Von Nicole Basel
Auch Serhat und sein Mitbewohner Gerald Kleiner, 26, sind von den Urlaubern manchmal genervt. "Die Touristenhorden können manchmal ganz schön anstrengend sein", erzählt er, während er mit Gerald durch die engen Gassen von Sliema schlendert. Die beiden sind auf der Suche nach einer neuen Sonnenbrille, ein wichtiges Accessoire auf Malta.
Nach der Shoppingtour sitzen die Austauschstudenten aus Deutschland in einem der vielen Straßencafés an der Promenade und trinken Cola. Gerald studiert Sport, das passt ziemlich gut hierher, denn Malta ist ein Paradies vor allem für Wassersportler. Schon im Frühjahr ist es warm genug, um im Meer zu tauchen und zu schwimmen oder Surfen zu gehen.
"Beim Lehrerstudium geht es hier vor allem darum, wie man Kindern in der Schule Spaß am Sport vermittelt", sagt Gerald. "Diesem Aspekt wird auf Malta deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als in Deutschland." Er schreit mehr, als dass er spricht. Direkt neben dem Café wird mal wieder die Straße aufgerissen.
Oft nur ein Sixpack Studenten im Seminar
"Für einen Straßenbauingenieur ist das hier der Himmel auf Erden", sagt Heinrich Semar. Der deutsche Professor und Bauingenieur lebt seit elf Jahren auf Malta. "Nirgendwo sonst liegen Theorie und Praxis so nah beieinander", sagt er. Alle Projekte, die Studenten auf Malta planten, würden auch umgesetzt. "Dieser Praxisvorteil ist unschlagbar."
Das Institut, das Semar selbst aufgebaut hat, ist sehr klein: "Wer hierher als Gaststudent kommt, lernt sehr viel. Durch die individuelle Betreuung ist das akademische Niveau sehr hoch." Oft sitzen in den höheren Semestern nur fünf oder sechs Studenten in den Seminaren und planen Projekte.
Auf Malta gibt es im Straßenbau noch viel zu tun, die Beläge sind schlecht. Offiziell gilt daher eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Taxifahrer beweisen allerdings, dass man einige Straßen auch mit 140 nehmen kann - alles eine Frage der Übung.
Die Malteser arbeiten aber dennoch daran, dass die Infrastruktur endlich besser wird. "Wir können hier ganze Straßen als Forschungsobjekte bauen, Malta ist ein Eldorado für die Forschung. Das liegt vor allem an den kurzen Entscheidungswegen", sagt Semar und zeigt auf sein Handy. "Wenn ich wollte, könnte ich den Premierminister anrufen."
Die Insel hat nicht mehr Bürger als Bochum
Die Insel ist so klein, dass man sie locker in den Gardasee setzen könnte, und sie hat gerade mal 400.000 Einwohner - so viele wie Bochum.
Einzigartig auf der Insel ist die Mischung der Kulturen: Auch wenn der kleine Staat mittlerweile EU-Mitglied ist, fühlen sich viele seiner Bewohner eng mit Afrika verbunden. Selbst die Natur kann sich nicht festlegen: Es gibt auf Malta zwar Dattelpalmen, eine typische Pflanze Afrikas. Sie tragen aber keine Früchte.
Martin Schwarzer hat sich in diesen Mix verliebt. Der 27-Jährige absolviert ein Master-Programm in "Kreativität und Innovation". "Der Studiengang am Edward-de-Bono-Institut ist noch ziemlich neu", sagt er. "Aber Innovation ist wohl ein Thema der Zukunft, und in Deutschland gibt es keine Universität, die etwas Vergleichbares anbietet." Der britische Autor und Mediziner Edward de Bono, dessen Methoden auf Malta gelehrt werden und der selbst auf Malta studiert hat, gilt als Kreativitätsguru. De Bono entwickelte verschiedene Techniken, um neue Ideen zu finden und eingefahrene Denkweisen aufzubrechen.
"Das Master-Programm dauert nur ein Jahr. Dementsprechend ist es ziemlich anstrengend", sagt Martin. "Außerdem sind wir nur 16 Leute in dem Programm. Da kann man sich also nicht verstecken. Das hat aber immerhin den Vorteil, dass man schnell einen Draht zueinander hat."
Auch Martina Putz ist nun oft ziemlich müde, wenn sie abends durchs Tal des Todes zurück zum Wohnheim läuft. Immerhin kann sie dort ein bisschen am Pool entspannen. Das Garden View ist nämlich sonst, wenn das Semester vorbei ist, ein Hotel. "Auf Malta ist eben alles ein bisschen anders", sagt die Soziologiestudentin. "Das ist verrückt - aber toll!"
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