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19.10.2007
 

Exzellenz-Reaktionen

"Ich kann ja nicht unterzuckert feiern"

Von Jochen Schönmann, Jonas Leppin, Marie Preuss und Frank van Bebber

An der Uni Göttingen trugen Studenten selbstgedruckte T-Shirts mit der Aufschrift "Spitze". In Konstanz ging der Rektor erstmal Mittag essen. In Heidelberg hopste und in Berlin trank man - wie vier Unis auf die Verleihung des Elite-Siegels reagierten.

Aufatmen an den sechs Siegerunis: Die Bibber-Jahre sind vorbei
DPA

Aufatmen an den sechs Siegerunis: Die Bibber-Jahre sind vorbei

Vielleicht haben die deutschen Wissenschaftler wirklich ihr Gefühl für die Elite verloren. Bei der Umfrage eines Professorenverbandes tippten nur 15 Prozent der Befragten auf die Universität Konstanz als Favorit für den Elite-Titel - letzter Platz unter acht Bewerbern. Doch heute stand der Konstanzer Rektor Gerhart von Graevenitz, 63, neben seiner Sekretärin im Büro, hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Telefon und grinste.

Konstanz ist Elite-Uni. Die kleinste Hochschule im Wettbewerb, 174 Professoren und knapp 10.000 Studenten, gehört zu den großen Siegern. Außer ihr gewannen die Unis Freiburg, Göttingen, Heidelberg, die RWTH Aachen und die FU Berlin. Nach vielen Wochen des Bibberns und Bangens konnten sie endlich aufatmen. Die Reaktionen auf das Elite-Siegel fielen ganz unterschiedlich aus.

Der Konstanzer Uni-Rektor ging erstmal mit seinen Mitarbeitern essen. Er hatte die gute Nachricht eineinhalb Stunden eher bekommen als geplant und sagte: "Ich kann ja nicht unterzuckert in das Ganze gehen." Dann, zur ursprünglich avisierten Zeit um 14 Uhr, strömten 250 Professoren, Mitarbeiter und Studenten in den Senatssaal. "Wir gehören zu den besten Universitäten in Deutschland", sagte Graevenitz. Der Rest ging im Jubel unter.

An der FU Berlin war der wichtigste Mann ahnungslos

20 Minuten vor dem offiziellen Termin zur Verkündigung der Gewinner trat Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität, ans Mikrofon. Er sagte Sätze wie: "Nun beginnt die Phase des Feierns. Dies ist nur der Anfang. Nächste Woche wird es weiter gehen." Oder: "Das ist einzigartig! Ein neuer Schritt in der Geschichte der Universität, die in den zurückliegenden Jahrzehnten immer als zweitrangig betrachtet worden ist." Manches blieb schwer verständlich: "Der erste Anruf kam aus Helsinki. Sie wollen, dass wir sofort kommen und erklären, was wir hier machen."

Dann klirrten immer wieder die Sektgläser, Stimmengewirr erfüllte das Präsidialamt der Freien Universität Berlin. Die Erfahrungen der letzten Stunden wurden ausgetauscht: "Seit wann wissen Sie es denn?" "Ich glaube es erst, wenn ich es Schwarz auf Weiß sehe." Die Schnittchen auf dem schweren Eichentisch in der Mitte des verspiegelten Saales rührte kaum einer an.

Irgendwann betrat ein Herr mit abstehenden Haaren und lila Schal den Saal. Er schien verblüfft ob der guten Stimmung, reckte aber nach einigen Sekunden die Faust in die Luft und rief: "Ich wusste es nicht!" es war Winfrid Menninghaus, Verantwortlicher des prämierten Exzellenzclusters "Languages of Emotion".

Der Heidelberger Rektor und sein "gut informierter Freund"

Kurz vor 13 Uhr sitzt Anne Jostkleigrewe, Referentin des Heidelberger Rektors Bernhard Eitel, am PC und wartete darauf, dass ihr Posteingang Alarm schlägt.

Stattdessen klingelt das Telefon. Am Apparat: ihr Chef. Plötzlich beginnt sie zu zappeln. "Was?", brüllt sie, "was? Alles, wirklich alles? Wahnsinn!" Für einen kurzen Moment ist es vorbei mit der Haltung. Jostkleigrewe hopst mit dem Hörer in der Hand durch das Büro wie eine Vierjährige beim Seilspringen.

Uni-Rektor Bernhard Eitel war von einem "gut informierten Freund" im Auto angerufen worden - und konnte die frohe Botschaft nun der Referentin überbringen: Heidelberg ist Elite-Uni. Eine knappe Stunde später sitzt er zufrieden grinsend in seinem Büro.

In Göttingen trugen die Studenten "Spitze"-Hemden

In Göttingen wurden eine knappe Stunde vor der offiziellen Bekanntgabe Sieger-Shirts gedruckt. Andreas Sorge hatte sich die Aktion zusammen mit einigen Kommilitoninnen für "den Fall der Fälle" ausgedacht. Bis zuletzt hatte der 25-jährige Physikstudent damit gewartet, aber plötzlich ging alles sehr schnell.

Göttinger Studenten: Vorsorglich T-Shirts gedruckt
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Jonas Leppin

Göttinger Studenten: Vorsorglich T-Shirts gedruckt

In der Pressestelle am Wihelmsplatz versammelten sich die Mitarbeiter der Göttinger Universität um die Computerbildschirme, als die ersten Informationen zur Exzellenzinitiative durchsickerten. Um kurz nach 13 Uhr schallte dann ein markerschütternder Jubel durch die erwürdigen Räume der ältesten Universität Niedersachsens. Man war dabei, endlich Elite. Schnell wurden am Wihelmsplatz bunte Luftballons hervorgezaubert und Prosecco-Flaschen geöffnet.

Der Präsident der Georg-August Universität saß im Zug aus Hannover, als ihn die glückliche Nachricht erreichte. "Vor allem spüre ich eine große Erleichterung. Die letzten zwölf Stunden bin ich durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen", sagte Kurt von Figura, "ich kann mich daher gut in diejenigen hineinversetzen, die es jetzt nicht geschafft haben und bin daher nicht überschäumend."

Andreas Sorge zählt jetzt zu den Lieblingsstudenten der Mitarbeiter in der Göttinger Uni-Pressestelle. An so etwas wie T-Shirts dachte dort niemand. Der Aufdruck auf den Hemden ist nur ein einziges Wort: "Spitze".

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