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22.01.2008
 

Fund an der Uni Kassel

Bauarbeiter graben Skelette aus

Bei Bauarbeiten an der Uni Kassel sind menschliche Skelette ausgegraben worden. Was mit ihnen passiert und wie es mit dem Bau weitergeht, ist noch völlig unklar. Den Uni-Betrieb stören die Funde nicht weiter - die Studenten nehmen es gelassen.

Auf mehrere tausend Quadratmeter erstreckt sich der neue Erweiterungsbau der Uni Kassel. Die Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaftler bekommen neue Institute. Doch im Moment stockt das Bauvorhaben: Bei Erdarbeiten machten die Arbeiter gestern eine überraschende Entdeckung. Zwanzig menschliche Skelette wurden in der Baugrube gefunden. Ob sich dort noch mehr Gebeine verbergen, ist unklar. Doch einiges spricht dafür: Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Bauarbeiter die Knochen von fünf Menschen gefunden.

Die Universitätsleitung hat die Polizei eingeschaltet, wie es bei ungeklärten Todesfällen üblich ist. Die Skelette wurden an die Gerichtsmedizin übergeben. "Hier will man ermitteln, wie lange die Leichen überhaupt unter der Erde gelagert haben", sagte Uni-Sprecher Jens Brömer SPIEGEL ONLINE. Die Experten gehen davon aus, dass es sich um Kriegsopfer handelt, die zwischen 50 und 100 Jahre alt sind und bei Bombenangriffen ums Leben kamen.

Die Bauarbeiten auf dem Gelände zwischen der Innen- und Nordstadt wurden nach den Funden am Montag ausgesetzt. "Wir müssen klären, ob noch mehr Skelette im Bereich der Baustelle liegen", sagte Brömer - und warum sie überhaupt an dieser Stelle gefunden wurden. Bislang ist die Geschichte des Geländes eher unspektakulär: Bis vor kurzem stand dort ein Autohaus.

Die Studenten der Uni Kassel reagieren auf die Entdeckungen gelassen. "Sie bekommen eigentlich nicht viel davon mit", sagte der Uni-Sprecher. Viele bereiten sich zurzeit auf mündliche Prüfungen und Klausuren vor, die zum Semesterende anstehen. Außerdem stehen neue Wahlen zum Studierendenparlament an - Zeit für Gerippe bleibt da kaum.

Wann die Bauarbeiten weitergehen, ist noch unklar: "Wir müssen abwarten, was die Ergebnisse der Gerichtsmedizin ergeben", sagte Jens Brömer - und welche Geschichte sich eigentlich auf dem Gelände versteckt.

mer/AP

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