Von Benedikt Mandl
Trotz Sympathie für das Gastland Österreich wird das Grauen vor dem Turnusdienst wohl auch Sandro Coenzler nach dem Abschluss zurück in die Heimat führen. Auch er stammt aus Köln und studiert seit Oktober letzten Jahres an der Meduni Wien. In Österreich zu bleiben wäre zwar grundsätzlich eine Option für ihn, aber: "Ich möchte nach meinem Abschluss eine Facharztausbildung machen, am liebsten im Bereich Psychiatrie, mich interessiert Psychosomatik." Bei dem derzeitigen Facharztmangel in Deutschland seien die Aussichten dafür gut - in Österreich stehen drei Jahre relativ niedriger Tätigkeiten zwischen dem Abschluss und der Weiterbildung.
Doch auch Coenzler fühlt sich wohl und spricht freundlich über Österreich: "Wegen des NC hätte ich keine Chance auf einen Platz an einer deutschen Uni gehabt. Ich war vor dem Umzug nach Wien 24, hatte bis zum Vordiplom Sportwissenschaften studiert." In Deutschland hätte er mindestens drei Jahre bis zu einer Zulassung in Medizin warten müssen. "Dann wäre ich 27, 28 Jahre alt gewesen - das war keine Option."
Coenzler hat ebenfalls Verständnis für die Schutzquote, aus Erzählungen kennt er den Ansturm deutscher Studenten auf Wien im Herbst 2005. Die Stimmung sei damals sehr schlecht gewesen, fast jede Vorlesungen überfüllt. Die Quote habe diese Situation beseitigt. Eine Tätigkeit in Österreich über sein Studium hinaus verbindet er aber mit einer klaren Bedingung: mit der "Möglichkeit, wie in Deutschland direkt nach dem Abschluss in die Facharztausbildung zu gehen".
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