Von Armin Himmelrath und Britta Mersch
Der Anfang war mühsam. Als die ersten Millionen flossen, benötigten viele Fachbereiche erst einmal Zeit, um sich überhaupt den Bedarf für Verbesserungen klarzumachen. "Man muss bedenken, dass die Studienbeiträge zunächst nur für die Erstsemester eingeführt wurden", wirbt NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) um Verständnis für den zögerlichen Umgang der Unis mit dem frischen Geld. Im Wintersemester 2006/07 waren die neuen Studenten die ersten, die zahlen mussten. Seit Sommer 2007 werden nun auch alle anderen zur Kasse gebeten.
Viele Hochschulen sind mutiger geworden. Sie wollen neue Dozenten einstellen und damit die Betreuungssituation deutlich verbessern. So plant die Universität zu Köln die Berufung von 20 zusätzlichen Professoren: "Davon profitieren alle Fakultäten, jede erhält bis zu vier neue Lehrstühle", sagt der Kölner Prorektor Holger Burckhart.
Finanziert werden diese Lehrstühle zur Hälfte aus den Gebühren - ein Modell, das in der Politik gut ankommt. "Langfristig verspreche ich mir von der Personalentwicklung die beste Qualitätssicherung", sagt Wissenschaftsminister Pinkwart. Prorektor Burckhart legt großen Wert darauf, dass die Studenten gleichberechtigt in den jeweiligen Entscheidungsgremien des Rektorats und der Fakultäten vertreten sind und den Zusatzprofessuren zugestimmt haben.
"Die einen Studenten zahlen den anderen die Gebühren"
Auf ganz andere Weise geben die FH Münster und die Universität Duisburg-Essen die Mittel ihrer Studierenden aus. Beide Hochschulen haben Stiftungen gegründet, die bedürftigen Studenten Stipendien gewähren. In Münster fließt jeder fünfte Gebühren-Euro in das Stiftungskapital - im Jahr 2007 immerhin schon eine Million Euro. Aus den Zinserträgen werden leistungsstarke, aber finanzschwache Studenten gefördert, außerdem will die Hochschule Schwerpunktstipendien vergeben, die thematisch variieren. In der ersten Runde sollen Studis profitieren, die aus einem Land außerhalb der EU stammen.
Münsters FH-Rektor Klaus Niederdrenk sieht das Modell als Reaktion auf ein Versäumnis der Landesregierung: "Die Studiengebühren wurden eingeführt, ohne dass es ein Stipendiensystem gibt", sagt Niederdrenk. Ohnehin sei die Einführung in NRW problematisch verlaufen, weil die Universitäten und Fachhochschulen selbst darüber entscheiden konnten, ob sie die Gebühren erheben und wie hoch die ausfallen. "Die Hochschulen mussten damit die politische Verantwortung übernehmen", sagt Niederdrenk. Doch diese Verantwortung hätten nicht wenige Hochschulrektoren lieber beim Wissenschaftsminister belassen.
ABS-Vertreter André Schnepper, der in Münster studiert, hält von Stiftungen und Stipendien nichts: "Aus Studiengebühren eine Stiftung zu gründen, das ist eine absurde Geschichte: Da bezahlen die einen Studenten den anderen die Gebühren", sagt der Sprecher der Gebührengegner.
Manche Bildungspolitiker sehen die Gebührenstiftungen nur als ersten Schritt, um einen Kapitalstock aufzubauen. "Ich könnte mir ein Modell vorstellen, bei dem die Hochschulen für jeden Euro, den sie einnehmen, einen weiteren Euro aus einem nationalen Stiftungsstipendienfonds bekommen", schlägt etwa Wissenschaftsminister Pinkwart vor. Doch einen nationalen Fonds gibt es noch nicht. Bund und Länder wollen im Mai über ein entsprechendes Konzept beraten.
Studienabbruch als Nebenwirkung
"Beiträge helfen, das Studium deutlich besser zu machen, obwohl sie natürlich nur einen geringen Teil der gesamten Kosten des Studienangebots abdecken", argumentiert Pinkwart. Das allerdings halten Studentenvertreter nach wie vor für den falschen Weg. Die meisten Studenten, schimpft Asta-Vorsitzender Veith Lemmen von der Universität Münster, spürten "keine Verbesserungen, sondern nur extreme Zusatzbelastungen", die bei vielen zum Studienabbruch aus finanziellen Gründen führten - Nebenwirkungen, die das Ministerium bestreitet.
Weil in NRW eine Modifizierung des Gebührenmodells (nach schwarz-grünem Hamburger Beispiel) oder gar eine Abschaffung (wie in Hessen von SPD, Grünen und der Linken angestrebt) zurzeit unrealistisch ist, dürfte der Streit um den sinnvollen Einsatz der Gebühren weitergehen. Denn notfalls lässt sich ja auch der Bau eines neuen Hörsaalgebäudes als Verbesserung der Studienbedingungen interpretieren - das Wissenschaftsministerium will gegen entsprechende Pläne mehrerer Universitäten, etwa Köln, nicht einschreiten, was Studentenvertreter erbost.
Einigkeit herrscht nur bei Kleinigkeiten: Der fehlende Wickeltisch an der Uni Wuppertal ist eindeutig kein Fall für die Studiengebühren.
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