Von Frank van Bebber
Ende vergangener Woche freute sich die Universität Karlsruhe noch bescheiden über eine Stiftungsprofessur für Tiefbohrtechnik im Wert von 2,4 Millionen Euro. Drei Tage später wirkt das wie Peanuts. Einer der reichsten und spendabelsten Männer der Republik öffnet für die Karlsruher Hochschule seinen Geldbeutel: Hans-Werner Hector, 68, und seine Ehefrau Josefine stiften 200 Millionen Euro.
Heute Vormittag, Unterzeichnung der Urkunde im Uni-Festsaal: Der 200-Millionen-Mann kommt im dunklen Dreiteiler, hat eine Lesebrille um den Hals baumeln - und ein braunes Lederköfferchen in der Hand. "Da sind die Millionen drin", feixen die Gäste. Vor einer bescheidenen Plakatwand leistet Hector die wohl teuerste Unterschrift in der Geschichte der 1825 gegründeten Universität. "Herausragend qualifizierte Hochschullehrer konnten im bisherigen Rahmen oftmals keine angemessene Besoldung bekommen, eine Eliteuniversität braucht auserlesene Hochschullehrer", sagt er. Auch Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ist herbeigeeilt. Schließlich ist der Betrag höher als jene 180 Millionen, die das Land der Uni jährlich überweist.
Der diplomierte Mathematiker Hector hatte 1972 mit einigen Kollegen die Software-Schmiede SAP gegründet. Der Aufstieg des Unternehmens zu einem weltweit führenden Anbieter betrieblicher Software machte die Männer schwerreich. Nach seinem Ausstieg bei SAP Mitte der neunziger Jahre verkaufte Hector seine Aktien. Der Forbes-Hitliste 2008 zufolge ist er mit einem Vermögen von zwei Milliarden Dollar auf Platz 505 der Superreichen in aller Welt. In Deutschland reichte es für Platz 40 der Reichen-Charts. Der an der Bergstraße lebende Hector gilt inzwischen als einer der großzügigsten Stifter des Landes.
Deutsche Hochschulen nur selten im Glück
Nun haben sich er und seine Frau noch einmal selbst übertroffen. Beträge in dieser Höhe flossen für deutsche Universitäten bislang nur Ende 2006 für die Jacobs-University in Bremen sowie über den Zeitraum von rund 20 Jahren in das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam. Auch Plattner (Platz 189 in der weltweiten Forbes-Liste) ist einer der SAP-Gründer.
Sonst gelten an deutschen Hochschulen bereits kleine, zweistellige Millionenbeträge als seltenes Glück: Letztes Jahr freute sich die TU Hamburg-Harburg über 30 Millionen Euro für ein Logistik-Institut, gestiftet vom Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne. Die Universität Düsseldorf erhielt 24 Millionen Euro von der Unternehmerfamilie Schwarz-Schütte. Der Goethe-Universität in Frankfurt flossen 33 Millionen Euro aus dem Erbe des Bankierehepaares Alfons und Gertrud Kassel zu. Die Anfang des Jahres zur Stiftungsuniversität verwandelte Goethe-Uni verfügt insgesamt über ein Startkapital von 85 Millionen Euro. Eine stolze Summe, aber nicht einmal die Hälfte der Karlsruher Superstiftung.
Mit den Millionen aus dem neuen Hector-Wissenschaftsfonds wird der Karlsruher Rektor Horst Hippler demnächst auf Einkaufstour gehen. Das Geld soll helfen, die besten Forscher und Lehrer anzuwerben oder zu halten. 2006 hatte die Universität Karlsruhe den Elite-Titel erhalten. Ihr ehrgeiziges Projekt: Sie verschmilzt mit dem bundeseigenen Forschungszentrum Karlsruhe zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). 96 Millionen Euro fließen aus dem Elite-Topf. Doch Hippler klagt, beim Werben um die Top-Forscher ernte er mit der deutschen Besoldungsordnung oft nur ein müdes Lächeln.
Ab heute hat der Rektor bessere Chancen, beim Gehaltspoker mit Rnommier-Unis wie dem amerikanischen MIT oder der Schweizer ETH Zürich als letzter zu lachen. Rund fünf Millionen Euro extra will die Universität jedes Jahr aus der 200-Millionen-Euro-Stiftung erlösen. Über die Vergabe entscheidet ein Kuratorium mit Vertretern aus Wirtschaft und Universität.
"Schallende Ohrfeige für die Finanzminister"
Volle Kraft wird das entfalten, wenn Baden-Württemberg wie geplant einen neuen Kombi-Lohn für Professoren einführt. Erstmals sollen dann staatliche Lohntüten der Forscher mit privatem Geld aufgefüllt werden dürfen. Die Regelung trete vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung im Frühjahr 2009 in Kraft, bestätigte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Bislang können Spender und Stifter zwar Ausstattung und Mitarbeiterstellen fördern, aber nicht den vom Land gedeckelten Gehaltstopf einer Hochschule speisen.
Für den Deutschen Hochschulverband (DHV), der 23.000 Professoren und Nachwuchsforscher vertritt, ist der Kombi-Lohn vorbildlich. "Es zeugt von der Kreativität der Wissenschaftsminister und ist zugleich eine schallende Ohrfeige für die Finanzminister, die es versäumt haben, eine amtsangemessene Besoldung zu gewährleisten", sagt DHV-Sprecher Matthias Jaroch. Wichtig sei nur, dass auch nicht marktgängige Fächer Geld erhielten.
Die Sorge, die neuen Möglichkeiten könnten die Kluft zwischen armen und reichen Hochschulen und Bundesländern vergrößern, sieht man in Baden-Württemberg gelassen. "Dass sich die angestrebte Regelung bei den einzelnen Hochschulen unterschiedlich auswirken kann, liegt in der Natur der Sache und des Wettbewerbs", so eine Ministeriumssprecherin.
Die Universität Karlsruhe, bald verschmolzen zum KIT, zeigte bei der Stiftungsfeier schon, wie selbstbewusst sie ab sofort in diesen Wettbewerb zieht. Rektor Hippler ließ eine Hymne spielen - nicht die deutsche, nicht das Badener-Lied. Es war eine Uraufführung: Die Karlsruher haben sich ihre eigene KIT-Hymne komponieren lassen. Sie können sich das jetzt leisten.
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