Was tun, wenn nach der Vorlesung verdächtige Flugblätter im Hörsaal verstreut liegen? Etwa Zettel, die Überschriften tragen wie "Wer ist ein legitimes Ziel" oder "Vom Dschihad zu einer neuen Weltordnung"? Experten britischer Geheimdienste sind überzeugt, dass viele Universitäten Keimzellen für terroristische Vereinigungen bilden. Künftig sollen Professoren wie Studenten darin geschult werden, strafbare Handlungen zu erkennen und den Behörden zu melden.
Zu diesem Zweck hat die britische Regierung einen Leitfaden herausgegeben, der als praktische Anleitung im Kampf gegen Terroristen funktionieren soll. "Flugblätter könnten eine strafbare Handlung nach der Gesetzgebung in den Bereichen Terror-, Rassen- und Religionshass sein. Außerdem sollten alle Bildungseinrichtungen klare Verhaltensregeln bezüglich solcher Verbrechen haben", steht darin zum Beispiel.
Hochschulangestellte und Studenten sind angehalten, wachsam zu sein und nach extremistischem Material Ausschau zu halten, Gastredner auf Radikalität zu überprüfen und positiven Einfluss vor allem auf die potentiell gefährdeten muslimischen Studenten zu nehmen.
Denn die britische Regierung befürchtet, dass immer mehr junge Muslime in Großbritannien radikalisiert werden. Der Geheimdienst MI5 hatte kürzlich davor gewarnt, dass zahlreiche Anschläge geplant seien und dafür zunehmend junge Muslime rekrutiert würden.
Bildungsstaatssekretär Bill Rammel erklärte, es gebe Hinweise auf ernsthafte Umtriebe islamistischer Extremisten an britischen Hochschulen. "Gewaltsamer Extremismus im Namen des Islam ist eine reale, glaubhafte und anhaltende Gefahr für das Vereinigte Königreich", begründete er den Schritt zu verstärkter Kontrolle der Studenten. Der Minister betonte aber, die Leitlinien seien nicht gegen die 1,8 Millionen Muslime in Großbritannien gerichtet. Vielmehr wolle die Regierung die Sicherheit der Studenten verbessern.
21 britische Hochschulen gebe es mit einer "direkten Verbindung zum Extremismus, der zu Terrorismus führt", sagte Professor Anthony Glees, Direktor für Sicherheits- und Geheimdienststudien an der Brunel Universität, der BBC. In den fraglichen Fällen seien die Hochschulen infiltriert und Studenten für gewaltsame Aktionen rekrutiert worden. Glees sprach sich dafür aus, ausländische Studienbewerber künftig schärfer zu überprüfen.
Der Geheimdienst-Experte hatte schon im September vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Terrorpotential an britischen Hochschulen beschäftigte. In der Untersuchung hieß es, es müssten eine Menge Voraussetzungen erfüllt sein, um aus einem Menschen einen gewaltbereiten Terroristen zu machen. "Eine dieser Voraussetzungen kann der Zugang zu Ideen sein, die den Terror rechtfertigen", so Glees.
Der Verband Islamischer Studenten in Großbritannien, der rund 90.000 muslimische Hochschüler vertritt, wies die Darstellung von Glees zurück. Für Extremismus auf dem Campus gebe es keine Beweise, sagte Verbandssprecher Amar Latif.
smv/Reuters
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