Von Jochen Leffers
Uni Konstanz: Setzte sich überraschend klar durch
Gemeinsam haben die Vertreter der Wissenschaft heute mit den Wissenschaftsministern der Länder in Bonn getagt, um festzulegen, welche der acht Finalisten als "Spitzenuniversitäten" Millionen für die Forschung abräumen können. Das Ergebnis:
Damit werden mehr Hochschulen in den Kreis der Elite-Unis aufgenommen, als es Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsmeinschaft am Donnerstag den Bildungspolitikern nach ihren gemeinsamen Beratungen nahegelegt hatten.
Die Entscheidung ist auch von hoher regionalpolitischer Bedeutung. Ohne Göttingen gäbe es keine einzige Elite-Uni in Norddeutschland. Die Dominanz der süddeutschen Hochschulen ist ohnedies beachtlich: 2006 hatten bereits die LMU und TU München gewonnen, außerdem mit der TU Karlsruhe eine Universität aus Baden-Württemberg.
Aus dem Südwesten kommen jetzt gleich drei weitere Hochschulen hinzu. Aus Berlin, das bei der ersten Runde im vergangenen Jahr auf der Strecke blieb, schafft es diesmal mit der FU Berlin immerhin eine der drei großen Unis.
Komplizierte Entscheidungswege
Das Prozedere: Internationale Gutachterteams haben in den letzten Monaten alle eingereichten Konzepte der deutschen Hochschulen für die drei Förderlinien geprüft. Am Dienstag und Mittwoch beriet der Wissenschaftsrat über die Anträge für die Förderung als gesamte Hochschule - die "Elite-Universitäten". Derweil debattierte die DFG über die besten Exzellenzcluster und Graduiertenschulen. In der gemeinsamen Kommission beider Einrichtungen wurden die Ergebnisse am Donnerstag zusammengetragen, zunächst noch ohne Beteiligung der Politik.
Um 16.30 Uhr, eine Stunde später als geplant, beendeten die Wissenschaftler am Donnerstag ihre Beratungen und präsentierten anschließend im Restaurant "Bonner Hof" den Wissenschaftsministern der Länder die Ergebnisse ihrer Arbeit. Dabei lobten die Vorsitzenden des Wissenschaftsrates und der DFG die hohe Qualität der universitären Konzepte. Um das zu verdeutlichen, sprachen sie neben den klareren Entscheidungen in der roten und grünen Gruppe auch von "hellgrünen" Anträgen - die Farbenlehre der Gremien sieht eigentlich grüne, gelbe und rote Markierungen vor.
Elite-Siegel auch für internationales Marketing wichtig
Aus der ersten Runde der Exzellenzinitiative waren 2006 die TU München, die LMU München sowie die TU Karlsruhe als Sieger hervorgegangen. Sie werden jetzt fünf Jahre lang mit jeweils 21 Millionen Euro für die Forschung gefördert. Im Januar dieses Jahren setzen sich dann acht Universitäten als Finalisten der zweiten Runde durch.
Das begehrte Elite-Siegel ist für die Hochschulen nicht nur finanziell wichtig, sondern auch von hoher Bedeutung für die nationale wie internationale Reputation. Denn im Ausland werden die deutschen Bemühungen um mehr Spitzenforschung ebenfalls genau beobachtet. Selbst mittlere Universitäten etwa in den USA verfügen allerdings über weit höhere Forschungsbudgets als die besten deutschen Hochschulen - auch die Förderung aus dem Elite-Wettbewerb katapultiert sie nicht gleich in die Königsklasse.
Insgesamt stehen für die Exzellenzinitiative 1,9 Milliarden Euro bereit. Den Hauptanteil, 75 Prozent, trägt der Bund, das übrige Viertel steuern die Länder bei. In langen, zähen Debatten vor dem Start des Wettbewerbes hatten sie durchgesetzt, dass nicht nur wenige Leuchttürme entstehen: Durch die Förderung der "Exzellenzcluster", also gemeinsamer Projekte mehrerer Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, sowie der Graduiertenschulen haben viele Universitäten die Chance, von den Geldern zu profitieren. Erfolg in diesen beiden Förderlinien war auch die Voraussetzung dafür, mit einem überzeugenden Zukunftskonzept als Spitzenhochschule zu brillieren.
Seid umschlungen, Millionen
Insgesamt maximal zehn Universitäten hätten in beiden Runden das Elite-Etikett bekommen können. Nun sind es nur nur neun, doch die eingeplanten 21 Millionen Euro jährlich sollen nicht etwa an den Staat zurückfallen, sondern im Bereich der Graduiertenschulen und Exzellenzcluster ausgegeben werden.
2006 gab es erhebliche Auseinandersetzungen:
Bei der aktuellen Vergaberunde scheinen die Gremien sichtlich bemüht, die Konflikte zu entschärfen. Zum einen rücken jetzt Göttingen und die FU Berlin in die Spitzengruppe auf. Zum anderen zeichnet sich auch bei den anderen Förderlinien ab, dass nord- und ostdeutsche Hochschulen diesmal stärker an den Mitteln für Exzellenzcluster und Graduiertenschulen teilhaben.
Auf anderen Social Networks posten:
Wir haben ja genügend Erfahrung mit den Medizinern. Der numerus clausus sollte die Gewinnerwartung (oder den Output an ausgebildeten Medizinern)regeln. Man studierte nicht wegen seiner Neigung und Befähigung sondern der [...] mehr...
Wie schon gesagt, die deutsche Bildung ist verloren. Mehr Beweis brauche ich nicht. mehr...
man warum so kompliziert? Einfach das Abi noch einfacher machen wie es so schon ist dann klappts auch mit dem NC..... mehr...
Sehr richtig. Dazu kommt, dass die angeblichen 'Eliten' nach (dem völlig unsinnigen) Numerus Clausus zugelassen werden, und so nicht etwa die Besten, sondern die, die sich das beste Abitur kaufen oder erschleimen können, in den [...] mehr...
Kann es sein, dass Sie das Wort "akademisch" nicht verstehen? Wenn Sie lernen wollen, wie man einen Computer programmiert (wenn es das ist, was sie unter "eigentliche Inhalte" verstehen), müssen Sie an die [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Studium | RSS |
| alles zum Thema Exzellenzinitiative | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH