Für die Studenten ist es eine "Feldbefreiung", für die Universitätsleitung "völlig unverständlich": Etwa 20 Gentechnikgegner haben am Montag ein Versuchsfeld der Universität Gießen besetzt. Auf dem Feld, das für Versuche mit genetisch veränderter Gerste genutzt wird, stellten die Aktivisten einen dreibeinigen Turm auf und ketteten sich an das hölzerne Gerüst.
Forschungsfeld blockiert: Gen-Gegner errichteten einen dreibeinigen Turm
Die Universitätsleitung hatte für die Feldblockade kein Verständnis und stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Sie weist die Darstellung der Gentechnikgegner zurück. Das Projekt gehe auf ein Programm zurück, das unter der damaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zur Klärung der Biosicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen initiiert worden sei. Dabei solle getestet werden, ob die neuen Sorten schädliche Auswirkungen auf nützliche Bodenpilze haben könnten. "Wir wollen eine Sorte finden, die mit wenig Dünger und möglichst ohne Pflanzenschutzmittel auskommt", so eine Uni-Sprecherin. Es gehe also um nachhaltige, "grüne" Landwirtschaft.
Gen-Forscher und Gen-Gegner beharken sich in Gießen bereits seit drei Jahren, Studenten hatten auch frühere Versuchdurchläufe zerstört. Anfang April sollten die Teilnehmer an einer früheren Feldbesetzung vor dem Gießener Amtsgericht erscheinen, der Prozess wurde aber vertagt. Die Uni hält an ihren Tests fest: Im Auftrag des Bundessortenamtes will das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Justus-Liebig-Universität im Mai erneut gentechnisch veränderte Maissorten in Groß-Gerau prüfen.
Bei der heutigen Blockade nahm die Polizei die Personalien der Gentechnikgegner auf, eine Räumung des Gentechnikfeldes soll es jedoch vorerst nicht geben. Die Besetzer machten keine Angaben, wie lange die Aktion andauern soll.
wie/dpa
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