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11.07.2007
 

Gebührenboykott der brotlosen Künstler

Zahlen statt Malen

Von Katrin Schmiedekampf

Wer nicht zahlt, der fliegt - das gilt auch für Hamburger Kunsthochschüler. Trotzdem haben über zwei Drittel die Campus-Maut nicht überwiesen. Professoren scharen sich löwenmuttiartig um die Studenten. Sie ahnen: Die Studiengebühren könnten der HfbK den Garaus machen.

"Ich könnte mir die Pulsschlagadern aufschneiden und mit meinem Blut ein Bild malen", sagt Frank Bentham, 30. Suizidgefährdet ist der Kunststudent nicht. Er will für ein Projekt herausfinden, wie viel Geld ein Künstler zum Arbeiten braucht. Ein Semester lang hat er versucht, seine Materialkosten mit Nebenjobs zu finanzieren, im letzten Semester wurde er gesponsert, "gerade probiere ich, mit null Euro auszukommen". Die blutige Idee ist nur eine mögliche Antwort auf die Frage: Womit soll ich nun arbeiten?

Frank hätte nie gedacht, dass sich in diesem Semester fast alle Studenten der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) mit der gleichen Frage beschäftigen würden. Nun sind Studiengebühren fällig: 500 Euro, dazu 250 Euro für Sozialbeitrag und Semesterticket - und viele wissen nicht, wie sie auch noch Geld für Farben, Programme und Filme auftreiben sollen.

Die Gebührenbilanz: 736 Studenten verzeichnet die Hochschule insgesamt, 165 davon zahlen als Lehramtstudenten ihre Gebühren an die Hamburger. 129 Kunststudenten sind von den Gebühren befreit. 442 müssten zahlen - aber nur 173 haben es nach Auskunft der Hochschule getan. Die anderen 269 Studenten (61 Prozent) haben entweder kein Geld überwiesen oder es auf ein Treuhandkonto eingezahlt. Ihnen droht nun die Exmatrikulation. Auch Frank Bentham gehört zu den Boykotteuren.

Die HfbK-Studenten sowie Kommilitonen von der Theaterakademie sind in Hamburg die einzigen, die noch in Form eines Boykotts gegen die Studiengebühren rebellieren. Das ist ungewöhnlich: Zum einen, weil Kunststudenten eigentlich Individualisten sind und selten in großen Gruppen zusammenwirken und abstimmen. Basisdemokratische Turnübungen sind für die meisten eine neue Erfahrung. Das führt zu zähen Diskussionen über Wörter (soll eine Arbeitsgruppe "Sommerakademie", "Sommeruni" oder "Trainingslager" genannt werden?) oder darüber, ob Journalisten bei einer Vollversammlung lauschen dürfen.

Die letzten Gebühren-Dissidenten

Ungewöhnlich ist der Widerstand zum anderen, weil Versuche in anderen Bundesländern bisher gescheitert sind. So schlug in Baden-Württemberg ein landesweiter Boykott fehl. Nur drei kleine Karlsruher Hochschulen erreichten die Quoren - aber den knapp 400 Gebühren-Dissidenten war es dann doch zu riskant, weiter zu kämpfen. An der Uni Hamburg überwiesen 6078 Studenten die Campusmaut auf ein Sonderkonto, 10.000 hätten es sein sollen. Also musste die Aktion abgebrochen werden.

Bis Montag hätten die Kunststudenten einlenken können. Da lief die Frist ab. Dass tatsächlich noch Geld auf das Konto der Hochschule überwiesen wurde, kann sich HfbK-Sprecherin Karin Pretzel "nicht vorstellen". Zu entschlossen wirkten die Studenten, die sich zur Vollversammlung trafen und in Kleingruppen über die nächsten Schritte berieten. "Wir boykottieren weiter", kündigte Benjamin Renter, 25, vom Verein der Gebührenverweigerer an.

Der Plan: Die Rebellen wollen sich in den Semesterferien eine Strategie überlegen, juristische Fragen klären, Protestbanner entwerfen. Außerdem wollen sie Daniel Richter, Fatih Akin und andere Ehemalige und Professoren um Unterstützung bitten.

Benjamin Renter und zwei Kommilitonen werden sich Donnerstagnachmittag mit dem Wissenschaftspolitiker Wolfgang Beuß, Mitglied der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion, zu einem Gespräch im Rathaus treffen. "Wir fordern, dass Studienfinanzierungsgesetz zu streichen", so der Student. Unter der Situation in der Hochschule litten alle. "Aber eine Exmatrikulation ist zurzeit nicht möglich. Wir haben noch bis Mitte Oktober Zeit", sagt Renter unter Berufung auf einen Anwalt, der den Verein berät.

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insgesamt 1563 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.08.2010 von jinky:

Erstens sind ein Kunst- und ein Kunstgeschichtsstudium zwei Paar Stiefel. Und: Sie brauchen keinen Kunsthistoriker. Prima. Ich brauche, da kinderlos, keine Lehrer. Deal? mehr...

10.08.2010 von aninas:

Kunst ist wie Literatur ein Mittel die Realität wiederzuspiegeln, zu kritisieren und es an die Öffentlichkeit zu bringen. Es ist wichtig sie zu fördern, weil die Aussagen von großen bekannten Künstlern nun mal mehr Einfluss [...] mehr...

17.07.2010 von pulegon: Bezahlbar Zahlen zahlen

Theoretisch ist es ja auch bezahlbar. Mit BAfög, Studienkredit und Nebenjob oder halt reichen Eltern. Die Frage ist, ob das dem Staat reicht und ob das dann richtig ist. Richtig, die Einschränkungen sind dumm, aber wenn [...] mehr...

17.07.2010 von titurel: Studiengebühren abschaffen!

Studieren - soll ja inzwischen die häufigste Ausbildungsform sein - muss bezahlbar sein bzw. wieder werden. Es ist doch dumm, den Zugang zum Studium auf diese Weise einzuschränken bzw. zu erschweren. Das passt auch nicht zu dem [...] mehr...

15.07.2010 von Rainer Daeschler: Nutzen im Wandel der Zeit

Gut, dass vor einem halben Jahrtausend nicht nur an den Profit eines Studiums gedacht wurde. Die ganzen Mathematiker mir ihren mathematischen Beweisen, die beweisen, was keiner wissen will und auch keiner versteht. Damit gewann [...] mehr...

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