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25.04.2007
 

Hochschul-Fusionitis

Ist größer auch besser?

Von Armin Himmelrath und Maike Schröder

Geld sparen, bessere Chancen im Uni-Wettbewerb, die berühmten "Synergien" - auf dem Papier klingen Konzepte für mehr Zusammenarbeit zwischen Unis immer prima. Studenten allerdings sind gar nicht begeistert, wenn ihre Fächer ausbluten und sie zu Dauerpendlern werden.

Seit letzte Woche ist es offiziell – die Unis Braunschweig, Clausthal und Hannover werden als Niedersächsische Technische Hochschule (NTH) kooperieren. Die Standorte bleiben autonom, erhalten aber eine gemeinsame Leitung. Kein Zusammenschluss, betonen Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann und die drei Hochschul-Präsidenten unisono: "Es geht nicht um eine Fusion."

Uni Hannover: Gemeinsame Entwicklung statt Konkurrenz
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DPA

Uni Hannover: Gemeinsame Entwicklung statt Konkurrenz

Bisher konkurrieren die Unis um Studenten, Dozenten und Fördergelder; ein freiwilliger Fächerabgleich zwischen den Standorten scheiterte. Künftig soll das NTH-Präsidium mit fünf Mitgliedern - drei davon die Uni-Präsidenten - über die gemeinsame Entwicklung entscheiden. Struktur und Kompetenzen der NTH werden bis zum Frühjahr 2008 in einem Gesetz festlegt. Jeder Standort setzt auf bestimmte Fächer: Braunschweig baut das Bauingenieurwesen aus, Clausthal die Energiewissenschaften. Beide Universitäten hoffen, so bundesweit in der ersten Liga mitzuspielen. Hannover stärkt seine Physik und Chemie; ob es für eine deutsche Spitzenposition reicht, scheint allerdings fraglich.

Die Debatte um Einzelfächer findet Braunschweigs Uni-Präsident Jürgen Hesselbach ärgerlich - sie lenke von der guten Gesamt-Idee ab: "Wir machen nicht den großen Fächertausch, so wie kleine Jungs Murmeln tauschen. Es geht darum, wie wir bestimmte Fächer unter eine gemeinsame Struktur bringen." Doch an den Hochschulen rumort es. Braunschweigs Physiker protestierten in einem offenen Brief, Hannovers Bauingenieure lieferten sich mit ihrem Präsidenten einen offenen Schlagabtausch im Senat.

Universitätsrat statt Fusion

Studenten aus Hannover stellten einen Protestsong für den Erhalt ihrer Fakultät ins Netz . "Durch die Zusammenlegung verfallen die Strukturen an den Hochschulen, die Studienqualität leidet", befürchtet Jeannette Dietrich. Die angehende Bauingenieurin räumt aber ein: "Eine NTH, wenn sie erstmal besteht, ist sicher eine gute Sache." Anders als Braunschweig und Clausthal kann die Uni Hannover nur einen Teil ihrer Fächer einbringen. Was dann aus den Geisteswissenschaften wird, ist unklar.

Niedersachsen ist kein Einzelfall: Derzeit grassiert überall die Lust an der Kooperation. So sieht das neue Hochschulgesetz in Schleswig-Holstein einen gemeinsamen Universitätsrat für die Unis Kiel, Lübeck und Flensburg vor. "Ursprünglich hatte Dietrich Austermann die Gründung einer einzigen Landesuniversität mit Außenstellen in Lübeck und Flensburg vorgesehen", sagt der Lübecker Rektor Peter Dominiak über die Ziele des Wissenschaftsministers. "Das haben wir vehement abgelehnt und waren damit auch erfolgreich. Aber es hat dann einen gemeinsamen Universitätsrat geben müssen."

Auch die beiden anderen Rektoren sind unzufrieden: "Es ist kein Königsweg. Aber wir sind jetzt dabei, das beste daraus zu machen", gibt sich Flensburgs Rektor Heiner Dunckel "verhalten optimistisch". Kritisch sieht er vor allem die Machtfülle des neuen Hochschulrats: Der soll ab Oktober die Wirtschaftspläne der drei Unis genehmigen und die Profile der einzelnen Hochschulen schärfen. "Unnötigerweise", findet Dunckel - solche klaren Profile gebe es längst.

Fusionen liegen bundesweit im Trend. Uni und FH in Lüneburg wurden zu einer Hochschule vereinigt, Bayerns Regierung erwog sogar eine Elefantenhochzeit der TU und der LMU München - was am Widerstand der Unis scheiterte. Sie wollten keinen weiß-blauen Koloss. Unterhalb des Zusammenschlusses ganzer Unis drängen Ministerien in vielen Bundesländern seit Jahren auf engere Zusammenarbeit von Fakultäten. Ihr kostensparendes Motto: "Nicht alle müssen alles machen."

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