Montag, 23. November 2009

UniSPIEGEL



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
12.01.2007
 

Elite-Vorauswahl

Jury winkt acht Unis ins Finale

Von Jan Friedmann

Das Schaulaufen der Hochschulen ist vorüber, und es gab einige dicke Überraschungen: Manche Favoriten stolperten, dagegen stoßen aus Berlin gleich zwei Universitäten ins Finale des Exzellenz-Wettbewerbs vor. Und auch Bochum darf mit zur Krönungsmesse.

Die glorreichen Drei bekommen bald Verstärkung: Heute haben der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Bonner Wissenschaftszentrum an der Ahrstraße bekannt gegeben, welche Hochschulen sich ernsthafte Hoffnungen machen dürfen, der TU München, der LMU München und der TH Karlsruhe auf den Olymp der Elite-Unis zu folgen.


An der Gipfelbesteigung dürfen sich versuchen: aus Berlin die Freie und die Humboldt-Universität, aus Niedersachsen die Uni Göttingen. Aus Baden-Württemberg gleich ein Dreigestirn mit Freiburg, Heidelberg und Konstanz. Aus Nordrhein-Westfalen die RWTH Aachen und - eine große Überraschung - die Ruhr-Universität Bochum. Im Oktober wird endgültig klar sein, wer sich in der dünnen Luft behauptet hat und in den kleinen Kreis der lorbeerbekränzten Unis aufgenommen wird.

In der Förderlinie Graduiertenschulen sollen insgesamt 44 Anträge gefördert werden. Besonders stark ist hier die HU Berlin mit vier Projekten vertreten, gefolgt von der Uni Mainz, der Uni Heidelberg und der TU Darmstadt mit jeweils drei. Dazu kommen insgesamt 40 Exzellenzcluster, wobei hier die FU Berlin, die Uni Heidelberg und die Uni Freiburg mit jeweils drei Clustern stark berücksichtigt wurden.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, betonte, dass unterschiedliche Arten von Hochschulen ausgewählt wurden: "Das Spektrum reicht von kleineren, spezialisierten Universitäten bis zur sehr großen Volluniversitäten", sagte Strohschneider. Deutlich stärker als in der ersten Runde sind diesmal sind die Geistes- und Sozialwissenschaften vertreten. Die Wirkung der Exzellenzinitiative reiche aber über die ausgewählten Hochschulen hinaus.

Die Gießkanne hat ausgedient

Strohschneider sagte, man werde "in Abstimmung mit der Politik geeignete Wege für einen offenen Wettbewerb erarbeiten" - ein mögliches Signal dafür, dass es in Zukunft weitere Wettbewerbe geben könnte. Auch DFG-Präsident Matthias Kleiner betonte, ihm liege "die Nachhaltigkeit der Exzellenzinitiative" sehr am Herzen. Man habe "ermutigende Signale" der Geldgeber, "dass das Programm verstetigt werden kann".

Beim Wettlauf der Hochschulen geht es um viel Geld, aber auch um das Prestige, das der Titel der Elite-Uni mit sich bringt: 1,9 Milliarden Euro werden bis 2011 vergeben, 27 Universitäten (siehe Fotostrecke) hatten sich beworben. Die Idee zum Elite-Wettbewerb stammt noch von der rot-grünen Bundesregierung, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, einige deutsche Hochschulen in die internationale Champions League zu befördern.


In der ersten von zwei Krönungsmessen hatte es nur das süddeutsche Trio geschafft. Acht weitere Hochschulen erhalten jetzt ihre Chance und wurden von den Wissenschaftlern aufgefordert, ihre Anträge zu präzisieren. Die anderen 19 Universitäten sind erst einmal aus dem Rennen - jedenfalls im Ringen um den schmucken Titel einer "Spitzenuniversität". Daneben gibt es allerdings zwei weitere Fördertöpfe für Graduiertenschulen und Forschungsverbünde, so dass viele trotz der Niederlage im Schaulaufen nicht leer ausgehen werden.

