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Tödliche Tests von US-Studenten "Im Keller hört dich niemand schreien"

3. Teil: Warum George W. Bush das "Brandmarken" mit einem glühenden Eisen harmlos fand

Am nächsten Morgen fand man Gordie leblos auf dem Sofa der Verbindungsbibliothek. Im Blut hatte er 3,28 Promille, auf seine Haut waren rassistische und erniedrigende Sprüche geschrieben. Als jemand endlich einen Krankenwagen rief, war Gordie tot.

"Niemand konnte sich vorstellen, dass man durch Alkohol sterben kann", sagt Jack. Mit der Alkohol-Aufklärung sei es wie mit der Erziehung zu sexueller Abstinenz: "An den Schulen sagt man den Leuten: 'Tu das nicht, das ist schlecht!' Aber die Kids machen es eben trotzdem." Seit dem Tod seines Freundes tourt der 20-Jährige deshalb durch Hörsäle im ganzen Land, um seine Altersgenossen "realistisch" über Alkoholvergiftungen aufzuklären.

Manche Unis wollen es nicht mehr darauf ankommen lassen. Nach dem Tod eines 21-jährigen "Zeta Beta Tau"-Bruders wurden an der Alfred University in New York 2002 praktisch alle Verbindungen verboten. In Princeton, wo es laut Janet Dickerson, Vice President for Campus Life, "seit vielen Jahren Spannungen" zwischen Universität und "Greeks" gibt, erkennt man die Verbindungen offiziell nicht an. Stattdessen verschickt Dickerson Briefe, mit denen die Erstsemester angeregt werden sollen, zweimal über eine Mitgliedschaft nachzudenken. Trotzdem entscheiden sich geschätzte 15 Prozent aller "Freshmen" nach wie vor für die Greeks, die ihre Treffen abseits des Campus abhalten.

Bush war schon 1967 Mr. President - in einer Verbindung

Manchmal bekommt Hank Nuwer, der ein Anti-Hazing-Blog betreibt, wütende E-Mails. "Niemals würde ich den neuen Pledges das vorenthalten, was ich erfahren habe", schreibt ein Verbindungsbruder. Denn Hazing habe seine "Pledge Class" zu einer einzigartigen Einheit geschweißt: "Wir waren wie ein Bataillon, wie eine Armee." Derartige Kommentare, sagt Nuwer, kämen bisweilen auch von Prominenten. Und berühmte Alumni gibt es genug.

George W. Bush als Yale-Student: "Nur eine Zigaretten-Brandwunde"
AP

George W. Bush als Yale-Student: "Nur eine Zigaretten-Brandwunde"

Einer davon wurde bereits in einem Artikel über "sadistische und obszöne Initiationsriten" an der Universität Yale 1967 in der "New York Times" zitiert. Das Brandmarken der Pledges mit einem glühenden Eisen, so der 21-jährige Yale-Student und ehemalige "Delta Kappa Epsilon"-Präsident, verursache "nur eine Zigaretten-Brandwunde", weshalb er die Aufregung auf dem Campus nicht verstehe. Der Student hieß George W. Bush.

Mehr als 35 Jahre ist es her, dass in Stanford ein Laborversuch abgebrochen werden musste, weil im Keller des Psychologie-Departments Studenten zu Folterern ohne Hemmschwelle geworden waren. Und es scheint, dass die Grenzen bis heute allzu leicht verschwimmen - zwischen Spaß und Ernst; Einbildung und Wirklichkeit; Recht und Unrecht.

Auf dem ersten Foto einer inzwischen berühmten Serie aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghureib, so der frühere Army Reserve Specialist Joe Darby in einem ABC-Interview, sei die Pyramide mit den Nackten gewesen: "Es wirkte wie etwas, was man auch in einer Studentenverbindung am College finden würde." Da habe er noch gelacht. Doch nachdem er alle Fotos angeschaut hatte, sei ihm klar geworden, dass er eine Entscheidung treffen musste.

Drei Tage lang zögerte der damals 24-Jährige. Im Januar 2004 übergab er der Army Criminal Investigation Division eine Foto-CD und machte damit den Skandal von Abu Ghureib öffentlich. In seiner Heimatstadt in Cumberland im US-Bundesstaat Maryland haben sie ihn einen Verräter geschimpft. Und für so manchen wäre er vielleicht auch ein schlechter Bruder. Einer, der ein Geheimnis nicht für sich behalten konnte.

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