Von Armin Himmelrath und Barbara Hans
Thorsten Schröder, der Absender der Mail an die Studentenausschüsse, spricht indes von einer weitgehenden Unabhängigkeit der drei Redakteure von der INSM. Die Initiative fungiere als "Finanzier": "Sie redet in die redaktionellen Dinge nicht rein, wenn auch klar ist, dass sie für die Inhalte letztlich verantwortlich ist." Insofern stimme das Credo "von Studenten für Studenten". Immerhin seien er und seine beiden Mitstreiterinnen an der Uni Köln immatrikuliert.
Auch für die Frage, warum unter seiner Mail eine private Telefon- und Handynummer und nicht die Dienstnummer des Büros, in dem er und die anderen beiden studentischen Hilfskräfte arbeiten, angegeben war, hat er eine plausible Erklärung: "Ich habe viel von zu Hause aus recherchiert, deshalb habe ich die private Nummer angegeben."
Die Ergebnisse, die auf der Seite veröffentlicht werden, seien nicht repräsentativ, sagt Voigt. Vielmehr handle es sich um die subjektive Sicht der Studenten, was mit ihren Gebühren gemacht werde. Die Ergebnisse werden Mittwochmorgen bei einer Pressekonferenz vorgestellt. "Wenn Asta-Leute Auskunft gegeben haben, ohne zu wissen, wer hinter 'Unicheck' steckt, dann werden die entsprechenden Artikel nicht online gehen", sagt der Koordinator. Immerhin geht die Seite frühestens heute Abend oder gar erst morgen früh online. Genug Zeit, um Artikel zu entfernen oder zu redigieren.
Eine Menge Geld für hochprofessionelle PR
Die finanzielle Macht der INSM ist nicht zu unterschätzen: Die Arbeitgeber ermöglichen den INSM-Lobbyisten einen Jahresetat von rund 8,8 Millionen Euro – viel Geld, um mit hochprofessioneller PR für marktwirtschaftliche Reformen zu trommeln. Oder auch, um eher verdeckt bestimmte wirtschaftspolitische Positionen in der Öffentlichkeit zu platzieren.
"Die Macht über die Köpfe" betitelte das ARD-Magazin Monitor im Oktober 2005 einen Bericht über die INSM, der es gelungen sei, "ihre Themen immer mehr auf die öffentliche und politische Agenda zu setzen, in Schulen, im Internet und vor allem in den Medien. Dabei verschwinden immer öfter die Grenzen zwischen Journalismus und Werbung. Über eine TV-Agentur werden Beiträge in Informationssendungen platziert, und die Zuschauer sind ahnungslos."
Auf ahnungslose Unterstützer hoffen offenbar auch die Unicheck-Macher bei ihrem als studentisches Projekt getarnten Aufruf zur Mitarbeit: "Abstimmen. Mitbestimmen" heißt es im Logo der Homepage. Das Bonner "Medienbüro.sohn", das unter anderem die Medienarbeit für die INSM macht, kündigte allerdings schon mal an, was ab Mittwoch auf "unicheck.de" wirklich los sein wird: Die INSM wird dann zusammen mit zwei Medienpartnern – "Financial Times Deutschland" und "Unicum" – die vermeintlich "erste Umfrage zu Studiengebühren nach deren Einführung in fünf Bundesländern" veröffentlichen. Diese Umfrage stammt laut Ankündigung auf der INSM-Homepage vom Emnid-Institut, garniert wird sie "mit 25 Live-Berichten zur Lage an Hochschulen, die bereits mit Gebühren arbeiten".
Wer Anfang April ahnungslos auf die Mail von Thorsten Schröder geantwortet hat, könnte sich dann plötzlich als Statist einer gut geplanten Pro-Gebühren-Kampagne wiederfinden.
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