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Elite-Buch-Auszüge Schneller laufen als die langsamste Antilope

3. Teil: "Die Leute werden mit einem Arschtritt rausgeschmissen"

(Treffen mit einem jungen iranischen Studenten an der Business-Hochschule WHU)

Der Begriff "Elite", sagt Aadish, werde immer dann gebraucht, wenn es gelte, gesellschaftliche Macht zu legitimieren. Im Iran seien die Mullahs, die religiösen Führer, Elite. In Europa waren es erst die Adligen, die glaubten, etwas Besonderes im Blut zu haben. Und heute sage man, Bildung oder Leistung seien entscheidend. "Aber sind das klare Kriterien? Ich persönlich denke, dass 'Elite' ein euphemistisches Wort für Macht ist. Wer in der Elite ist, der hat die Macht und legitimiert die Macht dadurch, dass er Elite ist. Man sagt ja immer, Elite sei notwendig für eine Gesellschaft, damit sie sich weiterentwickelt. Was man nicht sagen will, ist: Es gibt Schichten, die haben die Macht, die machen die Elite aus, und die wollen die Macht behalten."

Ich bin überrascht. Aadish ist kein Parteigänger, kein Klassenkämpfer. Seine Sätze wirken nicht aufgesagt, heruntergebetet wie so oft bei Linken. Sie laufen etwas unrund, wegen seines Akzents. Inhaltlich ist er aber so fit, als habe er ein Hauptseminar zu dem Thema belegt. Er mache sich schon länger Gedanken über Elite, sagt Aadish. Als ich ihn um das Interview gebeten hätte, habe er einfach noch einmal gründlich über den Begriff nachgedacht.

"Und was ist 'Elite' für dich", will ich wissen.

"Elite sind für mich Leute, die außergewöhnliche Ideen haben, die über die Grenzen hinausdenken und nicht in irgendwelche vordefinierten Fußstapfen treten. Wenn es wirklich so etwas geben würde, dass man sich abhebt von der Masse, dass man nicht nachahmt, was einem vorgegeben wird, dann könnte ich mir vorstellen, dass man so etwas wie eine Aristokratie bildet. Aber so eine Aristokratie im wirklich wahren Sinne. Dass diese Elite das, was sie macht, wirklich für das Allgemeinwohl macht und nicht für ihre eigenen persönlichen Ziele."

(...) Schließlich muss er in eine Vorlesung. Eine der ganz harten, wie er sagt. Sie lernen Arbeitsrecht, erfahren, wie man Mitarbeiter am besten "freisetzen" kann. Einen Sozialplan, der auf familiäre Verhältnisse Rücksicht nimmt, halten viele seiner Kommilitonen für Quatsch. "Die sagen: Man muss die besten, die Fleißigsten behalten und die andere rausschmeißen." Aber wahrscheinlich, sagt Aadish dann leise, gäbe es diese Gesetze später, wenn alle arbeiten würden, sowieso gar nicht mehr. "Und die Leute werden einfach mit einem Arschtritt rausgeschmissen."

(...) Jetzt bleiben Aadish nur die Wut und der Frust und der Wunsch, es trotzdem irgendwie durchzuziehen. "Für viele Leute hier", sagt er zum Schluss, "besteht das Eliteverständnis darin, dass sie das Gefühl von Elite haben. dass sie denken, sie sind etwas Gutes, und daraus folgt auch eine gewisse Arroganz und Selbstgerechtigkeit. Aber das ist verkehrt. Wir machen doch nichts Besonderes hier. das, was wir hier machen, machen Millionen von anderen Menschen an anderen Hochschulen auch."

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