Zum kommenden Wintersemester soll das Studium an hessischen Hochschulen wieder komplett beitragsfrei werden. Das fordern SPD und Grüne und kündigten am Mittwoch in Wiesbaden an, am 5. April eine Gesetzesinitiative in den Landtag einzubringen. Seine erste Lesung könnte der Entwurf bereits bei der Parlamentssitzung am 9. April absolvieren.
Campusmaut-Gegnerinnen (in Gießen): SPD und Grüne machen Druck
Die im SPD-Wahlprogramm versprochene Rückerstattung bereits gezahlter Gebühren ist allerdings nicht Teil der Initiative. So etwas lasse sich aus haushaltstechnischen Gründen nur in der Regierung durchsetzen, sagte der Abgeordnete Gernot Grumbach.
Die Abschaffung der Studiengebühren war Teil der Wahlprogramme von SPD, Grünen und Linkspartei. Zusammen haben sie eine Mehrheit von 57 gegen 53 Stimmen im neuen Wiesbadener Landtag. SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hatte jedoch ihren Plan einer von den Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung aufgeben müssen, weil ihr die SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger wegen der Zusammenarbeit mit den Linken bei der Wahl zur Ministerpräsidentin die Stimmen verweigern wollte. Daher wird voraussichtlich Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vorerst geschäftsführend im Amt bleiben. Koch hatte gemeinsam mit dem scheidenden Wissenschaftsminister Udo Corts ( der mit dem Fanclub) die Einführung der Campusmaut trotz wütender Studentenproteste vorangetrieben.
"Unsere Hochschulen würden überlaufen"
Die Hochschulen sollen die ihnen entgehenden Einnahmen künftig aus dem Landeshaushalt erhalten. In diesem Jahr seien dafür 33 Millionen Euro aufzubringen, sagte die Grünen-Abgeordnete Sarah Sorge. Das Geld wollen SPD und Grüne an verschiedenen Stellen im Landesetat einsparen. So wollen sie die nach ihrer Einschätzung zu hoch kalkulierten Zinszahlungen des Landes um 12,5 Millionen Euro kürzen, um denselben Betrag die Sachausgaben der Verwaltung; fünf Millionen Euro soll das Budget der Verwaltungsreform beisteuern. Die künftig nur noch geschäftsführende Landesregierung werde nicht mehr so viel Geld für Repräsentation und Öffentlichkeitsarbeit brauchen, sagte Sorge.
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Das Finanzministerium sagte Unterstützung zu, äußerte zugleich aber ernste Zweifel an der Umsetzbarkeit der Vorschläge. Es bestehe erheblicher Nachfragebedarf zu den einzelnen Vorschlägen für eine Gegenfinanzierung.
Auf ein verheerendes Echo trafen die Vorschläge bei CDU und FDP. "Unsere Hochschulen würden nach der Rücknahme der Beiträge überlaufen", sagte Axel Wintermeyer, Fraktionsgeschäftsführer der Union. Die CDU warf den Sozialdemokraten vor, nach dem Scheitern einer Minderheitsregierung erneut nach den Stimmen der Linken zu schielen.
Studiengebühren politisch wie rechtlich umstritten
In Hessen ist die Situation nicht nur politisch, sondern auch rechtlich besonders verzwickt: Anders als in allen anderen Bundesländern ist der Verzicht auf Gebühren für Studenten und Schüler in der Landesverfassung vorgesehen - jedenfalls nach Interpretation von SPD und Grünen, die gegen die Einführung der Campusmaut auch beim hessischen Verfassungsgericht klagen. Eine "Volksklage" hatte zudem ein Bündnis nach der Sammlung von über 70.000 Unterschriften gegen Studiengebühren eingereicht. Der Ausgang des Verfahrens ist noch offen.
Besonders pikant: Ausgerechnet Roland Kochs Vater hatte sich vor 60 Jahren erfolgreich gegen Studiengebühren gewehrt. Karl-Heinz Koch setzte damals die Abschaffung der "Vorlesungsgebühren" durch und berief sich auf den Artikel 59 der Landesverfassung, auf den die Campusmaut-Gegner auch heute bauen.
jol/dpa/AP/AFP
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