Es ist nur eine Vorauswahl, doch die Auflistung der Kandidaten im Elite-Wettbewerb der Hochschulen zeigt: Die Gießkanne hat als Prinzip der Mittelverteilung im deutschen Hochschulsystem vorerst ausgedient. Anstatt den gesamten Garten gleichmäßig zu bewässern, werden nun einzelne Pflanzen gepäppelt - in der Hoffnung, dass sie möglichst schöne Blüten hervorbringen mögen.

Dicke Berliner Luft

Und viele Bildungspolitiker und Hochschulpräsidenten verhalten sich so hilflos wie der Hobby-Gärtner, dem der Rasensprenger weggenommen und stattdessen ein Gartenschlauch mit dickem Strahl in die Hand gegeben wird. Nun sollen sie die Ressourcen punktgenau an Institute und Forschungsbereiche verteilen, mehr noch: Sie konkurrieren mit dem Nachbarn, der möglichst viel Wasser für den eigenen Garten abzweigen will.

FORUM

Eliteunis - Mit Auslese aus der Bildungsmisere? Diskutieren Sie mit anderen Lesern!
Dieses Prinzip heißt Wettbewerb, und einige Bundesländer haben noch immer große Schwierigkeiten damit. So jammerte sich das an dauersprudelnde Transferleistungen gewöhnte Berlin vor der Entscheidung schon einmal kräftig in Form.

Berlins ehemaliger Wissenschaftssenator Thomas Flierl (Linkspartei) sah die Haupstadt-Hochschulen bereits in der ersten Auswahlrunde benachteiligt, sein Nachfolger Jürgen Zöllner (SPD) mahnte nun einen gerechten Wettbewerb an. Der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz unterstellte gar eine "nicht sachliche" Jury-Entscheidung; sie habe "einseitig reiche Bundesländer" bevorzugt und somit die nahezu bankrotte Hauptstadt benachteiligt. Und der Präsident der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, schloss im Falle einer erneuten Nichtberücksichtigung einen Rücktritt nicht aus - nun kann er im Amt bleiben.

Allerhand Konfliktpotential

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, verteidigte das Auswahlverfahren und warf "Teilen der Berliner Presse" eine "Kampagne für die Universitäten der Stadt" vor, um den Druck auf die Gutachter zu steigern. Und er prophezeite in der "Berliner Zeitung", dass der Wirbel sich schnell legen werde, falls eine oder mehrere Hauptstadt-Unis es ins Finale schaffen.

Benachteiligt gegenüber den Südstaaten Bayern und Baden-Württemberg sahen sich auch Schleswig-Holstein und die neuen Bundesländer: Nur drei Prozent der Exzellenzmittel gingen in die neuen Länder, rechnete Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz erbost vor, daraus ergebe sich "nationaler Handlungsbedarf". Und sein Kollege Dietrich Austermann in Schleswig-Holstein vermutete Süd-Seilschaften am Werk.

DEUTSCHLAND SUCHT DIE SUPER-UNIS (DSDS-U)

DDP
"Faites vos jeux": Zur zweiten Antragsrunde konnten sich alle Unis für die drei Förderlinien erneut bewerben. Insgesamt sind bei dem Wettbewerb 1,9 Milliarden Euro bis 2011 zu vergeben. Harvard oder Stanford bleiben trotzdem noch in weiter Ferne - zumal dort nicht nur exzellente Forschung betrieben wird, sondern auch die Lehre glänzt, etwa durch erstklassige Betreuung.

Keinen Platz haben auch diesmal Hochschulen aus Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und alle ostdeutschen Bundesländer gefunden. So blieb es beim Süd-Nord-Gefälle - aber es fällt nicht mehr ganz so krass aus wie im vergangenen Jahr.

Die Liste der Elite-Kandidaten wurde durch eine international besetzte Gutachtergruppe erstellt - und gerade deren ausländischen Mitgliedern ist das föderale Proporzdenken der Deutschen fremd. Die endgültige Elite-Entscheidung trifft dann ein Bewilligungsausschuss, dem auch die zuständigen Fachminister angehören. Dann sind neue Konflikte programmiert - in der ersten Runde waren Politiker und Wissenschaftler kräftig aneinander gerasselt.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern