Von Katrin Schmiedekampf
Es ist, als würden drei hervorragende Spieler über ein Fußballfeld rennen. Sie spielen zwar für die gleiche Mannschaft. Doch die Idee, sich zusammenzutun - die gefällt den Dreien überhaupt nicht. Jeder für sich möchte Tore schießen und bejubelt werden. Dabei wären sie gemeinsam viel stärker.
Natürlich sind die drei großen Berliner Hochschulen - die Freie Universität (FU), die Humboldt-Universität (HU) und die Technische Universität (TU) - keine egoistischen Fußballspieler. Aber sie benehmen sich ein wenig so. Alle drei reagieren äußerst verhalten auf die Pläne des Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner (SPD), eine Super-Universität zu gründen.
Eine Idee, die Zöllner zum ersten Mal im Sommer äußerte. Zuvor war lange Zeit unklar gewesen, ob sich die verschuldete Hauptstadt auf Dauer überhaupt drei Unis leisten kann oder es zu einer Zwangsvereinigung unter dem gemeinsamen Dach einer University of Berlin kommen soll.
Dieser Plan ist inzwischen vom Tisch. Stattdessen soll nun möglicherweise eine vierte Uni entstehen - jedenfalls wünscht sich das der Wissenschaftssenator. Zöllner nennt sie aber vorsichtig "Institution". "International Forum of Advanced Studies in Berlin" oder aber "International Free Humboldt Forum" könnte sie eines Tages heißen.
"Wir stehen diesem Vorhaben nicht positiv gegenüber"
Der Plan: In der "Super-Uni" sollen exzellente Bereiche der drei großen Universitäten sowie außeruniversitäre Einrichtungen - wie etwa die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Institute und die Fraunhofer-Gesellschaft - zusammengeführt werden. Man hofft, so herausragende Wissenschaftler aus aller Welt anlocken zu können. 500 Studenten sollen Plätze bekommen, zum Promovieren, aber auch zum Studieren.
"Das Wissenschaftssystem in Deutschland wird nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, auf der einen Seite die Säulen zu erhalten, sie aber im Bereich der absoluten Spitzenforschung institutionell durchlässig zu machen", sagte Zöllner in einem Interview mit dem Deutschlandradio. Einen Qualitätssprung nach vorne machen, die gute Stimmung der Exzellenzinitiative nutzen - das möchte Zöllner.
Darum lud er die Präsidenten der Berliner Unis kurz nach der Elite-Uni-Entscheidung in sein Büro ein. Er sprach über seine Pläne, die er bereits am Montag geäußert hatte - und erntete Kritik.
Niederschmetternde Kritik vom FU-Präsidenten
"Wir stehen diesem Vorhaben nicht positiv gegenüber", sagte Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität (TU). Es bestehe ein "Dissens mit dem Senator, da die institutionelle Form dieser Einrichtung die drei großen Universitäten schwächen würde".
Niederschmetternd war auch die Kritik, die Dieter Lenzen, Präsident der neuen Elite-Uni FU Berlin, im Berliner "Tagesspiegel" hervorbrachte: "Berlin braucht keine Super-Uni. Berlin hat drei Super-Unis. Und unter diesen dreien hat eine, die FU, im Augenblick besonders strategische Bedeutung und Möglichkeiten. Die Unis wollen ihre Allianz auch mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in allen Feldern verstärken, um die Erfolge weiter auszubauen. An einer zusätzlichen Universität werden wir uns aber auf keinen Fall beteiligen."
Nur die HU wetterte nicht so stark gegen die Super-Uni-Pläne. "Es ist eine große Herausforderung, die Herr Zöllner da auf den Weg gebracht hat", sagte die Pressesprecherin Christine Schniedermann. Uni-Präsident Christoph Markschies sei durchaus gesprächsbereit. Es gebe nur einige Streitpunkte. "Und es muss klar sein, dass die bestehenden Unis nicht beschädigt werden dürfen."
In einer Pressemitteilung spricht Zöllner dennoch von einem "konstruktiven Gespräch", das mit den Präsidenten geführt worden sei. "Wir sind uns in dem Ziel einig, dass wir einen gemeinsamen Weg zur Förderung der Spitzenforschung in Berlin brauchen und dazu neue Möglichkeiten erschließen müssen." In Arbeitsgruppen werde nun an dem Konzept gefeilt. Denn so schnell möchte Zöllner den Plan, dass die drei Unis zusammenarbeiten, noch nicht aufgeben. Zusammen wären sie schließlich viel stärker.
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