Von Britta Mersch
"Pflegemaßnahme durchgeführt! Betreten des Platzes verboten!" Ausgerechnet im Frühling, wenn Freizeitkicker in Scharen zu den Bolzplätzen pilgern, beginnen emsige Landschaftsgärtner mit der Rasenpflege. Kein Wunder: Schließlich sprießt das Grün im Frühling am besten. Viele Fußballer haben zu dieser Zeit keine andere Wahl, als bei Temperaturen um die 20 Grad nun doch wieder in die piefige Turnhalle ihrer alten Grundschule auszuweichen. Quietschende Turnhallenböden statt Sonnenstrahlen.
Der Freizeitkicker Daniel Wilhelms ärgert sich schon eine ganze Weile über den Zustand der Bolzplätze. In seinem Heimatort Ellenz-Poltersdorf an der Mosel konnte er eigentlich immer kicken gehen. "Irgendwann wurde der Bolzplatz aber einfach gesperrt", sagt der 25-Jährige. Die Tore wurden abmontiert, der Platz für Fußball verboten. "Übrig ist jetzt nur noch eine Wiese, die in so schlechtem Zustand ist, dass man darauf auch garantiert nicht mehr spielen kann." Auf der einzigen Ausweichmöglichkeit, dem Platz des örtlichen Fußballvereins, sind die Freizeitkicker auch nicht gerne gesehen. "Man könnte ja den Rasen kaputt machen", sagt Daniel Wilhelms.
Was also tun? Die Idee des Design-Studenten ist ebenso simpel wie genial. Speziell für Freizeitsportler, die nur selten in den Genuss gepflegter Rasen kommen, erfand er den Fußballschuh mit integriertem Düngemechanismus. Der Clou: In den Stollen befinden sich kleine Kapseln mit Dünger, die sich beim Spielen im Rasen festsetzen und so eine dauerhafte Pflege möglich machen – ohne dass jemand mühsam mit speziellem Werkzeug über den Rasen kriechen muss.
Rasendünger als Marketingkonzept
Am Anfang stand ein Kurs im Rasenpflegen: "Das Gras braucht nicht nur Sonne, Wasser und Dünger", referiert der Student, "sondern er muss auch aerifiziert werden." Bei dieser Technik werden mit einer kleinen Walze Löcher ins Gras gestoßen, damit der Rasen atmen kann. "Und diese Funktion können die Stollen problemlos übernehmen."
Damit sich der Dünger auch entfalten kann, ist der Stollen von einer organischen Harzhülle umgeben, die die Freisetzung des Düngers kontrollieren soll. "Die Feuchtigkeit des Bodens tritt durch die Harzhülle in den Kern ein. Sie entzieht ihm die Nährstoffe und gibt sie an den Boden ab", erklärt der Design-Student. "Der Dünger kann sich auf diese Weise im Rasen festsetzen."
Aus der Anfangsidee, einen Fußballschuh mit Düngerfunktion herzustellen, hat sich nun ein komplettes Marketingkonzept entwickelt. Die Stollen lassen sich mit Magneten aneinander reihen, immer sechs Stück bilden eine Gliederkette. Transportiert werden sie in einem schicken Mahagoni-Röhrchen. Der Designer ist sichtlich stolz auf seine Idee: "Eine solche Erfindung hat es bisher noch nicht gegeben."
Ein Grundkurs für die Rasenpflege ist auch dabei
Vom Aussehen über die Vermarktung bis zur Funktionalität hat der Design-Student an alles gedacht. Die "naturisticks Düngerstollen" haben eine Plastikverpackung in klassischem Schwarz, gespickt mit einigen überdimensionierten Grashalmen. Ein Bonbon gibt es für eingefleischte Fußballfans. Auf den Verpackungen glänzen die Logos von Bayern München, St. Pauli oder Borussia Dortmund. Zu dem Paket gehören auch Aufkleber der Vereine, die man auf die Magnete kleben kann. Auf dem eigens kreierten "naturisticks Taktikboard", das wie ein kleiner Fußballplatz aussieht, können die Spieler neue Taktiken austüfteln und Spielzüge überlegen. Die Magnete stellen die Spieler dar.
Auch an Vermarktungsstrategien hat Daniel Wilhelms gedacht: So gibt es etwa Broschüren und eine CD-Rom. Darin enthalten sind Informationen für Allergiker, ein Grundkurs für die Rasenpflege und eine Bolzplatzsuche nach Postleitzahl.
Der Designer ist überzeugt von seinem Konzept: "Ich kann mir gut vorstellen, dass Freizeitkicker von der Idee begeistert sind", sagt Daniel Wilhelms. Für Vereine sei das Set wohl nichts, "die haben ja ihre eigenen Greenkeeper". Allerdings könnten Gemeinden oder Freizeitsportler durchaus von der Idee profitieren: "Die Sportplätze werden schöner und die Fußballer bekommen einen guten Ruf."
Ob die Stollen nun auch tatsächlich in die Läden kommen sollen – das hat der Design-Student noch nicht entschieden. "Mir ging es vor allem darum, für meine Diplomarbeit kreativ zu arbeiten", sagt Daniel Wilhelms. Und deswegen habe bislang das Design im Vordergrund gestanden.
Ein lukratives Angebot von Sportherstellern würde der Jung-Designer aber sicherlich nicht ausschlagen. Allerdings müsse man in einem solchen Fall noch am Produkt feilen, vermutet Daniel Wilhelms: "Mahagoni-Röhrchen sind den meisten sicherlich zu teuer."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH