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13.07.2007
 

Gebührenboykott

Deutscher Kulturrat kritisiert Rauswurf der Kunststudenten

Die Hamburger Kunsthochschule exmatrikuliert 269 Studenten, weil sie keine Studiengebühren zahlen. Das bereitet dem Deutschen Kulturrat Sorge. Er warnt: Künstler und Designer werden die Stadt links liegen lassen.

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) ist die erste deutsche Hochschule, die auf den Studiengebührenboykott mit Exmatrikulationen reagiert: Sie wirft 269 Studenten raus. Der Deutsche Kulturrat kritisiert diesen Schritt. Damit werde in Kauf genommen, dass angehende Künstler und Designer der Stadt den Rücken kehren.

Hochschulpräsident Martin Köttering verschickt Exmatrikulationen an die Boykotteure. Doch auch er bezeichnet dieses Vorgehen als "gravierenden Einschnitt, dessen Folgen sowohl den künstlerischen Nachwuchs für die Metropolregion Hamburg als auch Studium und Lehre an der HfbK über Jahre maßgeblich beeinträchtigen" würden. Das Hochschulgesetz zwinge ihn zu diesem Schritt. Köttering appelliert an die Studenten, den Senat und die Bürgerschaft, gemeinsam Lösungen zu suchen. Außerdem setzt er den Kunststudenten eine Gnadenfrist bis zum 30. September. Wer bis dahin die Gebühren überweise, werde "ohne weitere Voraussetzungen wieder immatrikuliert".

"Künstler verdienen 10.510 Euro im Jahr"

Ob das jemand tun wird, ist unklar. Der Deutsche Kulturrat ist in großer Sorge - und hat sich daher an die Hamburger Politiker gewandt. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) sollten "Flagge zeigen und sich für die Kunststudenten einsetzen", forderte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Statistiken der Künstlersozialkasse würden belegen, dass Künstler nach Ablauf einer dreijährigen Berufsanfängerzeit im Schnitt 10.510 Euro pro Jahr verdienen. Außerdem noch "Studiengebühren zurückzahlen zu müssen, die oftmals über einen Kredit finanziert werden müssen, ist schier unmöglich".

Damit bestätigte der Kulturrat, was die Boykotteure immer wieder als Argument gegen Gebühren anbringen: Kunststudenten seien besonders belastet, weil sie im Studium viel Geld für Arbeitsmaterialien ausgeben und nach dem Examen nur selten einen gut bezahlten Job erwarten könnten.

Künstlerische Talente werden die Stadt verlassen - das befürchtet auch Barbara Brüning, Wissenschaftssprecherin der Hamburger SPD-Fraktion. "Da andere Kunsthochschulen wie Düsseldorf, Berlin oder Leipzig gebührenfrei sind, werden sich die besten jetzt dort bewerben, wo sie ohne finanzielle Belastung studieren können", sagte sie und forderte erneut ein Ende der Gebühren - oder zumindest Sonderregelungen für HfbK-Studenten.

Heike Opitz, Hochschulexpertin der Hamburger GAL-Fraktion, glaubt ebenfalls, dass andere Lösungen als die Exmatrikulation möglich sind. Man könne das Gesetz ändern oder es den Hochschulen überlassen, ob sie Gebühren erheben wollen oder nicht.

Der Boykott geht weiter

Für die Boykotteure hatten sich zuvor bereits 26 Professoren der HfbK eingesetzt. Die Behörde von Wissenschaftssenator Jörg Dräger ließ sich jedoch nicht beirren. Sie gab die Devise aus: Wer nicht zahlt, der fliegt. Das Hochschulgesetz lasse keine Ausnahmen zu.

Der Hamburger Bürgermeister wollte sich nicht zum Thema äußern. CDU-Hochschulexperte Wolfgang Beuß erklärte: "Die verbleibende Möglichkeit, die Studiengebühren in Hamburg wieder abzuschaffen, wird es mit der CDU nicht geben." Forderungen der Kunststudenten nach einer Sonderbehandlung seien wegen der "rechtlich gebotenen Gleichbehandlung" unrealistisch. Beuß appellierte an die Studenten, ihren Boykott zu überdenken. Er hatte sich am Donnerstag mit Studentenvertretern zu einem Gespräch getroffen. Doch beide Seiten waren zu keinem Ergebnis gekommen. Die AG Studiengebührenboykott der HfbK hatte daraufhin angekündigt, ihren Widerstand fortzusetzen.

kat/dpa

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Die neuesten Beiträge:
12.08.2010 von jinky:

Erstens sind ein Kunst- und ein Kunstgeschichtsstudium zwei Paar Stiefel. Und: Sie brauchen keinen Kunsthistoriker. Prima. Ich brauche, da kinderlos, keine Lehrer. Deal? mehr...

10.08.2010 von aninas:

Kunst ist wie Literatur ein Mittel die Realität wiederzuspiegeln, zu kritisieren und es an die Öffentlichkeit zu bringen. Es ist wichtig sie zu fördern, weil die Aussagen von großen bekannten Künstlern nun mal mehr Einfluss [...] mehr...

17.07.2010 von pulegon: Bezahlbar Zahlen zahlen

Theoretisch ist es ja auch bezahlbar. Mit BAfög, Studienkredit und Nebenjob oder halt reichen Eltern. Die Frage ist, ob das dem Staat reicht und ob das dann richtig ist. Richtig, die Einschränkungen sind dumm, aber wenn [...] mehr...

17.07.2010 von titurel: Studiengebühren abschaffen!

Studieren - soll ja inzwischen die häufigste Ausbildungsform sein - muss bezahlbar sein bzw. wieder werden. Es ist doch dumm, den Zugang zum Studium auf diese Weise einzuschränken bzw. zu erschweren. Das passt auch nicht zu dem [...] mehr...

15.07.2010 von Rainer Daeschler: Nutzen im Wandel der Zeit

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