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08.06.2007
 

Privatuni

IT-Millionär will Witten/Herdecke

12 Millionen Euro Miese bei 36 Millionen Euro Budget: Die renommierte Privatuni Witten/Herdecke steckt in großen Geldnöten. Die Studenten haben deshalb Peter Schnell, Gründer der Software AG, gebeten, ihre Uni zu übernehmen. Die Chancen stehen gut.

Witten/Darmstadt - Die Stiftung des Gründers der im TecDax notierten Software AG erwägt die Übernahme der privaten Universität Witten/Herdecke. "Im Moment laufen intensive Beratungen", sagte ein Stiftungssprecher am Freitag.

Privatuni Witten/Herdecke: "Eine große Baustelle"
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Michael Mutzberg

Privatuni Witten/Herdecke: "Eine große Baustelle"

Die Darmstädter wollen in Kürze über eine verbindliche Offerte entscheiden, um die Stimmenmehrheit von den überwiegend privaten Eignern zu übernehmen und die anthroposophisch ausgelegte Uni mit einem finanziellen Polster für mehrere Jahre auszustatten. Dabei gehe es um eine Summe von 23 Millionen Euro.

"Studierende haben uns angesprochen, ob wir uns engagieren wollen", sagte der Stiftungssprecher der "Financial Times Deutschland". "Wir würden das gern machen, aber nicht allein." Es gebe bereits Gespräche mit weiteren Stiftungen und Unternehmen.

Die finanziell ins Schlingern geratene älteste und wichtigste Privatuniversität Deutschlands bestätigte das Interesse aus Darmstadt. "Bislang gibt es mehrere ernsthafte Interessenten. Ein verbindliches Angebot liegt aber noch von keinem vor", so Hochschulsprecher Dirk Hans. Es gehe um einen kompletten Austausch der Gesellschafter. Bisher sind Unternehmen wie Oetker und Deutsche Bank engagiert, die aber eher ideelle Gesellschafter sind und Geld nur in Form von Spenden zuschießen.

Jetzt wird ein Konsortium gesucht. Als potenzieller Gesellschafter gilt auch die Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH). Der private Klinik- und Fachhochschulbetreiber will nach bisherigen Aussagen mit 13 Millionen Euro einsteigen. Laut SRH müssten weitere "drei bis vier potente Partner" mit je etwa derselben Summe mitmachen, um die Hochschule dauerhaft zu sanieren.

Stifter und Vorstandschef der Stiftung Software AG ist Peter Schnell. Der Anthroposoph hatte der Hochschulleitung bereits im Mai eine Absichtserklärung überreicht. Anfang dieser Woche prüften Mitarbeiter in Witten die Bücher und fanden ein Defizit von 12 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 36 Millionen Euro. "Die Uni ist eine große Baustelle, ohne Einschnitte wird es auch mit uns nicht gehen", sagte der Sprecher der Software-Stiftung.

Geraune von "feindlicher Übernahme"

Die Heidelberger SRH Holding betreibt neben diversen Kliniken auch fünf Hochschulen. SRH will auch Witten wirtschaftlicher machen. "Wir bringen nicht einfach Geld vorbei und stopfen Lücken", sagte ein Sprecher. Die Uni solle sich mehr daran orientieren, "was Wirtschaft und Gesellschaft brauchen".

Die Studenten wünschen sich laut ihrem Vertreter Lukas Wallacher eine Übernahme durch die Software-Stiftung. Übernehme SRH die Hochschule, gebe es einen "Ausverkauf" der Ideale von Freiheit und Eigenverantwortung, sagte Wallacher der "FTD". Die Studentenvertreter in Witten/Herdecke haben eine starke Tradition selbstbewussten Auftretens und wollen die Geschicke der Universität mitbestimmen. Diskussionsfreudigkeit gehört zur Uni-Kultur; nicht wenige Studenten befürchten einen Kulturbruch bei einem SRH-Einstieg und raunten von einer "feindlichen Übernahme".

Witten/Herdecke, gegründetet in den achtziger Jahren in der Nähe der großen Universitäten von Dortmund und Bochum, litt fast von Beginn an unter Finanzproblemen. Deshalb stiegen 1995 das Land und der Bund beim laufenden Betrieb ein. Das Förderprogramm sollte 2005 auslaufen, musste aber notgedrungen verlängert werden.

Im Sommer 2006 sorgte dann der Wissenschaftsrat mit scharfer Kritik an der medizinischen Forschung für einen Paukenschlag. Die Hochschule bekam ihre Akkreditierung, ihr universitäres Gütesiegel, erst, nachdem sie erhebliche Reformen in ihrer Kerndisziplin Medizin zusicherte.

jol/mmo/dpa

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