Hamburg - Schlechtes Zeugnis vom wichtigsten Beratungsgremium für die Wissenschaftspolitik: Der deutsche Wissenschaftsrat sieht die Lehre an den deutschen Hochschulen vernachlässigt. Informationen des SPIEGEL zufolge kritisiert der Rat in seiner neuesten Stellungnahme, dass die Lehre an den Hochschulen einen wesentlich geringeren Stellenwert habe als die Forschung. Das Papier soll am Montag offiziell veröffentlicht werden.
Besonders hart geht das Gremium mit der Qualifikation der Professoren ins Gericht. Die Hochschullehrer seien "weitgehend Autodidakten" und bedürften einer "professionell durchgeführten Aus- und Weiterbildung", heißt es in dem Dokument. "Selbst eine offensichtliche Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung wird allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert".
Noch immer hänge die Karriere eines Wissenschaftlers fast ausschließlich von seinen Forschungsleistungen ab: "Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen."
Unter anderem sollten damit mehr Professorenstellen geschaffen werden, vor allem in den Sprach- und Kulturwissenschaften, sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Für diese Fächer fordere der Wissenschaftsrat einen Zuwachs um 33 Prozent, für andere Fächer um zehn Prozent. Zudem seien Lehr-Professuren nötig, die zwölf Stunden anstelle der üblichen acht oder neun Stunden unterrichten müssten.
Der deutsche Wissenschaftsrat, der 1957 gegründet wurde, berät die Bundesregierung und die Landesregierungen in Fragen von Hochschule, Wissenschaft und Forschung und spricht regelmäßig Empfehlungen aus.
amz/AP
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