Von Armin Himmelrath und Barbara Hans
"Liebes AStA-Team, am 10. April startet unicheck.de", heißt es einer Mail von Anfang April an verschiedenen Studentenvertretungen, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Ein gewisser Thorsten Schröder schreibt darin: "Unicheck ist von Studenten für Studenten und bewertet Universitäten u.a. danach, wie gut oder schlecht sie die Studiengebühren verwenden." Im übrigen sei er für eine schnelle Antwort, gerne auch per Telefon, dankbar, bitte aber ohne Grundsatzdebatten: "Wir diskutieren nicht mehr, ob Gebühren oder nicht, sondern jetzt sind sie da und wir schauen, was wird mit Eurem Geld gemacht."
Was beim ersten Lesen nach einer neuen Service-Idee studentischer Jung-Unternehmer im Web klingt, hat in Wirklichkeit mit dem Konzept "von Studenten für Studenten" nur wenig zu tun. Denn die Domain unicheck.de wurde am 11. Januar 2007 von Jan Loleit bei der DENIC, dem nationalen Verwalter für Webadressen, registriert.
Und Loleit ist nicht etwa Student, sondern "Chef vom Dienst" bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) – ein von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanzierter Think Tank, der sich nach eigenen Angaben als "branchen- und parteiübergreifende Plattform" versteht und sich "an drei Idealen orientiert, die schon Ludwig Erhard hochgehalten hat: Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb".
Ziel des Portals: Mehr Transparenz
In der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, bekennt die INSM, sei sie "neoliberal"; ein Eingreifen des Staates sei nur dann sinnvoll, "wenn beispielsweise Marktverzerrungen durch Monopole oder Kartelle einen fairen Wettbewerb zum Nutzen aller verhindern". Dass so ein Verein für Studiengebühren ist, versteht sich fast von selber.
Die Initiative selbst zeigt sich überrascht über das Vorgehen Schröders, der als einer von drei studentischen Hilfskräften bei der INSM "Unicheck.de" redaktionell betreut. Das Motto "von Studenten für Studenten" sei ursprünglich mal ein Label für den Fragebogen auf der Website gewesen, das man dann aber wieder verworfen habe, sagt der Koordinator der Site bei der INSM, Ronald Voigt. "Wir wollen Studenten darum bitten, die Verwendung von Studiengebühren an ihrer Hochschule zu bewerten. Unser Ziel ist es, mit dem Portal mehr Transparenz herzustellen", sagt Voigt. Zwar werde das Portal von Studenten betreut, verantwortlich sei aber letztlich die INSM.
Wenn es der Fall gewesen sei, dass Redaktionsmitglieder recherchiert hätten, ohne den Hintergrund des Portals deutlich zu machen, sei dies bedauerlich. "Wir wollen uns keine Intransparenz leisten. Wenn so etwas passiert, können wir die Seite morgen wieder schließen", sagt Voigt. Die drei Mitglieder der Redaktion, die von der INSM bezahlt werden und auch ihr Büro im Haus der Initiative haben, hätten aber natürlich Freiräume - die INSM könne nicht über jeden Schritt der redaktionellen Arbeit Bescheid wissen. Insofern könne es zu solchen Mails, die nicht auf den wahren Initiator von "Unicheck" verwiesen haben, gekommen sein. Er betont, dass nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Idee für das Portal von der INSM stammen.
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