Von Jan Friedmann
In der Internet-Selbstentblößungsbörse StudiVZ haben noch die Spötter die Überhand: "Nichts gegen Bachelor, jeder Akademiker sollte sich einen halten", lästert ein Teilnehmer über seine Turbo-Kommilitonen. Andere Diskussionsgruppen nennen sich "Ob Bachelor oder Master, es ist alles ein Desaster" und "Ich bremse auch für Bachelor". Oder, als Seitenhieb auf die zumeist englische Betitelung der neuen Studiengänge: "Bachelor of Brunch".
Doch häufig sind in der sozialen Online-Kontaktbörse auch ganze Erstsemester-Jahrgänge vernetzt: Sie erinnern sich an die nun regelmäßig dräuenden Prüfungstermine, diskutieren die neuen Pflicht-Lehrpläne oder tauschen Tipps darüber aus, wie die neuartigen Abschlüsse am besten in der eigenen Bewerbungsmappe verkauft werden.
Kein Zweifel: Die neuen Abschlüsse Bachelor und Master sind nun auch im Alltag der deutschen Studenten angekommen. Was die europäischen Bildungsminister im Jahr 1999 in der oberitalienischen Stadt Bologna beschlossen haben, bleibt nicht länger abstrakte Bildungspolitik: Immer mehr angehende Akademiker lernen nach dem verdichteten Modell, Diplom und Magister werden bald Vergangenheit sein.
Rund 70 Prozent aller deutschen Hochschulen in Deutschland haben das gestufte Studiensystem eingeführt. Und anders als europäische Nachbarländer fertigten die Deutschen aus der Selbstverpflichtung der europäischen Bildungsminister ein besonders enges Korsett: Die Curricula bis zum ersten Abschluss, dem Bachelor, sind hierzulande meist auf sechs Semester, drei Jahre, angelegt.
Zeit- und Leistungsdruck an der Alma Mater 2.0
Schneller, jünger, praxisnäher: Die Reform der Abschlüsse ist Teil eines groß angelegten Feldversuchs. Der akademische Elfenbeinturm und die ruhige Studierstube wurden zum Auslaufmodell erklärt, an der Alma Mater 2.0 regieren Zeit- und Leistungsdruck. Der Mythos vom faulen Studenten muss wohl endgültig beerdigt werden. Statt einmal gründlich aufs Examen zu büffeln, fließen nun die Studienleistungen vom ersten Semester an in die Endnote ein. Die Anzahl der Pflichtveranstaltungen und Prüfungen ist drastisch gestiegen, viele Studiosi kommen auf eine 40- bis 50-Stunden-Woche.
Wurden die deutschen Hochschulen bis vor einigen Jahren noch vorwiegend als Ort der intellektuellen Einkehr und Selbstfindung begriffen, sollen sie nun dem globalisierten Arbeitsmarkt den benötigten Nachwuchs liefern - und zwar bitte möglichst maßgeschneidert. Jung, smart, flexibel, formbar, so wünschen sich Personalchefs den Absolventen der Zukunft.
Der Kreis der Deutschen, die sich "Bachelor" nennen dürfen, ist derzeit noch vergleichsweise klein: Knapp 35.000 waren es bis zum Jahr 2006, vorwiegend aus Pionier-Studiengänge, die schon früh auf die neuen Abschlüsse umgestellt hatten. Doch die Zahl der Bachelors wird rasch steigen: Bis 2010 soll die Umbenennung abgeschlossen sein, selbst die allerletzten Bastionen der Tradition wanken. Noch in diesem Jahr wird auf Konferenzen diskutiert werden, wie auch in den Staatsexamensfächern Jura und Medizin gestufte Abschlüsse installiert werden können.
"Bachelor Welcome", unter diesem Slogan werben Unternehmen für die neuen Abschlüsse. Doch ob die neuen Abschlüsse sich in der Praxis wirklich bewähren, ist noch unklar. Laut einer Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln hat erst eine Minderheit der Unternehmen Erfahrungen mit Bachelor-Absolventen.
Berufsstarter machen gemischte Erfahrungen
Die Vorhut der Neu-Absolventen berichtet jedenfalls von gemischten Erfahrungen: "Ich bin der einzige Bachelor im Kollegenkreis. Viele Personalverantwortliche kennen nur den Diplom-Ingenieur und betrachten den neuen Abschluss mit Misstrauen", erzählt etwa der Chemie-Ingenieur Markus Wagner, 30. "Der Bachelor öffnet weder Tor und Tür, noch verbaut er irgendetwas", meint der Informatiker Thomas Willgerodt, 26.
Gegen Schmalspur-Vorwürfe sichern sich viele Bachelors auf ihre Weise ab: Sie absolvieren ein zusätzliches Master-Studium - an der Gleichwertigkeit dieses Abschluss zu den alten Diplomen zweifelt kaum jemand. "Für den späteren Berufsweg kann ein Master von Vorteil sein", sagt der Pädagoge Andreas Bierod, der neben seinem Job bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg Master-Kurse besucht.
Dass die eigene Karriere nicht geradlinig verlaufen wird und eventuell ein weiteres Intermezzo an der Uni einschließt, hat die neue Generation der Absolventen schon verinnerlicht: "Ein zusätzlicher Abschluss lässt sich auch nach einigen Jahren noch draufsatteln", sagt etwa die Buchhändlerin Miriam Driever, 26, die einen Bachelor-Abschluss in Spanisch und Geschichte hat.
Solchen Pragmatismus haben die BA-Berufseinsteiger schon im Studium gelernt - dort waren sie die Versuchskaninchen. Sie sei froh, jung in den Beruf eingestiegen zu sein, sagt Absolventin Jeanette Murschall, Mitarbeiterin bei einer Privatbank in München. "So bleibt mir viel Zeit für Veränderung."
Berufsstart mit dem Bachelor - hier erzählen zwölf Absolventen, welche Erfahrungen sie gemacht haben:
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Unsere Gesellschaftsführung ist ganz offensichtlich Kurzsichtig bis Blind , tendenziell korrupt . Wozu braucht es all diese studierten Köpfe, wenn doch schon jeder halbwegs gebildete sehen kann daß "die" zu blöd [...] mehr...
Oh ich glaube Sie haben mich missverstanden. Ich meinte die Kabarettsendung im zdf, denn dort wäre ihr Statement angebracht. mehr...
Ich möchte ja wirklich niemandem, der bis vor 20 Jahren Unrecht erlitten hat, das absprechen. Aber ganz ehrlich frage ich mich manchmal, ob wir den Schaden vielleicht wenigstens _etwas_ abmildern könnten, wenn wir dieser Dame [...] mehr...
Man kann,-) Die Dame sollte in der "Anstalt", anstatt im Parlament auftreten, da könnte sie wenigstens keinen Schaden anrichten. mehr...
Das ist doch aber genau dass Problem nicht? Warum sollte man länger studieren um dass zu lernen was einen nicht nur praktisch zu gute kommt sondern einen auch interessiert. Fakt ist so wie das Bachelor Studium weltweit [...] mehr...
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