Von Frank van Bebber
Hat sich der Pulverdampf erst verzogen, könnte der Blick frei werden für zuletzt kaum beachtete hochschulpolitische Folgen - und die könnten drastisch ausfallen. Die Wirkungen der Gebühren sind in Hessen und anderswo umstritten:
Die größte Gefahr droht jedoch nicht von verschleuderten Gebühren oder schlampigen Gesetzentwürfen, sondern vom verzwickten Kapazitätsrecht. Das folgt einem tückischen Prinzip: Weil das Grundgesetz in Artikel 12 freie Berufs- und Ausbildungswahl garantiert, muss eine Hochschule so vielen Studenten wie möglich die Chance dazu geben. Stellt sie mehr Professoren ein, verbessert sich nicht die Betreuung - sondern es müssen mehr Studenten zugelassen werden.
Den Mechanismus halten viele Rektoren und Politiker für überholt. Entwickelt wurde er vor Jahrzehnten vom Bundesverfassungsgericht. Wie Gerichte heute entschieden, weiß niemand. Klar ist: Die Regel ließe die Campusmaut absurd werden. Das Studentengeld würde nur die Massen-Universität subventionieren.
Gebührenländer wie Baden-Württemberg haben einfach mal festgeschrieben, mit Gebühren bezahlte Stellen seien nicht kapazitätsrelevant. Doch Gerhart von Graevenitz, Vorsitzender der Rektorenkonferenz Baden-Württembergs, ist skeptisch und warnt vor einem "Schuss in den Ofen", würden die Stellen doch kapazitätswirksam.
"Das wollen wir mal ausfechten"
Noch unsicherer wäre die Lage in Hessen, sollten die Studiengebühren am 17. Juni fallen. Zwar versprechen SPD, Grüne und Linke den Hochschulen vollen Ersatz aus dem Landesetat für die jährlich 92 Millionen - kapazitätsneutral, behaupten sie. Doch Regierung und manche Experten befürchten, dass Richter mit diesem Landesgeld bezahlte Stellen mitzählen. "Das wäre verheerend", sagt der Gießener Rektor Stefan Hormuth.
Die grüne Abgeordnete Sarah Sorge und ihr SPD-Kollege Michael Siebel bestreiten das Risiko nicht. Für sie aber wäre das die Chance, das überholte Kapazitätsrecht vor Gericht zu kippen. "Das wollen wir mal ausfechten", sagt Siebel. Sorge gibt sich kämpferisch: "So wie es derzeit rechtlich ist, kann es nicht bleiben." Ein Land müsse Freiraum zur politischen Gestaltung haben.
Mit dieser Stoßrichtung dürften selbst Bildungspolitiker aus der CDU sympathisieren. So hält auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan eine Reform der Kapazitätsformel für nötig.
Doch in Hessen geht es zunächst um die Macht. Sollte sie nach möglichen Neuwahlen wieder in die Hände der Gebührenfans fallen, wäre das Urteil des Staatsgerichtshofes ein Freibrief für nunmehr verfassungskonforme Gebühren. Davon will sich die Grüne Sarah Sorge das zum Greifen nahe Gebühren-Aus im Landtag nicht mehr vermiesen lassen: "Das ist Demokratie, so ist das Leben."
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Wenn im Gegenzug die Progression bei der Einkommensteuer abgeschafft wird, ließe sich sicher darüber reden. Wenn die Einkommensteuer auf eine Pro-Kopf-Basis umgestellt würde, dann würde ich das sogar aktiv unterstützen. Das [...] mehr...
Die beste Lösung wäre es, wenn alle, die Studiengebühren fordern und früher "umsonst" studieren durften, nun nachträglich und verzinst Gebühren für ihr eigenes Studium nachahlen müssten. Das würde den Bildungsetat [...] mehr...
Mein Vater musste für meinen Schulbesuch noch Schulgeld zahlen. Vor 60 Jahren war es klar, dass ich anschließend auch Studiengebühren zahlen musste. Eine Vorstellung von der Höhe erhält man daraus, dass die Studiengebühren [...] mehr...
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Um das zu vermeiden, werden die Bafög-Beträge ja angehoben. Wieso können Kinder des Prekariats kostenfrei einen Kindergarten besuchen? Dort wird doch Auswahl getroffen!! mehr...
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