde der Lebenswissenschaften gebildet werden. "Wir wollten mit den Fördergeldern einen uni-internen Wettbewerb ermöglichen, bei dem dann auch kleine Fächer eine Chance auf Unterstützung gehabt hätten", erklärt Hommelhoff, "damit wollten wir das starke Gewicht ausgleichen, das die Naturwissenschaften bei uns inzwischen haben."

Womöglich, glaubt Hommelhoff, habe dieser offene Ansatz die Jury, in der viele Lebenswissenschaftler saßen, nicht überzeugt. Doch Hommelhoff gibt sich kämpferisch: "Wir werden das Prinzip der Volluniversität nicht nach 620 Jahren aufgeben", sagt er, "das tun ja auch Harvard und Stanford nicht."

Ganz falsch dürfte Hommelhoff mit seiner Analyse nicht liegen: Die Dominanz von technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen tritt auch in der Auswahl der ersten und zweiten Förderlinie zutage. Von den 35 Graduiertenschulen und Exzellenzclustern haben gerade mal drei ein rein geistes- oder sozialwissenschaftliches Profil. Auch die siegreiche LMU München punktete ausschließlich mit Anträgen aus Naturwissenschaft und Technik. "In der zweiten Runde wollen wir uns aber auf die Geisteswissenschaften konzentrieren", versichert Rektor Huber.

"Die Konkurrenz wird stärker"

Weniger deprimiert als die erfolgsverwöhnten Heidelberger zeigte sich der letzte norddeutsche Kandidat unter den zehn Elite-Anwärtern: An der Universität Bremen hatte wohl niemand damit gerechnet, schon in der ersten Runde Leuchtturm-Status zu erhalten. "Wenn fünf Universitäten ausgewählt worden wären und wir wären nicht dabei, wäre die Enttäuschung sicher größer", sagt Bremens Rektor Wilfried Müller. Allerdings hatte der Uni-Chef auf mehr Erfolg in den zwei ersten Förderlinien gehofft.

Lediglich einer der drei Bremer Anträge auf Graduiertenschulen oder Exzellenzcluster kam durch. "Das ist besonders schade, weil es nun gar keine Graduiertenschule im Bereich der Sozialwissenschaften geben wird", kritisiert Müller. Womöglich hätten die vielen jungen Wissenschaftler und Juniorprofessoren, die Müller ins Rennen schickte, nicht die hohen Ansprüche der Jury an das internationale Renommee der Förderwürdigen erfüllt. "Kann sein, dass unser Jugend-forscht-Ansatz nicht so gut ankam", vermutet Müller, "andererseits sind aber gerade junge Wissenschaftler besonders kreativ und leistungsfähig."

Neues Spiel, neues Glück: Heidelberg und Bremen wollen sich nun auf die zweite Runde im Schaulaufen der Superunis konzentrieren. "Die Konkurrenz wird natürlich eher stärker", fürchtet Müller. Beide hoffen, dass sich vor allem jene Aufbruchsstimmung, die der Wettbewerb an den vielgescholtenen deutschen Hochschulen entfacht hat, auch in der zweiten Runde hält. "Diesen Schwung", sagt Hommelhoff, "müssen wir uns unbedingt erhalten.

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