• Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.10.2007
 

Münchner Elite-Unis

"Wie ein geschenkter Jumbojet"

Der Elite-Titel hat ihnen gut getan. Diese Bilanz ziehen die Rektoren der beiden Münchner Universitäten, die 2006 beim Elite-Wettbewerb abgeräumt hatten. Sie schwärmen von einem "enormen Schub" für die wissenschaftlichen Projekte und für das internationale Renommee.

Schon im letzten Jahr suchte Deutschland die Super-Uni. In der ersten Runde der Exzellenzinitiative ging der Titel gleich zweimal nach München. Sowohl die Technische Universität München (TUM) als auch die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sicherten sich für fünf Jahre insgesamt über 300 Millionen Euro Fördergelder für zahlreiche Forschungsprojekte. Die Entscheidung bedeutete für beide Unis einen enormen Image-Gewinn.

LMU München: "Enormer Schub in der Wahrnehmung"
Zur Großansicht
DDP

LMU München: "Enormer Schub in der Wahrnehmung"

TUM-Präsident Wolfgang Herrmann und LMU-Rektor Bernd Huber zogen Anfang der Woche in der "Süddeutschen Zeitung" eine erste Zwischenbilanz. "Es gibt einen enormen Schub in der Wahrnehmung", sagte LMU-Chef Huber. Vor allem Universitäten aus den USA interessierten sich auch in Geisteswissenschaften für eine Zusammenarbeit. Der Geist des Wettbewerbs sei aus der Flasche - nicht nur beim Lehrpersonal, sondern vor allem auch bei den Studenten. Diese wählten den Studienort inzwischen wesentlich mehr nach der Qualität der Universität aus. Aber auch die Hochschulen nützten ihre neuen Möglichkeiten zur eigenen Auswahl der Studienbewerber. Huber: "Sowohl die Studenten als auch die Unis werden wählerischer."

Es sei derzeit eine gewaltige Arbeit, die Exzellenzprojekte aus dem Wettbewerb umzusetzen. "Es ist, als hätten wir einen schönen Jumbo-Jet geschenkt bekommen, und jetzt müssen wir zusehen, dass er abhebt", so Huber. "Ich denke, in einem halben Jahr werden wir die Reiseflughöhe erreicht haben."

Die Kritik, dass mit einer Konzentration auf die Exzellenz-Förderung an anderen Unis eine akademische Unterschicht entstehe, wies Huber zurück. "Der Wettbewerb fordert die Professoren natürlich heraus, aber wie soll ein System, in dem erhebliche Forschungsmittel vergeben werden, anders funktionieren?" Mit der Gießkanne Geld verteilen - das könne es nicht sein.

"Andere wollen unsere besten Leute abwerben"

"Im Ausland wird über die deutschen Elite-Unis sogar mehr gesprochen als in Deutschland selbst", sagte TUM-Chef Herrmann. Die technische Universität habe mehrere Wissenschaftler aus dem Ausland zurückholen können. Herrmann: "Allerdings erleben wir auch, dass andere unsere besten Leute abwerben wollen - und das mit einer Taktfrequenz, wie wir sie noch nie hatten." Die Uni habe sich eine derartige Dynamik aber immer gewünscht.

"An der TUM wollen wir die zweistufigen, sehr aufwendigen Auswahlverfahren mittelfristig auf sämtliche Bereiche ausdehnen, in mehr als 60 Studienfächern wählen wir bereits alle Studenten sorgfältig aus", sagte Herrmann. "Damit sind wir bundesweit Vorreiter." Der Elite-Uni-Titel habe den Zusammenhalt aller Mitarbeiter, vom Pförtner bis zum Professor, extrem gestärkt. "Das Bewusstsein ist gewachsen, dass sich alle anstrengen müssen."

Die beiden Uni-Chefs forderten, den Exzellenz-Wettbewerb beizubehalten. "Bund und Länder müssen den Wettbewerb gemeinsam fortsetzen", betonte Huber. "Sonst würden sie dem Standort Deutschland international sehr schaden." Da die Finanzierung der Exzellenz-Projekte nur für fünf Jahre gelte, müsse die Ausschreibung innerhalb dieser Frist wiederholt werden.

Dazu bekennt sich jetzt auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). "Ich werde mich für eine Verstetigung der Exzellenzinitiative einsetzen", sagte sie der Zeitung "Die Welt". Spätestens 2009 solle es eine neue Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern geben. Zuvor müssten Erfahrungen aus den ersten beiden Runden ausgewertet werden. Auch bleibe der Vorschlag des Wissenschaftsrates, eine "Bundesliga der Spitzenhochschulen einzuführen", im Spiel.

Bei der dritten Elite-Uni, der Fridericiana-Universität Karlsruhe, soll zum Jahresende der Gründungsvertrag für das "Karlsruher Institut für Technologie" (KIT) unterzeichnet werden, das die Uni gemeinsam mit dem Forschungszentrum Karlsruhe aufgebaut hat. Das KIT war das zentrale Element des Zukunftskonzepts der Karlsruher Uni, das den Ausschlag für die Auswahl der Hochschule zur Elite-Uni gab. Zum 31. Dezember soll der Gründungsvertrag unterzeichnet werden, am 1. Januar soll das KIT dann seine Arbeit aufnehmen.

Von Michael Pohl, AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Studium

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...






TOP



TOP