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Olympia-Eklat Göttinger Sportprofessor zieht Thesen zurück

2. Teil: Die Kollegen wundern sich: Krüger auf dem falschen Fuß erwischt

Kollegen des Sportprofessors wundern sich über Arnd Krügers Thesen: "Ich halte sie für Unsinn", sagt Michael Krüger, Sporthistoriker an der Universität Münster, der bei der Tagung mit dabei war. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn sei Arnd Krüger schon häufiger durch etwas abseitige Ideen aufgefallen - zum Beispiel als er sich im vergangenen Jahr für eine Freigabe von Doping stark machte. "Mich wundert, dass er jetzt solche Thesen vorstellt, weil er eigentlich ein erfahrener Wissenschaftler ist", so Michael Krüger. "Für einen Antisemiten halte ich ihn aber nicht."

Ihn habe die Diskussion wirklich "auf dem falschen Fuß erwischt", sagt Arnd Krüger SPIEGEL ONLINE. Er habe beim Vortrag versucht, die Doppelrolle eines Zeitzeugen und eines Wissenschaftlers einzunehmen - ihm sei aufgefallen, dass in der Aufarbeitung der Ereignisse von München 1972 viele Fragen offen geblieben seien.

Die Frage, warum die israelischen Sportler im olympischen Dorf geblieben sind, beschäftige ihn deshalb weiter. Sie wussten seiner Ansicht nach, dass die Situation für sie gefährlich war. "Auch die Frage, ob ein anderes Körperverständnis hier eine Rolle spielt, wird mich weiter umtreiben", so Krüger. Und er sagt es noch einmal: "Ich sehe mich weder als Rassist noch als Antisemit. Ich will nicht provozieren, sondern mit Fachkollegen ein Problem diskutieren."

"Inakzeptable, abstruse Behauptungen"

Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft berät noch, wie sie nun mit Arnd Krüger umgeht. Hat der Professor Konsequenzen zu befürchten? "Unsere Einschätzung wird sicher nicht positiv ausfallen", sagte Geschäftsführer Frederik Borkenhagen am Mittwoch.

In einer ersten Erklärung distanziert sich die Vereinigung von den "völlig inakzeptablen Behauptungen und Aussagen" des Professors, die "als antisemitische Positionen" verstanden werden könnten und "spekulativ und wissenschaftlich gehaltlos" seien. Für seine abstrusen Behauptungen habe er keinerlei Belege bringen können. Das Präsidium prüfe jetzt, ob Arnd Krüger aus der Vereinigung ausgeschlossen wird.

Die Universität Göttingen schrieb in einer zweiten Stellungnahme am Donnerstag, dass sie "verurteilt, dass durch diese Äußerungen antisemitischen Positionen in unserer Gesellschaft Vorschub geleistet wird". Sie habe eine Ombudskommission einberufen, die prüfen soll, ob die Thesen vom Arnd Krüger die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis verletzen.

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