Der Rektor der römischen Uni "La Sapienza" hatte ihn eingeladen. Doch der Papst wird nicht kommen. Nach Protesten von Professoren und Studenten hat Benedikt XVI. seinen Besuch abgesagt. Anstelle der geplanten Rede in der Uni werde Benedikt lediglich den Text seiner Ansprache zur Eröffnung des 705. akademischen Jahres an die Hochschule schicken, teilte der Vatikan am Dienstag mit.
Es kommt nur selten vor, dass der Papst einen geplanten Termin absagt. Das geschah bisher nur dann, wenn der Vatikan Sicherheitsbedenken geäußert hat. Aber an der größten Uni Roms schien Benedikt nicht recht willkommen.
67 der insgesamt rund 4500 Dozenten schrieben einen Brief an den Uni-Rektor, in dem sie forderten, dass der Papst wieder ausgeladen wird. Zu den Unterzeichnern des Briefes zählten auch der Physiker Andrea Frova, der ein Buch über Galileo Galilei und die Kirche verfasst hat, und Luciano Maiani, Präsident des Nationalen Forschungsrates.
Sie beriefen sich auf eine Äußerung Joseph Ratzingers aus dem Jahr 1990, die sie für wissenschaftsfeindlich halten. Auf einer Veranstaltung in der Nähe von Parma habe er den Prozess gegen Galileo Galilei als "gerecht" und "vernünftig" bezeichnet; 1632 hatte die Kirche gegen den berühmten Forscher nach seinen astronomischen Entdeckungen ein Inquisitionsverfahren eröffnet. Die Professoren forderten im Namen der "Dozenten und Studenten", die Veranstaltung abzusagen.
No pope, no hope
Joseph Ratzinger habe 1990 in einer Rede in Parma nur die Ansicht des österreichischen Philosophen Paul Feyerabend wiedergegeben, ohne zuzustimmen, hieß es dazu aus dem Vatikan.
Doch einige italienischen Studenten in Rom demonstrierten mit einem Sitzstreik gegen den geplanten Besuch. Sie besetzten das Büro des Uni-Rektors und forderten, am Donnerstag auf dem Universitätsgelände demonstrieren zu dürfen. "Der Papst nimmt La Sapienza zur Geisel. Befreit die Denker", hieß es auf einem Spruchband.
Andere Studenten planten, den Aufenthalt des Papstes mit laut aufgedrehter Tanzmusik zu stören, berichtet die Nachrichten-Seite Südtirol Online. Auch aus anderen italienischen Städten würden Studenten anreisen, um als Priester und Klosterfrauen verkleidet gegen den Papst zu demonstrieren.
Das alles scheint dazu geführt zu haben, dass der Heilige Vater lieber doch nicht in der Uni sprechen möchte.
kat/lw/AP/dpa/reuters
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