Am Donnerstag soll Benedikt XVI. an der römischen Universität "La Sapienza" bei einer feierlichen Zeremonie das neue akademische Jahr eröffnen. Dazu hat ihn Uni-Rektor Renato Guarini eingeladen. Doch Studenten und Dozenten protestieren gegen die Veranstaltung. Besonders in den naturwissenschaftlichen Fakultäten regt man sich auf.
67 Professoren haben einen Brief an den Uni-Rektor unterzeichnet, in dem sie fordern, dass der Papst wieder ausgeladen wird. Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen auch der Physiker Andrea Frova, der über Galileo Galilei und die Kirche ein Buch verfasst hat, und Luciano Maiani, Präsident des Nationalen Forschungsrates.
Sie berufen sich auf eine Äußerung Joseph Ratzingers aus dem Jahr 1990, die sie für wissenschaftsfeindlich halten. Auf einer Veranstaltung in der Nähe von Parma habe er den Prozess gegen Galileo Galilei als "gerecht" und "vernünftig" bezeichnet; 1632 hatte die Kirche gegen den berühmten Forscher nach seinen astronomischen Entdeckungen ein Inquisitionsverfahren eröffnet. Die Professoren fordern im Namen der "Dozenten und Studenten", die Veranstaltung abzusagen.
Der Papst sei ein "Bote des Friedens", hält Uni-Rektor Renato Guarini dagegen. Gleichwohl respektiere er "Meinungen jeder Coleur", sagte er der italienischen Tageszeitung "Corriere della sera" zufolge.
No pope, no hope
In der Uni wurden inzwischen Protestplakate aufgehängt. "Wissenschaft ist nicht kirchlich", steht auf einem Banner vor dem Geologie-Gebäude, "Kein Papst" auf einem anderen. Am Institut für Physik haben Studenten gerade die "Antiklerikale Woche" ausgerufen. Sie versammeln sich vor dem alten Institutsgebäude und veranstalten eine Art Abendmahl-Picknick mit Brot und Wein.
Andere Studenten planen, den Aufenthalt des Papstes mit laut aufgedrehter Dance-Musik zu stören, berichtet die Nachrichten-Seite Südtirol Online. Auch aus anderen italienischen Städten würden Studenten anreisen, um als Priester und Klosterfrauen verkleidet gegen den Papst zu demonstrieren. Ihrer Ansicht nach muss die Uni vom Vatikan unabhängig bleiben. Neben Benedikt XVI. sollen bei der Veranstaltung am Donnerstag auch der römische Bürgermeister und Italiens Hochschulminister sprechen.
Keineswegs alle Studenten rebellieren gegen den Papstbesuch - einige bereiten sich zum Beispiel gerade mit einer Gebetswache in der Kapelle der Uni darauf vor. Der papstfreundliche Sender "Radio Vatikan" sprach von einem Unterton der Zensur und wies darauf hin, die Hochschule sei 1303 von Papst Bonifatius VIII. gegründet worden.
kat/lw/AP
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