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15.10.2006
 

Elite-Unis

Sieger wollen mehr Geld

Während sich die Verlierer des Elite-Wettbewerbs an Verfahrensfragen festbeißen, denken einige Gewinner schon weiter: Sie fordern zusätzliche Mittel für die Spitzenanstalten. Eine Milliarde Euro pro Jahr zusätzlich seien nötig, um auf Augenhöhe mit US-Unis zu kommen.

Nach Überzeugung des Rektors der siegreichen LMU München, Bernd Huber, muss noch deutlich mehr Geld in die deutschen Spitzenunis fließen, wenn Deutschland mit den USA mithalten will. "Wenn wir also im Bereich der Spitzenforschung den Anschluss an Amerika finden wollen, müssen hierzulande zwei oder drei Universitäten zusätzliche Gelder in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich erhalten", schreibt Huber in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

Zugleich müssten diese Universitäten von allen bürokratischen Hemmnissen befreit werden. Sie müssten sich ihre Studenten selbst aussuchen und ihre Professoren flexibel bezahlen können. "Dann, und nur dann, kann ein Harvard an der Isar, an der Spree, am Rhein oder am Main entstehen", betont der Rektor der Münchner Universität.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat hatten am Freitag in Bonn die Sieger der ersten Runde des Wettbewerbs bekannt gegeben, bei dem sich die deutschen Hochschulen um Fördermittel von insgesamt 1,9 Milliarden Euro bis 2011 bewerben. In der ersten Runde, bei der auch weitere Projekte Zusagen erhielten, stehen pro Jahr 174,7 Millionen Euro zur Verfügung. Hauptgewinner sind mit je 21 Millionen Euro jährlich die Universität Karlsruhe, die Universität München und die Technische Universität München.

Aus nord- und ostdeutschen Bundesländern, die beim Wettbewerb weitgehend leer ausgingen, kam Kritik am Auswahlverfahren. Der Hamburger Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) bemängelte die Entscheidungsfindung. Das Verfahren sei nicht mehr so transparent und nachvollziehbar gewesen, wie dies vereinbart gewesen sei, sagte Dräger dem Norddeutschen Rundfunk.

Kritik kam auch von der stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Cornelia Pieper, die eine Benachteiligung ostdeutscher Hochschulen beklagte, und von den Wissenschaftsministerin Thomas Flierl, Berlin, und Dietrich Austermann, Schleswig-Holstein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte dagegen die Auswahl der ersten Elite-Universitäten. "Es hat keinen Sinn, wenn wir uns einreden, jede Universität ist gleich", sagte Merkel gestern in Uhingen bei Stuttgart. Wenn der Süden im Augenblick besser sei, dann müsse es ausgesprochen werden. Die Kanzlerin sagte, Deutschland müsse sich zu Eliten und Exzellenz bekennen.

jaf/ddp/AP/dpa

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