Von André Eichhofer und Eric Wychlacz
Geographie-Studentin Jenny* sitzt am Fenster und blickt traurig auf den Parkplatz des Studentenwohnheims Tarforst hinunter. Wo jetzt nur noch ein verkohlter Blechhaufen zu sehen ist, stand vorher ihr silberfarbener Ford-Escort. Sie kann sich noch genau an den Abend erinnern, an dem vor ihrer Studentenbude meterhohe Flammen loderten. "Ich habe für eine Klausur gelernt, da gab es draußen einen lauten Knall wie ein Schuss aus einem Gewehr", erzählt sie. "Ich rannte zum Fenster, um nachzusehen, was los ist. Dann sah ich, dass unten mehrere Autos brannten.” Während die Feuerwehr anrückte, musste sie hilflos beobachten, wie auch ihr Fahrzeug in Flammen aufging.
Seit über einem Jahr schlagen Brandstifter am Studentenwohnheim zu. Elf Autos haben sie bisher abgefackelt und offenbar kaum Angst, erwischt zu werden. Sogar am hellichten Tag legten sie Feuer. Als Studenten nachmittags von der Vorlesung zurückkamen, waren von ihren Autos nur noch dampfende Karosserien übrig.
Unter den Bewohnern kursierte der Verdacht, die Brände könnten auf das Konto von Studentenhassern gehen. "Dagegen spricht, dass nicht nur Autos an der Uni angezündet wurden", sagt ein Polizeisprecher. Auch in den umliegenden Wohngebieten musste die Feuerwehr mehrmals löschen. Die Bevölkerung in der Nähe der Wohnheime ist stark gemischt: Arbeitslose wie Professoren, Hartz-IV-Empfänger wie reiche Luxemburger.
Mühsam gespartes Geld verbrannt
Wer steckt hinter den Brandanschlägen - frustrierte Halbstarke, gelangweilte Doktorensöhne oder ein durchgeknallter Pyromane? "8000 Euro habe ich in mein Auto gesteckt", sagt Jenny kopfschüttelnd. "Das Geld hatte ich vor meinem Studium mühsam zusammengespart." Sie fragt sich, was in den Tätern vorgeht. Lorenz Böllinger, Professor für Kriminologie an der Universität Bremen erklärt: "Brandstifter haben meist einen Minderwertigkeitskomplex. Durch das Feuer wollen sie ihren Wunsch von Macht und Überlegenheit ausleben."
Jenny und ihre Kommilitonen befürchten, dass die Feuerteufel bald erneut zuschlagen. Auf einer Krisensitzung im Wohnheim berieten die Studenten, was sie selbst tun können. "Es gab die Idee, eine Bürgerwehr zu gründen", sagen Christian Frank und Stefan Oberneder. Die beiden engagieren sich im Heimrat des Trierer Wohnheims. Zum Schutz sollten die Bewohner nachts Wache schieben. Jeweils zwei Studenten wären schichtweise auf Patrouille gegangen, so der Plan. Um 6 Uhr sollte der Wachdienst zu Ende sein.
Inzwischen haben die Bewohner die Idee aufgegeben - "wir hätten kaum genug Leute mobilisieren können", sagen die zwei vom Heimrat. Immerhin wären pro Woche über fünfzig Studenten auf Streife gegangen. Das Studierendenwerk Trier verwaltet das Wohnheim. Geschäftsführer Andreas Wagner warnt vor Selbstjustiz: "Die Studenten sollten einen kühlen Kopf bewahren und nicht auf eigene Faust Verbrecher jagen."
Projekt "Big Brother"
Um die zündelnden Übeltäter festzunageln, wollen die Bewohner jetzt "Big Brother" einschalten. Ihr Plan: Vor dem Wohnheim werden Kameras angeschraubt, die jede Bewegung aufzeichnen. Zuvor muss jedoch der Datenschutzbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz das Projekt absegnen. "Wenn das machbar ist, wird es videoüberwachte Parkplätze geben, aber ich werde nicht gegen datenschutzrechtliche Verordnungen verstoßen", sagt Andreas Wagner vom Studierendenwerk.
Eine heiße Spur von den Tätern gebe es noch nicht, erklärt die Polizei. "Die Anwohner sollen die Augen offen halten und aufmerksam ihr Umfeld beobachten", lautet ihr Rat. Man gehe davon aus, dass die Brände "eine Handschrift" tragen. Einige Studenten vermuten: Kaum hatten die Täter Streichholz und Benzinkanister beiseite gelegt, mischten sie sich unter die Gaffer, um die brennenden Autos zu beobachten. "Brandstifter halten sich häufig in der Nähe des Feuers auf, weil die Tat ihnen Befriedigung verschafft", sagt Kriminologe Böllinger.
Wenn ihre Autos brennen, bedeutet das für die Besitzer ein finanzielles Fiasko. "Ich habe von meiner Haftpflichtversicherung keinen einzigen Cent erstattet bekommen", klagt Jenny. Weil die Felgen ihres Wagens noch zu gebrauchen waren, musste sie wenigstens die Verschrottung nicht bezahlen. Jenny hofft, dass die Brandstifter endlich geschnappt werden. Ihr Leben hat sich ein wenig verändert: "Man erwischt sich dabei, wie man den Feuerlöscher studiert."
(* Name geändert)
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