Die Bereitschaft der deutschen Studenten, ins Ausland zu gehen, ist nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes deutlich gewachsen: Im Jahr 1975 entschlossen sich rund 11.000 Deutsche dazu, im Jahr 1995 waren es bereits 41.000, zehn Jahre später bereits gut 75.000 - vom Hang zur Nesthockerei, der den Studenten gelegentlich vorgehalten wird, keine Spur.
Manche verbringen nur ein, zwei Semester, andere das ganze Studium im Ausland. Lange führten Großbritannien, Nordirland und die Vereinigten Staaten die Liste der beliebtesten Ziele an. Im Jahr 2005 schafften es die Niederlande erstmals an die Spitze. Dort schrieben sich fast 12.000 deutsche Studenten ein, 15,7 Prozent aller deutschen Auslandsstudenten.
Platz zwei und drei belegten Großbritannien mit 15,3 Prozent und Österreich mit 13,4 Prozent. Es folgten die Vereinigten Staaten (11,6 Prozent), die Schweiz (10,3 Prozent) und Frankreich (9,1 Prozent). Diese sechs Länder zusammen nahmen damit gut drei Viertel der im Ausland studierenden Deutschen auf.
An die Universitäten in Amsterdam, Rotterdam, Leiden und den anderen niederländischen Städten zog es den akademischen Nachwuchs vor allem zwecks Ausbildung in den Fächern Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Nach Frankreich ging die deutschen Studenten vor allem wegen Sprach- und Kulturstudien sowie Sport. In Ungarn schrieben sich 70 Prozent im Fach Humanmedizin ein - viele von ihnen, weil sie wegen des Numerus clausus in Deutschland keinen Studienplatz bekommen hatten und sie als zahlende Gäste an Budapester Universitäten sehr willkommen sind.
USA sind zurückgefallen
Die Vereinigten Staaten sind noch immer ein wichtiges Gastland in Übersee, stehen aber in der Gunst der deutschen Studenten nur noch an vierter Stelle. Als wichtigen Grund für den Rückgang seit 2001 ortet das Statistische Bundesamt die "Ereignisse des 11. Septembers und die Folgen".
Immerhin 160 Deutsche studierten 2005 an den Päpstlichen Hochschulen in Vatikanstadt, fast ausnahmslos in der Fächergruppe "Sprach- und Kulturwissenschaften". 98 Deutsche verschlug es nach Island, 970 nach Neuseeland. Alle Daten stammen aus einer Umfrage des Statistischen Bundesamtes bei den für Bildungsstatistik zuständigen Institutionen der Zielländer sowie von Eurostat und der Unesco.
Im Rahmen des Erasmus-Programms wurden im Jahr 2005 insgesamt 23.848 Deutsche gefördert. Umgekehrt sind die deutschen Hochschulen für Ausländer attraktiver geworden: Im Gegenzug zu den 75.000 Studenten, die ins Ausland gingen, verzeichneten die Hochschulen im Wintersemester 2005/2006 fast 190.000 Studenten aus aller Welt - echte Ausländer, also nicht die "Bildungsinländer" mit deutscher Schulkarriere, aber ausländischem Pass.
kat/dpa/ddp
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