Von Katrin Schmiedekampf und Jochen Leffers
Griehl antwortet prompt per Mail: "Ich halte es für nicht ungefährlich, Personalangelegenheiten in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Deshalb und aufgrund unserer Nachrecherchen zu den Aussagen der 'Monitor'-Sendung würde ich Ihnen stark davon abraten, die Medienanfragen zu Ihrem Lehrauftrag und den Gründen, weshalb er Ihnen kurzfristig entzogen worden sei, selbst zu beantworten."
28. April: Die "taz" fragt Griehl, ob Todt ihr Seminar wegen des TV-Auftritts verloren habe. "Meiner Kenntnis nach gibt es diesen Zusammenhang nicht", lautet die Antwort.
30. April: Sabine Todt ärgert sich über Griehls Aussage. "Ich weiß, dass das nicht stimmt", sagt sie und beschließt, sich an ihre Studenten und die Presse zu wenden. "An einem kausalen Zusammenhang zwischen meinen Äußerungen im Beitrag und dem Entzug des Lehrauftrags wurde kein Zweifel gelassen", schreibt sie in einer Erklärung. Das bedeute eine Aberkennung ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre - nach sechs Jahren an der Uni Hamburg, einem "Ort, an dem ich stets glücklich meinen Studien und meiner Arbeit nachgegangen bin". Todt stellt auch klar, sie selbst habe dort nicht unbezahlt gearbeitet, sondern als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und als Lehrbeauftragte ("ein Semester Arbeit für 1200 Euro", inklusive Vorbereitung, Korrektur und Besprechung der Seminararbeiten bei 30 bis 80 Teilnehmern).
3. Mai: Nun reagieren Studenten und beschreiben die geschasste Dozentin als "erstes Opfer der Maulkorb-Politik an der Uni Hamburg". Sie werde "Mund-Todt" gemacht - nach der alten Mao-Devise "Bestrafe einen, erziehe hundert". Das Schreiben verfasst hat Robert Dittmar, 28. Für den Soziologiestudenten ist Sabine Todt "die beste Dozentin, die ich an der Universität Hamburg bisher erlebt habe - ihr Rauswurf kann mit ihren fachlichen und didaktischen Fähigkeiten nichts zu tun haben".
Ein Trupp Studenten fängt Angelika Schaser, geschäftsführende Direktorin des Historischen Seminars, in der Mensa ab und sucht auch die Pressesprecherin auf. "Die Gespräche mit beiden haben sich im Kreis gedreht", sagt Dittmar SPIEGEL ONLINE - es handele sich um Gerüchte, man sei nicht zuständig.
3. und 4. Mai: Der Telefonanschluss in der Pressestelle ist mal besetzt, mal frei - aber niemand hebt ab. "Bitte mailen sie mir doch, was Sie genau wissen möchten", schreibt Griehl. Ihre schriftlichen Antworten sind karg und ausweichend, sie beruft sich auf interne Personalangelegenheiten oder den Datenschutz. Hat sie den Dekanen geraten, auf Fragen des "Monitor"-Teams nicht zu reagieren? "Nein." Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem TV-Auftritt der Dozentin und ihrem Ausscheiden? "Wenn ein Zusammenhang hergestellt wurde, dann basierte dies auf der subjektiven Einschätzung durch das Department."
4. Mai: "Wenn einer Lehrbeauftragten der Lehrauftrag aufgrund eines Interviews von der Präsidentin entzogen worden wäre, dann wäre dies ein Skandal", sagt Professor Michael Greven SPIEGEL ONLINE. Er spricht noch mit Journalisten, ohne die Pressestelle um Erlaubnis zu fragen.
Auch Angelika Schaser vom Historischen Seminar spricht noch, aber vorzugsweise "off the record". Zitiert werden möchte sie nur mit dürren Worten: "Frau Todt hat für das Sommersemester 2007 keinen Lehrauftrag bekommen. Insofern konnte ihr auch keiner entzogen werden." Formal möge das stimmen, sagt Student Dittmar und kontert: "Die Uni lässt sich sowohl mit ihren Verträgen als auch mit der Bezahlung oft Zeit." Manchmal bekomme ein Dozent den Vertrag erst, wenn das Seminar bereits einige Wochen laufe. Sobald aber das Seminar im Vorlesungsverzeichnis stehe, sei klar, dass es auch stattfinde.
Anrufe bei der Pressestelle: Tuut, tuut, tuut...
7. Mai: Auch die Uni-Präsidentin hat sich eingegraben. Ihre Sekretärin sagt, Auweter-Kurtz sei "absolut busy" - so beschäftigt, dass "ihr Terminkalender platzt". Wann sie wieder zu sprechen ist? "Mitte Juli. Wenden Sie sich doch bitte an die Pressestelle."
7. und 8. Mai: Die Pressesprecherin ist weiterhin stumm. Dafür kommen E-Mails. In einer schreibt Griehl: "Manche Informationen sind grundsätzlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich bitte Sie höflich darum, dies zu respektieren und davon Abstand zu nehmen, das Büro der Präsidentin weiterhin wegen eines Telefontermins mit der Präsidentin zu diesem Thema zu kontaktieren." In einer anderen: "...haben wir uns entschieden, Fragen in diesem Zusammenhang ausschließlich schriftlich zu beantworten." Auf weiteres Nachfragen: lautstarke Funkstille.
10. Mai: Die renitenten Studenten haben sich der Hamburger Schweigegemeinschaft noch immer nicht angeschlossen. Sie wollen um 11.30 Uhr erneut mit einer Kundgebung auf dem Campus für ihre Dozentin demonstrieren.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH