Von Julia Becker
Laut Statistik würden nur zwei Prozent der Bevölkerung den Test bestehen. Doch auch wenn nur eine Handvoll vom neuen IQ-Rabatt profitiert, werden damit alle Studenten nach Intelligenz sortiert. "Dadurch, dass hier eine ganze Gruppe von Menschen benachteiligt wird, ist eine solche Ungleichbehandlung noch schwerer zu rechtfertigen", sagt Rechtsexperte Klaus Michael Alenfelder.
Die IQ-Regelung soll vor allem als Köder dienen - und ist Teil des Uni-Marketings. "Wir möchten die Hochbegabten auf unsere Universität aufmerksam machen", sagte die Freiburger Uni-Sprecherin Eva Opitz. Prorektor Karl-Reinhard Volz schwärmte gar, ein Vorlesungs- oder Seminarplatz neben einem Hochbegabten sei ein Geschenk des "Bildungsabenteuers Universität".
Dabei ist nicht bewiesen, dass Hochbegabte ihr Studium schneller oder besser absolvieren. "Wir dürfen unter keinen Umständen damit anfangen, Menschen nach ihren Genen oder nach ihrer Herkunft einzuteilen", sagt Alenfelder. Er findet es dagegen in Ordnung, wenn Studenten, die durch Leistungen herausragen, keine Gebühren zahlen müssen: "In solch einem Fall haben die Beteiligten durch ihr Verhalten einen Einfluss auf die von ihnen geforderten Leistungen - was beim IQ nicht der Fall ist."
Durchhalten, es geht um 1500 Euro
Mensa-Vorstandsmitglied Christine Warlies verteidigt den IQ-Rabatt. "Es stellt sich die Frage, ob wir alle Menschen gleich machen oder individuell fördern wollen. Wir als Verein Mensa plädieren eindeutig für letzteres", sagt sie. "Wenn die Gesellschaft heute in die Hochbegabten investiert, kriegt sie den Einsatz später vielfach wieder raus."
Auch die Testteilnehmer in Konstanz hoffen, dass sich ihr Einsatz auszahlt. "Wenn ich jetzt die 49 Euro Teilnahmegebühr und die Fahrtkosten investiere, kann ich am Ende vielleicht 1500 Euro sparen", kalkuliert Chris Mattes, 25. "Ich denke, ich habe gute Chancen, den Test zu schaffen." Der Medizinstudent ist extra an den Bodensee gekommen, weil in Freiburg sofort alle Test-Plätze ausgebucht waren.
Jetzt brütet er über den letzten Aufgabenblöcken. Würfel müssen in Gedanken gekippt und gewendet werden. Die Konzentration schwindet, immer öfter reiben sich die Teilnehmer die Augen. "Kann es sein, dass sich die Würfel irgendwann drehen, wenn man zu lange drauf guckt?", fragt eine Studentin besorgt. "Ja, das kommt vor, dann einfach an die Wand gucken und kurz abschalten", sagt Testleiterin Stoll. Doch entspannen und lange nachdenken ist nicht drin - jede Sekunde zählt.
"Ein Schnellschuss unserer Universität"
Nur die wenigsten werden ein gutes Ergebnis erzielen - ein IQ von über 130 ist eben selten. Das Bildungssystem Baden-Württembergs sei "eines der sozial selektivsten der Welt", die neuen Regelungen würden die Ungerechtigkeiten "immer weiter verstärken", schreibt der Freiburger Asta in einer Stellungnahme.
Auch der Asta in Konstanz lehnt den Hochbegabten-Bonus ab. "Die Unileitung hat den neuen Befreiungstatbestand klammheimlich und an den universitären Gremien vorbei eingeführt. Wir haben davon erst durch die Medien erfahren", sagt Asta-Mitglied Matthias Burkhardt und kritisiert den "Schnellschuss unserer Universität, der ein zusätzliches Argument im Wettbewerb der sogenannten Elite-Unis ergeben soll".
Die Testteilnehmer kümmert das gerade wenig. Sie haben noch eine Minute Zeit für den letzten Aufgabenblock. Diesmal müssen sie geometrische Formen, wie sie aus Tangram-Spielen bekannt sind, zu einer neuen Form zusammenfügen. Konzentrieren kann sich fast niemand mehr. "Stopp! Hefte zu." Die Aufzeichnungen werden samt Aufgabenheft abgegeben. "Na, wie ist es gelaufen, wie fandet ihr den Test?", fragt Estrid Stoll locker in die Runde.
Schweigen. Gemischte Gesichtsausdrücke. Einige konnten es halt, für andere war es ein herber Dämpfer.
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